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Wenn mehr zusammenkommt: Begleiterkrankungen bei ADHS und Autismus

Angst, Depression und Sucht einordnen: über gemeinsame Voraussetzungen, Belastungsbedingungen und die Frage, welche Rolle lange unerkannte Bedürfnisse spielen können.

Rubrik: Forschungsstand
Wissensstatus: Forschung und aktueller Forschungsstand; Erfahrungswissen, Deutungsrahmen und eigene Einordnungen sind im Text gekennzeichnet.
Stand: 25. Oktober 2026

Eine ADHS- oder Autismusdiagnose kann helfen, die eigenen Erfahrungen besser einzuordnen. Gleichzeitig können Fragen offenbleiben: Wie lässt sich die Angst verstehen? Woher kommt die depressive Belastung? Welche Rolle spielt der Konsum von Alkohol oder anderen Substanzen?

Angststörungen, Depressionen und Suchterkrankungen können zusätzlich bestehen. Forschung und Leitlinien beschreiben solche Überschneidungen. Warum sie entstehen, ist damit noch nicht erklärt. Dafür lohnt sich der Blick auf gemeinsame Voraussetzungen, persönliche Erfahrungen und die Bedingungen, unter denen ein Mensch lebt.

Dieser Artikel konzentriert sich auf ADHS und Autismus. Die Frage, welche Folgen lange unerkannte Bedürfnisse haben können, zieht sich dabei durch den Text. Befunde zu diesen beiden Bereichen lassen sich nicht auf sämtliche Formen von Neurodivergenz übertragen.

Was bedeutet Komorbidität?

Komorbidität bedeutet, dass mehrere diagnostisch unterscheidbare Erkrankungen oder Störungsbilder bei einer Person bestehen. Häufig wird dafür auch „Begleiterkrankung“ verwendet.

Der Begriff beschreibt zunächst das gemeinsame Auftreten. Er legt weder fest, was zuerst da war, noch wodurch etwas entstanden ist. Auch das Wort „Begleiterkrankung“ bedeutet deshalb nicht automatisch „Folgeerkrankung“.

🟢 Forschung: Angst- und depressive Störungen sind sowohl bei ADHS als auch bei Autismus als zusätzliche Erkrankungen beschrieben. Häufigkeitsangaben unterscheiden sich unter anderem nach Alter, untersuchter Gruppe und diagnostischer Methode. Eine einzelne Prozentzahl kann diese Unterschiede kaum abbilden. ADHS: systematische Übersicht, 2022, Autismus: Metaanalyse, 2019

Warum können mehrere Schwierigkeiten zusammenkommen?

Es gibt mehrere mögliche Zusammenhänge, die einander ergänzen können.

Gemeinsame Voraussetzungen: Genetische und Umweltfaktoren können zu mehreren Schwierigkeiten beitragen. Eine Familien- und Zwillingsstudie zu ADHS und emotionalen Beschwerden fand entsprechende Überschneidungen. Solche Befunde beschreiben Zusammenhänge in einer Gruppe; die Entstehung einer Erkrankung bei einer einzelnen Person erklären sie damit noch nicht. Gustavson et al., 2021

Entwicklungswege: Eine Studie, die unter anderem Geschwister und Zwillinge verglich, stützt einen möglichen ursächlichen Beitrag von ADHS zu späterer Depression. Gemeinsame familiäre Voraussetzungen erklärten den Zusammenhang nicht vollständig. Welche Erfahrungen und Prozesse dazwischenliegen, bleibt offen. Studie von 2024

Belastungsbedingungen: Auch soziale Erfahrungen verdienen Aufmerksamkeit. Eine Studie begleitete Kinder bis ins junge Erwachsenenalter. Sie fand einen Zusammenhang zwischen sozialen Kommunikationsschwierigkeiten und späterer Depression; Mobbingerfahrungen erklärten statistisch einen erheblichen Teil davon. Wie groß der ursächliche Beitrag war, lässt sich daraus nicht sicher bestimmen. Rai et al., 2018

🟡 Wissensstatus: Mögliche Entstehungswege sind Gegenstand der Forschung. Ihre Bedeutung kann sich zwischen Personen und zwischen ADHS und Autismus unterscheiden.

Angst: Was passiert in der jeweiligen Situation?

Eine Angststörung kann zusätzlich zu ADHS oder Autismus bestehen. Um Beschwerden zu verstehen, braucht es zugleich den Blick auf ihren Kontext. Fachliche Leitlinien berücksichtigen deshalb sowohl mögliche psychische Erkrankungen als auch soziale und sensorische Bedingungen. NICE: Autismus bei Erwachsenen

Das lässt sich an einem Beispiel verdeutlichen: Eine Person zieht sich nach Treffen zurück. Erlebt sie Angst? Waren die Geräusche und Eindrücke zu viel? Braucht sie Ruhe? Treffen mehrere Dinge zusammen? Das sichtbare Verhalten allein beantwortet diese Fragen nicht.

Auch in der Forschung ist die Unterscheidung anspruchsvoll. Eine systematische Übersicht zu Angst und Depression bei autistischen Erwachsenen beschreibt, wie unterschiedliche Erhebungsmethoden und überlappende Merkmale die Ergebnisse beeinflussen können. Zusätzliche Beschwerden brauchen deshalb eine eigene Betrachtung. Hollocks et al., 2019

Depression: zusätzliche Beschwerden ernst nehmen

Eine bekannte ADHS- oder Autismusdiagnose erklärt depressive Beschwerden nicht automatisch. Eine zusätzliche Depression verdient eine eigene Betrachtung. Auch Leitlinien sehen ausdrücklich vor, mögliche begleitende psychische Erkrankungen zu berücksichtigen. NICE: Autismus bei Erwachsenen

Ein weiterer Forschungsbereich ist Camouflaging: Strategien, mit denen manche autistische Menschen ihre Merkmale verbergen oder sich an soziale Erwartungen anpassen. Eine Metaanalyse fand Zusammenhänge zwischen mehr Camouflaging und mehr Angst- beziehungsweise depressiven Symptomen. Die Richtung des Zusammenhangs ist damit nicht geklärt. Khudiakova et al., 2024

🟣 Erfahrungswissen: In wissenschaftlich ausgewerteten Berichten beschreiben autistische Menschen unter anderem sozialen Anpassungsdruck, Ablehnung und das Gefühl, mit Bedürfnissen übersehen zu werden. Solche Berichte machen Erfahrungen zugänglich; sie stehen nicht stellvertretend für alle autistischen Menschen. Zhuang et al., 2023

🟠 Neurofacetten-Einordnung: Wir möchten die mögliche depressive Erkrankung ebenso ernst nehmen wie die Erfahrungen und Lebensbedingungen der Person. Eine verständliche Belastungsgeschichte macht zusätzliche Beschwerden nicht weniger bedeutsam.

Sucht: unterschiedliche Befunde bei ADHS und Autismus

🟢 Forschung: Bei Erwachsenen mit ADHS werden Substanzgebrauchsstörungen häufiger beschrieben als in Vergleichsgruppen ohne ADHS. Dabei sind Substanzkonsum, problematischer Konsum und eine diagnostizierte Suchterkrankung unterschiedliche Dinge. Systematische Übersicht, 2022

Für Alkoholgebrauchsstörungen bei Autismus ist das Bild uneinheitlicher. Eine systematische Übersicht fand je nach Studie niedrigere, ähnliche oder höhere Risiken als in Vergleichsgruppen. Die untersuchten Gruppen und Methoden unterschieden sich stark. Die Ergebnisse lassen sich außerdem nicht auf alle Substanzen oder Verhaltenssüchte übertragen. Barber et al., 2025

🔵 Möglicher Deutungsrahmen: Substanzkonsum kann als Versuch verstanden werden, mit Belastungen oder Beschwerden umzugehen; dafür wird häufig der Begriff Selbstmedikation verwendet. Diese Perspektive wird auch in der ADHS-Leitlinie angesprochen. Sie ist keine allgemeine Erklärung jeder Suchterkrankung und kein Beleg für die Motive einer einzelnen Person. NICE: ADHS

Wenn Bedürfnisse lange unerkannt bleiben

Bleiben ADHS oder Autismus lange unerkannt, stellt sich eine wichtige Frage: Welche Bedürfnisse und Belastungen könnten ebenfalls übersehen worden sein?

🟠 Neurofacetten-Verdichtung – ein möglicher Verlauf: Ein Kind erlebt Anforderungen wiederholt als kaum bewältigbar. Erwachsene deuten seine Schwierigkeiten als mangelnde Anstrengung. Erwartungen bleiben bestehen, passende Entlastung fehlt. Daraus können sich weitere Fragen ergeben: Wie erlebt das Kind sich selbst? Welche Möglichkeiten hat es, mit der Belastung umzugehen? Dieses Beispiel veranschaulicht einen möglichen Belastungsweg. Es ist keine belegte Abfolge und keine Erklärung jeder späteren Erkrankung.

Um solche Fragen wissenschaftlich zu untersuchen, müssen wir genauer unterscheiden: Wann wurde eine Diagnose gestellt? Wann erfuhr die Person selbst davon? Und welche Unterstützung erhielt sie tatsächlich? Diese Zeitpunkte und Erfahrungen können auseinanderliegen.

Eine britische Studie verglich autistische Kinder mit Diagnose bis zum siebten Lebensjahr mit Kindern, die zwischen acht und 14 Jahren diagnostiziert wurden. In der später diagnostizierten Gruppe bestanden häufig schon vorher erhebliche emotionale und soziale Schwierigkeiten; bis zur Jugend nahmen sie stärker zu. Welche Hilfen die Kinder erhalten hatten, konnte die Studie nicht berücksichtigen. Sie zeigt deshalb keinen gesicherten Präventionseffekt einer früheren Diagnose. Mandy et al., 2022

Studien zum Diagnosezeitpunkt und späterer Lebensqualität liefern unterschiedliche Befunde. Um die Wirkung früher Unterstützung zu verstehen, braucht es zusätzlich Informationen darüber, welche Hilfe jemand tatsächlich erhielt. Leung et al., 2024, Studie von 2026

🟡 Aktueller Forschungsstand: Die Frage nach möglichen Belastungsfolgen unerkannter Bedürfnisse ist berechtigt. Wie viel eine frühere Diagnose oder bestimmte Unterstützung hätte verhindern können, ist damit noch nicht geklärt. Das lässt sich auch für eine einzelne Lebensgeschichte nicht rückwirkend aus Gruppenbefunden bestimmen.

Kann frühe Behandlung spätere Suchterkrankungen verhindern?

Die Hoffnung ist nachvollziehbar: Wenn Schwierigkeiten früh erkannt und behandelt werden, könnten spätere Belastungen geringer ausfallen. Ob daraus auch weniger Suchterkrankungen entstehen, muss jedoch gesondert untersucht werden. ADHS-Medikation ist dafür ein aufschlussreiches Forschungsbeispiel.

Hinweise auf mögliche Schutzwirkungen: Einige große Registerstudien verbinden Behandlung mit weniger substanzbezogenen Ereignissen. Eine schwedische Studie von 2025 fand einen solchen Zusammenhang über zwei Jahre. Erfasst wurden unter anderem Diagnosen und Vergiftungen. Auch Menschen mit entsprechenden Ereignissen in der Vorgeschichte waren eingeschlossen. Ein Schutz vor der erstmaligen Entwicklung einer Suchterkrankung ist damit nicht gesichert. Zhang et al., 2025

Kein gesicherter langfristiger Präventionseffekt: Eine andere Untersuchung begleitete Kinder mit ADHS bis durchschnittlich zum 25. Lebensjahr. Sie fand weder einen belegten schützenden noch einen risikoerhöhenden Zusammenhang zwischen Stimulanzienbehandlung und späterem Substanzkonsum beziehungsweise Substanzgebrauchsstörungen. Die langfristige Medikamenteneinnahme war dabei nicht zufällig zugeteilt. Molina et al., 2023

Eine systematische Evidenzübersicht von 2024 fand ebenfalls keinen gesicherten Unterschied bei neu auftretenden Suchtdiagnosen im Erwachsenenalter. Die Sicherheit dieser Aussage wurde als niedrig bewertet; die Studie von 2025 konnte darin noch nicht enthalten sein. Rieke et al., 2024

🟡 Aktueller Forschungsstand: Es gibt Hinweise auf mögliche Schutzwirkungen bei bestimmten substanzbezogenen Problemen. Ein verlässliches Versprechen, dass Medikation im Kindesalter spätere Suchterkrankungen verhindert, lässt sich daraus bisher nicht ableiten.

Ein ähnlicher Unterschied zeigt sich bei der Depressionsforschung: Eine Metaanalyse von 2025 fand einen Zusammenhang zwischen Stimulanzienbehandlung und geringerem Depressionsrisiko bei Kindern und Jugendlichen. Eine andere Auswertung randomisierter Medikamentenstudien fand keine gesicherten Unterschiede bei Angst- oder depressiven Symptomen gegenüber Placebo; diese Beschwerden wurden allerdings nur selten als Studienergebnis berichtet. Spätere Diagnosen und Symptome während einer Behandlungsstudie sind unterschiedliche Messgrößen. Zhang et al., 2025, Bryant et al., 2023

Was zusätzlich relevant sein kann

Schlafstörungen, Essstörungen und Zwangsstörungen können ebenfalls gemeinsam mit ADHS oder Autismus auftreten. Schwierigkeiten in diesen Bereichen sind jedoch nicht automatisch eine zusätzliche Diagnose: Schlafprobleme und eine diagnostizierte Schlafstörung sind ebenso zu unterscheiden wie belastende Schwierigkeiten beim Essen und eine Essstörung. Die diagnostische Einordnung braucht mehr als ein einzelnes Merkmal. Übersicht zu Autismus, 2023, NICE: ADHS, NICE: Autismus

Gesondert einordnen: autistischer Burnout. Qualitative Forschung und Erfahrungsberichte beschreiben unter anderem anhaltende Erschöpfung, verringerte Alltagsfähigkeiten und geringere Reiztoleranz. Daraus wurde ein Deutungsrahmen zu chronischer Belastung und fehlender Unterstützung entwickelt. Diese Forschung liefert keine einfache diagnostische Trennlinie zwischen Burnout und Depression. Raymaker et al., 2020

Mehrere Ebenen berücksichtigen

🟠 Neurofacetten-Einordnung: Für Orientierung brauchen wir beides: Aufmerksamkeit für zusätzliche Erkrankungen und Interesse an den Erfahrungen und Lebensbedingungen eines Menschen.

Dabei geht es um konkrete Fragen: Welche Beschwerden sind hinzugekommen? Was belastet im Alltag? Welche Bedürfnisse wurden bisher möglicherweise übersehen? Und welche Unterstützung ist tatsächlich zugänglich?

Die Antworten dürfen unterschiedlich ausfallen. Ein Mensch braucht keine lückenlose Erklärung seiner gesamten Lebensgeschichte, damit seine gegenwärtige Belastung ernst genommen wird.

Quellen und Literatur

Die Auswahl umfasst Forschungsübersichten, Originalstudien und Leitlinien. Sie ist kein eigener systematischer Review. Bei den Quellen stehen Studientyp und Grenzen der Aussagekraft. Die Wissensmarkierungen beziehen sich auf die jeweilige Aussage, nicht pauschal auf eine gesamte Publikation.

  1. The prevalence of psychiatric comorbidities in adult ADHD compared with non-ADHD populations: A systematic literature review (2022)

    Studientyp: Systematische Literaturübersicht
    Einordnung: Psychiatrische Begleiterkrankungen bei Erwachsenen mit ADHS. Unterschiedliche Diagnoseinstrumente und Stichproben begrenzen einheitliche Häufigkeitsangaben.

  2. Prevalence of co-occurring mental health diagnoses in the autism population: a systematic review and meta-analysis (2019)

    Studientyp: Systematische Übersicht und Metaanalyse
    Einordnung: Gemeinsames Auftreten psychischer Diagnosen bei Autismus; Altersgruppen, klinische und bevölkerungsbezogene Stichproben unterscheiden sich.

  3. Gustavson et al. (2021): Genetic and environmental contributions to co-occurring ADHD and emotional problems in school-aged children

    Studientyp: Familien- und Zwillingsstudie
    Einordnung: Genetische und Umweltbeiträge zur Überschneidung von ADHS und emotionalen Symptomen bei Achtjährigen. Symptome und klinische Diagnosen sind zu unterscheiden.

  4. Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder and Major Depressive Disorder: Evidence From Multiple Genetically Informed Designs (2024; online 2023)

    Studientyp: Studie mit mehreren genetisch informierten Verfahren
    Einordnung: Stützt einen möglichen Beitrag von ADHS zu späterer Depression. Konkrete vermittelnde Erfahrungen und Folgen unerkannter ADHS wurden damit nicht nachgewiesen.

  5. Rai et al. (2018): Association of Autistic Traits With Depression From Childhood to Age 18 Years

    Studientyp: Längsschnittstudie
    Einordnung: Mobbing war ein statistischer Vermittlungsfaktor zwischen sozialen Kommunikationsschwierigkeiten und späterer Depression. Das belegt keine einzelne Ursache jeder Depression.

  6. NICE CG142: Autism spectrum disorder in adults: diagnosis and management

    Studientyp: Fachliche Leitlinie
    Einordnung: Berücksichtigt zusätzliche Erkrankungen, individuelle Bedürfnisse und Lebensbedingungen. Keine direkte Untersuchung des Präventionseffekts früher Diagnose.

  7. Hollocks et al. (2019; online 2018): Anxiety and depression in adults with autism spectrum disorder: a systematic review and meta-analysis

    Studientyp: Systematische Übersicht und Metaanalyse
    Einordnung: Angst und Depression bei autistischen Erwachsenen; berücksichtigt unterschiedliche Messmethoden und mögliche Merkmalsüberschneidungen.

  8. Khudiakova et al. (2024): A systematic review and meta-analysis of mental health outcomes associated with camouflaging in autistic people

    Studientyp: Systematische Übersicht und Metaanalyse
    Einordnung: Camouflaging hing mit Angst- und depressiven Symptomen zusammen. Kausalrichtung und Übertragbarkeit bleiben offen.

  9. Zhuang et al. (2023): Psychosocial factors associated with camouflaging in autistic people and its relationship with mental health and well-being: A mixed methods systematic review

    Studientyp: Systematische Übersicht mit qualitativen und quantitativen Studien
    Einordnung: Erfasst Erfahrungen und Zusammenhänge rund um Camouflaging. Überwiegend weiße, weibliche und spät diagnostizierte Erwachsene waren vertreten.

  10. Barber et al. (2025): Alcohol use among populations with autism spectrum disorder: narrative systematic review

    Studientyp: Narrative systematische Übersicht
    Einordnung: Befunde zu Alkoholgebrauchsstörungen bei Autismus unterscheiden sich stark nach Stichprobe und Methode. Keine allgemeine Aussage über sämtliche Suchterkrankungen.

  11. NICE NG87: Attention deficit hyperactivity disorder: diagnosis and management

    Studientyp: Fachliche Leitlinie
    Einordnung: Berücksichtigt zusätzliche Erkrankungen, individuelle Bedürfnisse und Lebensbedingungen. Keine direkte Untersuchung des Präventionseffekts früher Diagnose.

  12. Mandy et al. (2022): Mental health and social difficulties of late-diagnosed autistic children, across childhood and adolescence

    Studientyp: Längsschnittstudie
    Einordnung: Später diagnostizierte autistische Kinder hatten häufig schon vor der Diagnose erhebliche Schwierigkeiten. Angaben zu erhaltenen Interventionen fehlten; eine Schutzwirkung früher Diagnose wurde nicht getestet.

  13. Leung et al. (2024; online 2023): Re-examining the association between the age of learning one is autistic and adult outcomes

    Studientyp: Präregistrierte Querschnittsstudie
    Einordnung: Unterscheidet Diagnosealter und Alter beim Erfahren der Diagnose. Frühere Kenntnis sagte nach Berücksichtigung weiterer Faktoren Lebensqualität nicht eigenständig voraus; keine Präventionsstudie.

  14. The relationship between age of autism diagnosis and life satisfaction in adulthood (2026)

    Studientyp: Querschnittsauswertung bei Erwachsenen
    Einordnung: Frühe Kindheitsdiagnose hing mit höherer Zufriedenheit in mehreren Lebensbereichen zusammen. Erhaltene Unterstützung wurde nicht über die Lebensspanne erfasst; keine Kausalitätsaussage.

  15. Zhang et al. (2025): ADHD drug treatment and risk of suicidal behaviours, substance misuse, accidental injuries, transport accidents, and criminality: emulation of target trials

    Studientyp: Registerstudie mit statistischer Nachbildung einer Zielstudie
    Einordnung: Behandlungsbeginn und fortgeführte Medikation waren über zwei Jahre mit weniger substanzbezogenen Ereignissen verbunden. Vorgeschichte, breite Endpunkte und mögliche unbeobachtete Unterschiede begrenzen Präventionsaussagen.

  16. Molina et al. (2023): Association Between Stimulant Treatment and Substance Use Through Adolescence Into Early Adulthood

    Studientyp: Langzeitbeobachtung der MTA-Kohorte
    Einordnung: Kein belegter Schutz oder Risikoanstieg für späteren Substanzkonsum bzw. Substanzgebrauchsstörungen. Die langfristige Medikation war nicht randomisiert.

  17. Rieke et al. (2024): ADHD and Substance Use Disorders in Adults: A Systematic Review

    Studientyp: Systematische Evidenzübersicht
    Einordnung: Kein gesicherter Unterschied bei neuen Suchtdiagnosen im Erwachsenenalter; geringe Ergebnissicherheit. Suchstand überwiegend 2023/Anfang 2024, daher ohne die BMJ-Studie von 2025.

  18. Zhang, Liao, Rao, Gao & Yang (2025): Effects of ADHD and ADHD medications on depression and anxiety in children and adolescents: A systematic review and meta-analysis

    Studientyp: Systematische Übersicht und Metaanalyse
    Einordnung: Berichtet einen Zusammenhang zwischen Stimulanzienbehandlung und geringerem Depressionsrisiko bei Kindern und Jugendlichen. Ein Zusammenhang ist kein gesichertes Präventionsversprechen.

  19. Bryant et al. (2023; online 2022): A meta-analytic review of the impact of ADHD medications on anxiety and depression in children and adolescents

    Studientyp: Metaanalyse randomisierter Medikamentenstudien
    Einordnung: Keine gesicherten Unterschiede bei den untersuchten Angst- und Depressionsmaßen gegenüber Placebo. Die entsprechenden Zielgrößen wurden selten berichtet; keine Langzeitpräventionsstudie.

  20. Prevalence of co-occurring conditions in children and adults with autism spectrum disorder: A systematic review and meta-analysis (2023)

    Studientyp: Systematische Übersicht und Metaanalyse
    Einordnung: Breiter Überblick zu zusätzlichen Erkrankungen und Beschwerden bei Autismus. Beschwerde, Diagnose und Altersgruppe müssen auseinandergehalten werden.

  21. Raymaker et al. (2020): Defining Autistic Burnout

    Studientyp: Qualitative, communitybeteiligte Studie
    Einordnung: Erfahrungen und vorgeschlagener Deutungsrahmen zu autistischem Burnout. Keine abschließende diagnostische Abgrenzung gegenüber Depression.

Die Aussagen wurden anhand der verlinkten Publikationen, Abstracts und ausgewählter Volltextabschnitte eingeordnet. Eine vollständige methodische Neubewertung sämtlicher eingeschlossener Einzelstudien wurde nicht vorgenommen.

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