Eine ergänzende Fassung in einfacher Sprache. Für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.
Du weißt, was du machen möchtest.
Trotzdem fällt es dir schwer, anzufangen.
Oder du möchtest etwas holen. Unterwegs lenkt dich etwas ab. Danach weißt du nicht mehr, was du holen wolltest.
Vielleicht möchtest du eine Tätigkeit beenden. Aber du machst immer weiter.
Solche Situationen können mit exekutiven Funktionen zusammenhängen.
Zu wissen, was zu tun ist, und es tatsächlich zu tun, sind verschiedene Anforderungen.
Was sind exekutive Funktionen?
„Exekutive Funktionen“ ist ein Fachbegriff.
Damit sind verschiedene Vorgänge im Gehirn gemeint. Sie helfen uns, unser Handeln zu steuern.
Zum Beispiel:
- etwas kurz im Kopf behalten,
- eine erste Reaktion zurückhalten,
- sich auf eine Veränderung einstellen.
Diese Vorgänge wirken zusammen. Wir brauchen sie zum Beispiel, wenn wir etwas planen oder ein Problem lösen.
Im Alltag gehören dazu viele kleine Schritte. Manche davon schauen wir uns jetzt genauer an.
Fünf Beispiele aus dem Alltag
Die folgenden Beispiele sind erfunden. Sie zeigen mögliche Erfahrungen.
Sie sind keine Liste, mit der du eine Diagnose feststellen kannst. Ähnliche Schwierigkeiten können unterschiedliche Gründe haben.
1. Anfangen
Du möchtest deine Tasche für morgen packen.
Du weißt, dass du sie brauchst. Du hast auch schon daran gedacht.
Trotzdem fängst du nicht an.
Vielleicht ist unklar, was zuerst in die Tasche soll. Vielleicht bist du noch mit etwas anderem beschäftigt. Vielleicht weißt du genau, was du tun möchtest, und der Anfang fällt dir trotzdem schwer.
Dass du noch nicht angefangen hast, sagt allein nicht, wie wichtig dir die Sache ist.
2. Im Kopf behalten
Du gehst in ein anderes Zimmer, um etwas zu holen.
Unterwegs spricht dich jemand an. Ihr redet kurz miteinander.
Danach stehst du im Zimmer und fragst dich: Was wollte ich hier?
Während des Gesprächs musstest du dein Vorhaben im Kopf behalten. Das hat in diesem Moment vielleicht nicht geklappt.
Der Fachbegriff Arbeitsgedächtnis beschreibt, wie wir Informationen für kurze Zeit im Kopf behalten und mit ihnen weiterdenken.
3. Ordnen und planen
Du möchtest einen Tisch aufräumen.
Darauf liegen Papier, Stifte, eine Tasse und andere Dinge.
„Den Tisch aufräumen“ klingt nach einer einzigen Aufgabe. Aber dabei gibt es viele Entscheidungen:
Was gehört wohin?
Womit fange ich an?
Was mache ich danach?
Vielleicht beginnst du an mehreren Stellen. Nach einer Weile bist du müde. Der Tisch ist noch nicht frei.
Auch wenn noch wenig Veränderung zu sehen ist, kannst du schon viel nachgedacht und versucht haben.
4. Zu etwas anderem wechseln
Du beschäftigst dich mit etwas. Dann stellt dir jemand eine Frage.
Du antwortest.
Danach möchtest du weitermachen. Aber du weißt nicht mehr genau, wo du gerade warst.
Du musst erst wieder hineinfinden.
Die Unterbrechung war vielleicht kurz. Das Zurückfinden kann trotzdem länger dauern.
Auch eine Änderung im Plan kann schwierig sein. Vielleicht brauchst du Zeit, um dich auf den neuen Ablauf einzustellen.
5. Aufhören
Du möchtest gleich aufhören.
Nur noch eine Kleinigkeit.
Dann fällt dir noch etwas auf. Und noch etwas.
Eigentlich wolltest du längst eine Pause machen. Trotzdem gelingt der Übergang gerade nicht.
Auch das Beenden einer Tätigkeit kann anstrengend sein. Selbst dann, wenn du aufhören möchtest.
Warum klappt es manchmal und manchmal nicht?
Die Bedingungen können einen Unterschied machen.
Wenn du wenig geschlafen hast oder unter Stress stehst, können solche Aufgaben schwerer werden.
Auch mehrere gleichzeitige Anforderungen können eine Situation anstrengend machen.
Dass gestern etwas gelungen ist, bedeutet deshalb nicht automatisch, dass es heute genauso gelingt.
Vielleicht hilft dir ein klarer erster Schritt. Vielleicht brauchst du weniger Unterbrechungen, mehr Zeit oder Unterstützung.
Was hilfreich ist, kann von Person zu Person und von Situation zu Situation verschieden sein.
Was hat das mit ADHS und Autismus zu tun?
Menschen mit ADHS und autistische Menschen können Schwierigkeiten mit exekutiven Funktionen erleben.
Das bedeutet nicht, dass alle dieselben Schwierigkeiten haben.
Vielleicht fällt jemandem das Anfangen schwer. Eine andere Person braucht viel Zeit für einen Wechsel. Wieder eine andere erlebt die genannten Situationen kaum.
Auch Menschen ohne ADHS oder Autismus können solche Schwierigkeiten kennen.
Ein einzelnes Beispiel erklärt nicht sicher, warum etwas schwerfällt. Daraus lässt sich auch keine Diagnose ableiten.
Genauer hinschauen
Wenn eine Aufgabe liegen bleibt, ist von außen oft nicht zu erkennen, woran es liegt.
Wir können genauer fragen:
Ist der erste Schritt unklar?
Muss zu viel gleichzeitig im Kopf bleiben?
Besteht die Aufgabe aus vielen kleinen Entscheidungen?
Ist gerade ein Wechsel schwierig?
Oder gelingt das Aufhören noch nicht?
Diese Fragen können helfen, eine Situation besser zu beschreiben. Sie erklären nicht alles.
Vielleicht kannst du selbst erzählen, was schwierig ist. Vielleicht fällt es dir leichter, es aufzuschreiben, zu zeigen oder später darüber zu sprechen.
Hinter einer scheinbar kleinen Aufgabe können viele einzelne Anforderungen stecken.
Über diesen Text und die Quellen
Dies ist eine ergänzende Fassung in einfacher Sprache. Sie greift ausgewählte Gedanken aus dem ausführlichen Artikel auf.
Fachliche Grundlage: Forschung zu exekutiven Funktionen. Wissenschaftliche Modelle unterscheiden verschiedene Bereiche. Die fünf Alltagsbeispiele sind keine vollständige wissenschaftliche Einteilung.
Eigene Zusammenfassung von Neurofacetten: Die Beispiele und die Fragen zum genaueren Hinschauen sind redaktionelle Veranschaulichungen. Die Beispiele sind erfunden. Sie belegen keine bestimmte Ursache und beschreiben keine Erfahrung, die alle Menschen mit ADHS oder alle autistischen Menschen teilen.
Zum ausführlichen Artikel mit Quellen
Fachliche Grundlagen: Diamond (2013): Executive Functions · Ceruti und Kolleg:innen (2024): Forschungsübersicht zu exekutiven Funktionen bei Kindern und Jugendlichen mit Autismus und ADHS. Die Fachtexte sind auf Englisch.
Stand: 1. November 2026. Mehr zur Arbeitsweise von Neurofacetten.
