Transparenz
Wie Neurofacetten Wissen einordnet.
Dieser Bereich beschreibt Arbeitsweise, Quellenverständnis, Wissensstatus, Perspektive, KI-Einsatz und den Umgang mit Unsicherheit, Aktualisierungen und Korrekturen.
Formate und Wissensstatus sind nicht dasselbe
Ein Format beschreibt, wie ein Beitrag aufgebaut ist und welche Aufgabe er erfüllt. Der Wissensstatus beschreibt dagegen, wie eine einzelne Aussage einzuordnen ist.
Deshalb kann ein Meinungsartikel gut gestützte Forschung enthalten. Ein vertiefendes Wissensdossier kann etablierte Forschung, offene Fragen, Modelle und Erfahrungswissen nebeneinanderstellen. Eine Arbeitshilfe kann auf Forschung beruhen, ohne selbst eine wissenschaftliche Studie zu sein.
Wissensdossier
Ordnet zentrale Begriffe, Diagnostik oder Forschungsfelder systematisch ein und trennt dabei unterschiedliche Wissensformen. Wissensdossiers können als Grundlage breit in ein Thema einführen oder als Vertiefung eine spezifischere Frage verfolgen.
Grundlage oder Vertiefung?
Diese Bezeichnungen sind keine eigenen Formate. Sie beschreiben nur den Zuschnitt eines Wissensdossiers: Grundlagen bieten einen breiten Einstieg, Vertiefungen fokussieren eine engere oder konzeptionell komplexere Frage.
Perspektiven
Essays, Kommentare und gesellschaftliche Einordnungen zu Neurodivergenz, Behinderung, Ableismus und Normen. Jeder Beitrag enthält eine gesellschaftliche Leitfrage, eine begründete Position und die Auseinandersetzung mit Gegenargumenten oder offenen Fragen. Forschung, Modelle, Erfahrungswissen und eigene Bewertungen bleiben unterscheidbar. Wissensdossiers und Vertiefungen (Deep Dives) liefern fachliche Grundlagen; Perspektiven entwickelt darauf bezogene gesellschaftliche Positionen.
Aussagencheck
Prüft eine verbreitete Aussage: Was ist daran belegt, was verkürzt – und wie lässt sie sich präziser formulieren?
Arbeitshilfe
Unterstützt beim Beobachten, Strukturieren oder Beschreiben eigener Situationen. Sie ersetzt keine Diagnostik oder individuelle Beratung.
Neurofacetten erklärt
Übersetzt einen fachlichen Rahmen oder Begriff in eine praxisnahe, verständliche Perspektive, ohne die fachliche Einordnung zu ersetzen.
Entscheidend: Das Format sagt nicht, wie „sicher“ eine Aussage ist. Dafür gelten die fünf Wissensstatus im nächsten Abschnitt.
Wissensformen
Etablierte Forschung
Aussagen, die durch mehrere Studien oder Übersichtsarbeiten gut gestützt sind und teilweise auch in Leitlinien oder diagnostischen Klassifikationen aufgegriffen werden.
Vorläufiger Forschungsstand
Aussagen, zu denen es erste Hinweise oder mehrere Studien gibt, bei denen aber wichtige Fragen noch offen sind. Korrelationen werden nicht als Kausalität dargestellt.
Modell / Deutungsrahmen
Theoretische Modelle, die helfen können, Befunde einzuordnen und Erfahrungen verständlicher zu machen. Modelle sind keine abschließenden Wahrheiten.
Erfahrungswissen
Wiederkehrende Erfahrungen vieler neurodivergenter Menschen. Sie sind wichtig, aber kein wissenschaftlicher Beweis und nicht auf alle übertragbar. Wie wir mit Erfahrungen umgehen.
Neurofacetten-Verdichtung
Eigene sprachliche Verdichtungen, Metaphern und Zusammenfassungen. Sie dienen dem Verständnis und werden als eigene Einordnung kenntlich gemacht.
Wie wir mit Erfahrungen umgehen
Persönliche Berichte können beschreiben, wie eine Situation erlebt wird und welche Bedeutung sie für eine Person hat. Bei Neurofacetten möchten wir diese Perspektiven möglichst mit ihrem Kontext sichtbar machen.
Wir kennzeichnen, ob wir einen individuellen Bericht, eine organisierte Selbstvertretungsperspektive oder Ergebnisse einer Studie aufgreifen. Eigene Beispielsätze und redaktionelle Zusammenfassungen werden davon unterschieden. Aussagen wie „Viele berichten …“ benötigen eine nachvollziehbare Grundlage.
Erfahrungen können auch wissenschaftlich untersucht werden. Die Standards for Reporting Qualitative Research betonen die transparente Darstellung qualitativer Forschung. Dazu gehören unter anderem Kontext, Auswahl der Beteiligten, Datenerhebung und Analyse.
🟠 Eigene redaktionelle Regel: Wir benennen, welche Frage eine Quelle beantworten kann und welche offenbleibt. Ein einzelner Bericht liefert für sich genommen keine Häufigkeitsschätzung oder gesicherte Ursachenerklärung.
Wissensstatus: Eigene redaktionelle Haltung mit methodischem Hintergrund. Die Berichtsstandards belegen keine bestimmte neurodivergente Erfahrung.
Quelle: O’Brien, B. C., Harris, I. B., Beckman, T. J., Reed, D. A., & Cook, D. A. (2014). Standards for reporting qualitative research: A synthesis of recommendations. Academic Medicine, 89(9), 1245–1251. DOI und Originalpublikation.
Stand dieser Ergänzung: 22. Oktober 2026.
Arbeitsweise
- Forschung, Modelle, Erfahrungswissen und eigene Verdichtungen werden möglichst sichtbar getrennt.
- Quellen werden bei Artikeln und später in Quellenlisten nachvollziehbar gemacht.
- KI kann beim Strukturieren, Formulieren und Visualisieren helfen, gilt aber nicht als Quelle.
- Fehler, Korrekturen und Aktualisierungen sollen kenntlich gemacht werden.
Perspektivische Transparenz
Von wo aus Neurofacetten spricht
Neurofacetten entsteht auch aus meiner eigenen Perspektive als autistischer Person mit ADHS, hoher intellektueller Begabung und vergleichsweise hoher sprachlicher Kompetenz. Diese Position beeinflusst, welche Erfahrungen ich aus der Innenperspektive kenne, welche Fragen mir auffallen und welche Aspekte neurodivergenter Erfahrung ich besonders gut sprachlich beschreiben kann.
Diese Perspektive ist eine autistische Perspektive – nicht die autistische Perspektive.
Lebensrealitäten autistischer Menschen mit intellektueller Behinderung, sehr hohem täglichen Unterstützungsbedarf oder wenig beziehungsweise keiner zuverlässigen Lautsprache entsprechen nicht meiner eigenen Erfahrung. Neurofacetten möchte diese Unterschiede weder unsichtbar machen noch so tun, als könne eine einzelne Person für das gesamte Spektrum sprechen.
Wo eigene Erfahrung fehlt, sollen Forschung, Perspektiven autistischer Menschen selbst – einschließlich Menschen, die AAC nutzen – sowie relevante Perspektiven von Angehörigen und Unterstützenden möglichst transparent voneinander unterschieden werden.
Die eigene Perspektive wird dabei nicht als wissenschaftliche Evidenz verwendet. Sie kann Fragen, Sprache und Auswahl von Themen prägen. Fachliche Aussagen werden unabhängig davon anhand nachvollziehbarer Quellen geprüft und ihrem Wissensstatus entsprechend eingeordnet.
Das Ziel ist nicht, für das gesamte Spektrum zu sprechen. Sondern sichtbar zu machen, von wo aus gesprochen wird.
Zugänglichkeit
Barrierefreiheit
Wie Neurofacetten mit Lesbarkeit, Tastaturbedienung, Infografik-Beschreibungen und bekannten Grenzen umgeht, steht auf der Seite Barrierefreiheit.
Infografik: Wissensstatus bei Neurofacetten

Kurzbeschreibung
Die Grafik unterscheidet fünf Wissensformen: etablierte Forschung, vorläufiger Forschungsstand, Modell / Deutungsrahmen, Erfahrungswissen und Neurofacetten-Verdichtung. Zu jeder Ebene werden typische Formulierungen genannt, damit sichtbar bleibt, wie sicher, vorläufig oder deutend eine Aussage ist.
Grafik als Text
Etablierte Forschung: Aussagen, die durch mehrere Studien oder Übersichtsarbeiten gut gestützt sind und teilweise auch in Leitlinien oder diagnostischen Klassifikationen aufgegriffen werden. Typische Formulierungen: gut gestützt, mehrere Studien zeigen, wiederholt beschrieben, in Leitlinien berücksichtigt.
Vorläufiger Forschungsstand: Aussagen, zu denen es erste Hinweise oder mehrere Studien gibt, bei denen aber wichtige Fragen noch offen sind. Korrelationen werden nicht als Kausalität dargestellt. Typische Formulierungen: Hinweise sprechen dafür, wird diskutiert, assoziiert mit, könnte eine Rolle spielen.
Modell / Deutungsrahmen: Theoretische Modelle, die helfen können, Befunde einzuordnen und Erfahrungen verständlicher zu machen. Modelle sind keine abschließenden Wahrheiten. Typische Formulierungen: ein mögliches Modell, hilfreiche Perspektive, kann erklären, lässt sich als Modell verstehen.
Erfahrungswissen: Wiederkehrende Erfahrungen vieler neurodivergenter Menschen. Sie sind wichtig, aber kein wissenschaftlicher Beweis und nicht auf alle übertragbar. Typische Formulierungen: viele berichten, häufig beschrieben, nicht für alle gleich.
Neurofacetten-Verdichtung: Eigene sprachliche Verdichtungen, Metaphern und Zusammenfassungen. Sie dienen dem Verständnis und werden als eigene Einordnung kenntlich gemacht. Typische Formulierungen: Neurofacetten-Verdichtung, eigene Einordnung, bildhafte Zusammenfassung, sprachliche Verdichtung.
Hinweis: Die Grafik ist eine redaktionelle Orientierungshilfe. Sie ersetzt nicht die Quellenangaben direkt an den jeweiligen Artikeln.
