Zum Hauptinhalt springen

Kommunikation nach eigenen Möglichkeiten

Zur Modulauswahl · Beobachtungen zusammenführen

Barriereregister · Modul 16 von 17

Kommunikation nach eigenen Möglichkeiten

Ein geführtes Gespräch sagt noch nicht, ob du alles verstehen und dein Anliegen mitteilen konntest. Vielleicht blieben Fragen offen. Vielleicht war umfangreiche Vorbereitung nötig. Vielleicht konntest du erst später ausdrücken, was dir wichtig war.

Auch eine ausbleibende Antwort erklärt für sich genommen nicht, was jemand verstanden hat oder mitteilen möchte.

Diese Arbeitshilfe unterstützt dich dabei, einzelne Situationen und ihre Bedingungen zu entdecken. Du musst noch nicht wissen, wodurch eine Schwierigkeit entsteht.

Die Leitfrage lautet: Was brauche ich, damit ich Informationen verstehen, mich ausdrücken und mitentscheiden kann?

Wähle nur die Fragen, die dir helfen. Du musst nichts vollständig ausfüllen und keine Schwierigkeiten nachweisen. Persönliche Nachrichten oder vertrauliche Gesprächsinhalte musst du hier nicht wiedergeben.

Kurz anfangen

Drei Fragen reichen

1. Was möchte ich ermöglichen?

Zum Beispiel:

  • eine Information verstehen;
  • eine Frage stellen;
  • ein Bedürfnis, einen Wunsch oder eine Grenze mitteilen;
  • eine Nachricht beantworten;
  • in einem Gespräch zu Wort kommen;
  • eine Entscheidung ausdrücken;
  • eine Kommunikationshilfe nutzen;
  • später antworten oder etwas ergänzen;
  • deutlich machen, dass gerade keine Antwort möglich ist.

2. Was geschieht tatsächlich?

Was gelingt bereits? Welcher Schritt wird schwierig? Gibt es einen Unterschied zwischen dem, was du mitteilen möchtest, und dem, was bei anderen ankommt?

3. Was hilft oder fehlt?

Zum Beispiel verständliche Informationen, mehr Antwortzeit, eine passende Umgebung, ein anderer Kommunikationsweg oder verlässliche Unterstützung.

„Das weiß ich noch nicht“ ist ebenfalls eine mögliche Antwort.

Meine Situation in wenigen Sätzen

Ich möchte oder brauche …

Derzeit gelingt …

Schwierig wird es, wenn …

Leichter gelingt es, wenn …

Ich wünsche mir beziehungsweise möchte klären …

Du kannst hier aufhören. Die folgenden Abschnitte sind eine freiwillige Vertiefung.

Genauer entdecken

Optional genauer entdecken

Eine Frage reicht. Du musst die Abschnitte weder der Reihe nach noch vollständig bearbeiten.

Mögliche Antworten sind:

weiß ich noch nicht · wechselnd · trifft nicht zu · möchte ich nicht beantworten

1. Mein Anliegen

Kommunikation kann gesprochen, geschrieben, gebärdet, über Bilder, Zeichen, Bewegungen oder mit technischen und anderen Hilfsmitteln stattfinden. Verschiedene Möglichkeiten können sich ergänzen.

Vielleicht möchtest du eine bestimmte Form nutzen. Vielleicht wechseln deine Möglichkeiten je nach Situation. Vielleicht ist noch offen, welcher Weg passt.

  • Was möchtest du verstehen oder mitteilen?
  • In welcher Situation?
  • Mit wem?
  • Welche Formen nutzt du bereits?
  • Was gelingt dabei?
  • Was möchtest du selbst entscheiden?

Es geht nicht darum, häufiger zu sprechen, schneller zu antworten oder eine bestimmte Ausdrucksweise zu übernehmen. Entscheidend ist deine gewünschte Verständigung und Beteiligung.

2. Entdeckungsfragen

Öffne nur das Thema, das dir gerade hilft. Jedes Thema lässt sich einzeln auf- und zuklappen.

Informationen wahrnehmen
  • Erreicht dich die Information überhaupt?
  • Kannst du hören, sehen, lesen oder auf andere Weise aufnehmen, was angeboten wird?
  • Welche Rolle spielen Lautstärke, Schriftgröße, Darstellung oder technische Qualität?
  • Werden wichtige Informationen über mehrere nutzbare Wege angeboten?
  • Was geschieht, wenn mehrere Informationen gleichzeitig kommen?
  • Kannst du mitteilen, dass dich eine Information nicht erreicht hat?

In welcher Form sind Informationen für mich wahrnehmbar?

Informationen verstehen
  • Sind Wörter, Sätze und Zusammenhänge verständlich?
  • Brauchst du eine andere Sprache, Übersetzung oder sprachliche Vermittlung?
  • Ist klar, worum es geht und was von dir erwartet wird?
  • Was geschieht bei langen Erklärungen oder vielen Angaben hintereinander?
  • Werden wichtige Inhalte nur indirekt oder nebenbei vermittelt?
  • Kannst du nachfragen oder eine Erklärung erneut erhalten?
  • Verstehst du etwas möglicherweise erst später?

Was verstehe ich bereits, und welche Erklärung fehlt?

Etwas wahrzunehmen und es zu verstehen sind unterschiedliche Schritte. Du musst nicht sicher wissen, welcher davon schwierig ist.

Gedanken und Anliegen ausdrücken
  • Weißt du, was du mitteilen möchtest?
  • Findest du in der Situation passende Wörter, Zeichen oder andere Ausdrucksmöglichkeiten?
  • Hilft Schreiben, Zeigen, Auswählen oder eine andere Form?
  • Ist es leichter, auf konkrete Fragen zu antworten, als frei zu erklären?
  • Kannst du eine Aussage ergänzen oder korrigieren?
  • Bleibt etwas Wichtiges unausgedrückt, obwohl das Gespräch beendet wird?

Was möchte ich mitteilen können?

Zeit zum Verarbeiten und Antworten
  • Bekommst du genug Zeit, eine Information einzuordnen?
  • Kommt eine weitere Frage, bevor du auf die vorherige antworten konntest?
  • Kannst du eine Pause oder spätere Antwort vereinbaren?
  • Hilft es, Fragen vorher zu erhalten?
  • Kannst du nachträglich etwas ergänzen?
  • Was verändert sich, wenn mehr Zeit vorhanden ist?

Welche Zeit brauche ich für meine Antwort oder Entscheidung?

Gespräche beginnen, mitgestalten und beenden
  • Wie gelingt es dir, ein Gespräch anzufangen oder ein Anliegen anzumelden?
  • Ist erkennbar, wann du zu Wort kommen kannst?
  • Werden deine Fragen und Themen aufgegriffen?
  • Was geschieht bei Unterbrechungen oder schnellen Themenwechseln?
  • Kannst du eine Pause machen oder das Gespräch beenden?
  • Ist eine spätere Fortsetzung möglich?

An welcher Stelle eines Gesprächs brauche ich andere Bedingungen?

In einer Gruppe kommunizieren
  • Was geschieht, wenn mehrere Menschen gleichzeitig sprechen?
  • Kannst du erkennen, wer gerade zu wem spricht?
  • Gibt es ausreichend Zeit für deinen Beitrag?
  • Kannst du auf eine passende Weise anzeigen, dass du etwas mitteilen möchtest?
  • Werden schriftliche oder andere Beiträge berücksichtigt?
  • Welche Unterschiede gibt es zum Austausch zu zweit?

Wie kann ich mich in der Gruppe verständlich beteiligen?

Telefon, Video und persönliches Gespräch
  • Welche Unterschiede bemerkst du zwischen diesen Kontaktformen?
  • Was geschieht bei unbekannten Anrufen oder unangekündigten Gesprächen?
  • Welche Rolle spielen Tonqualität, Bild, Verzögerungen oder fehlende Hinweise?
  • Kannst du eine passende Form wählen?
  • Ist ein angebotener Kontaktweg für dich nicht nutzbar?
  • Wie viel Vorbereitung und Nachbereitung gehört dazu?

Welcher Kommunikationsweg passt zu welchem Anliegen?

Nachrichten lesen, verfassen und versenden
  • Kannst du eine Nachricht öffnen und einordnen?
  • Ist erkennbar, ob und was du antworten sollst?
  • Wie gelingt das Formulieren, Prüfen und Abschicken?
  • Welche Rolle spielen Umfang, Tonfall oder viele Rückfragen?
  • Helfen Stichpunkte, Vorlagen, Sprachnachrichten oder Unterstützung?
  • Was geschieht bei Nachrichten auf mehreren Kanälen?

An welchem Schritt wird der Austausch schwierig?

Unterschiedliche Ausdrucksformen und Kommunikationshilfen
  • Welche Ausdrucksmöglichkeiten stehen dir tatsächlich zur Verfügung?
  • Sind benötigte Geräte, Bilder, Zeichen oder Schreibmöglichkeiten erreichbar und nutzbar?
  • Kannst du zwischen verschiedenen Formen wechseln?
  • Wissen andere, wie sie deine gewählte Kommunikationsform berücksichtigen können?
  • Warten sie ab, bis deine Mitteilung abgeschlossen ist?
  • Was geschieht, wenn eine Hilfe ausfällt?

Was brauche ich, damit meine Ausdrucksform im Alltag nutzbar ist?

Eine vorhandene Kommunikationshilfe ist nicht automatisch in jeder Situation zugänglich.

Wechselnde Möglichkeiten
  • Gibt es Situationen, in denen Sprechen, Schreiben oder Verstehen leichter oder schwerer möglich ist?
  • Welche Unterschiede beobachtest du bei Zeitdruck, Schmerzen, Erschöpfung oder anderen Umständen?
  • Ist eine Ausdrucksform zeitweise nicht verfügbar?
  • Wird dann eine andere Möglichkeit akzeptiert?
  • Werden frühere gelungene Gespräche als Erwartung an jede weitere Situation herangezogen?
  • Kannst du mitteilen, dass du gerade anders kommunizieren musst?

Was sollten andere über meine wechselnden Möglichkeiten wissen?

Du musst diese Unterschiede nicht erklären können. Eine Beobachtung wie „Nach längeren Besprechungen beantworte ich Fragen häufig erst später schriftlich“ kann reichen.

Missverständnisse und Reaktionen anderer
  • Kommt bei anderen an, was du ausdrücken möchtest?
  • Verstehst du, was andere meinen?
  • Werden Stimme, Mimik, Blickrichtung oder Körperhaltung anders gedeutet, als du es beabsichtigst?
  • Wird Schweigen als Zustimmung oder Ablehnung verstanden, ohne nachzufragen?
  • Kannst du ein Missverständnis korrigieren?
  • Werden Rückfragen respektvoll beantwortet?

Welche Missverständnisse wiederholen sich?

Die Beschreibung darf auch das Verhalten anderer und die Bedingungen des Austauschs einbeziehen.

Wünsche, Grenzen und Entscheidungen mitteilen
  • Kannst du „Nein“, „Stopp“, „Ich weiß es noch nicht“ oder „Ich brauche eine Pause“ ausdrücken?
  • Wird deine Mitteilung wahrgenommen und berücksichtigt?
  • Bekommst du verständliche Informationen zu einer anstehenden Entscheidung?
  • Werden Fragen direkt an dich gerichtet?
  • Kannst du Unsicherheit oder eine spätere Ergänzung mitteilen?
  • Welche Unterstützung möchtest du dabei nutzen?

Was brauche ich, damit meine Wünsche und Grenzen verständlich werden?

Schwierigkeiten beim Sprechen zeigen für sich genommen nicht, was eine Person versteht oder welche Entscheidungen sie treffen kann.

Unterstützung beim Kommunizieren
  • Möchtest du Hilfe beim Verstehen, Formulieren oder Übermitteln?
  • Was soll die unterstützende Person genau tun?
  • Was möchtest du selbst mitteilen?
  • Kannst du prüfen und korrigieren, was für dich formuliert wird?
  • Ist erkennbar, welche Aussage von dir und welche von anderen stammt?
  • Bleibt deine Privatsphäre gewahrt?

Welche Unterstützung hilft mir, selbst zu Wort zu kommen?

Unterstützung beim Kommunizieren bedeutet nicht automatisch, dass jemand für dich entscheiden oder dich vertreten soll.

Erreichbarkeit und Kommunikationsmenge
  • Welche Erwartungen bestehen an Antwortzeiten und Erreichbarkeit?
  • Sind diese Erwartungen ausdrücklich besprochen?
  • Was geschieht bei wiederholten Nachfragen oder mehreren Kontaktwegen?
  • Kannst du Mitteilungen später bearbeiten?
  • Welche Kommunikation möchtest du aufrechterhalten?
  • Welche Absprachen würden deinen Möglichkeiten besser entsprechen?

Welche Form der Erreichbarkeit passt zu meinem Alltag?

Unerwartete oder zeitkritische Situationen
  • Kannst du in einer unerwarteten Situation dein Anliegen mitteilen?
  • Sind benötigte Kommunikationsmöglichkeiten dann verfügbar?
  • Können andere erkennen, wie sie sich mit dir verständigen können?
  • Sind wichtige Informationen auch ohne längeres Gespräch zugänglich?
  • Welche Schwierigkeiten hast du tatsächlich beobachtet?
  • Was möchtest du für solche Situationen klären?

Welche Verständigung soll auch dann möglich sein, wenn wenig Zeit oder Vorbereitung vorhanden ist?

Du musst keine belastende Situation nachstellen oder erproben.

Kommunikation und der übrige Alltag
  • Wie viel Vorbereitung und Nachbereitung gehört zu einem Austausch?
  • Was gelingt einzeln, aber nicht in der benötigten Häufigkeit?
  • Welche anderen Aufgaben müssen warten?
  • Was geschieht nach mehreren Gesprächen oder Nachrichtenfolgen?
  • Ist Unterstützung auch dann verfügbar?
  • Wann verläuft es anders?

Wie passen Kommunikationsanforderungen und mein übriger Alltag zusammen?

Meine eigene Ergänzung

Welche wichtige Situation oder Erfahrung fehlt hier für mich?

3. Schwierigkeiten und mögliche Barrieren unterscheiden

Eine Schwierigkeit beschreibt zunächst, was bei einer Tätigkeit geschieht. Eine Barriere ist im fachlichen Sinn der ICF eine hindernde äußere Bedingung.

Beides kann zusammenhängen, ist aber nicht dasselbe.

Meine BeobachtungÄußere BedingungWas ich über den Zusammenhang weiß oder vermute
„Ich kann mein Anliegen über den angebotenen Weg nicht vollständig mitteilen.“„Die Stelle bietet ausschließlich telefonischen Kontakt an.“„Schriftlich konnte ich ein vergleichbares Anliegen bereits ausdrücken.“
„Ich beantworte mehrere Fragen im Gespräch nicht.“„Neue Fragen werden gestellt, bevor ich auf die vorherigen antworten konnte.“„Möglicherweise brauche ich mehr Zeit. Später konnte ich Antworten aufschreiben.“
„Meine Mitteilung wird nicht berücksichtigt.“„Die verwendete Kommunikationshilfe wird von der anderen Person nicht abgewartet.“„Ob eine ausdrückliche Absprache ausreicht, möchte ich klären.“

Du musst eine Barriere noch nicht sicher benennen können. Dein Befinden und persönliche Umstände dürfen ebenfalls Teil der Beschreibung sein. Eine Beschwerde ist keine Umweltbarriere, kann aber für das Verständnis deiner Situation wichtig sein.

Nicht jedes Missverständnis hat dieselbe Ursache. Auch unterschiedliche Erwartungen oder mehrere Bedingungen können gleichzeitig eine Rolle spielen.

4. Eine konkrete Situation verstehen

Wähle ein tatsächliches Gespräch, eine Nachricht oder einen anderen Austausch. Allgemeine Angaben reichen.

  • Was wolltest du verstehen oder mitteilen?
  • Welche Form wurde genutzt?
  • Was geschah nacheinander?
  • Wo wurde es schwierig?
  • Welche Zeit, Hilfsmittel und Unterstützung standen zur Verfügung?
  • Was wurde verstanden oder geklärt?
  • Was blieb offen oder wurde möglicherweise anders verstanden?
  • Konntest du später etwas ergänzen?
  • Was war danach noch möglich?

Vielleicht passt eine dieser Beschreibungen:

  • Die Verständigung gelang unter passenden Bedingungen.
  • Ein Teil meines Anliegens wurde geklärt.
  • Die Verständigung gelang mit Unterstützung.
  • Ich konnte erst später antworten.
  • Ich verstand die Information, konnte meine Antwort aber nicht passend ausdrücken.
  • Ich konnte mich ausdrücken, weiß aber nicht, ob meine Mitteilung verstanden wurde.
  • Eine benötigte Ausdrucksmöglichkeit oder Unterstützung fehlte.
  • Wie die Situation einzuordnen ist, weiß ich noch nicht.

Du musst belastende Situationen nicht wiederholen oder Hilfe weglassen, um deinen Bedarf zu beschreiben.

5. Unterstützung und Bedingungen des Gelingens

„Hilfe bei der Kommunikation“ kann unterschiedliche Aufgaben umfassen.

BereichMöglicher Beitrag der Unterstützung
ZugangInformationen in einer wahrnehmbaren und nutzbaren Form bereitstellen.
VerstehenInhalte erläutern und offene Fragen gemeinsam klären.
VorbereitungThemen, Fragen oder eigene Mitteilungen vorab zugänglich machen.
ZeitPausen, spätere Antworten oder mehrere kürzere Austausche vereinbaren.
AusdruckDie selbst gewählte Kommunikationsform ermöglichen.
ÜbermittelnEine von dir geprüfte Aussage auf deinen Wunsch weitergeben.
ErgebnisVereinbarungen in einer nutzbaren Form festhalten.
VerlässlichkeitVerfügbarkeit und mögliche Alternativen klären.

Halte auch fest:

  • Was entscheidest und erledigst du selbst?
  • Was geschieht gemeinsam?
  • Was wird auf deinen Wunsch übernommen?
  • Kannst du mit dieser Hilfe rechnen? Wann ist sie verfügbar?
  • Wie aufwendig ist es, sie zu organisieren?
  • Was hast du bei fehlender Unterstützung beobachtet?
  • Was weißt du darüber noch nicht?

Auch mit Unterstützung sollten deine eigenen Angaben von ergänzenden Beobachtungen anderer unterscheidbar bleiben.

6. Aufwand, Auswirkungen und Erholung

Ein kurzer Austausch kann umfangreiche Vorbereitung oder Nachbereitung erfordern. Auch schriftliche Kommunikation kann aufwendig sein.

Wenn es für dein Anliegen wichtig ist, beschreibe:

  • Vorbereiten von Fragen, Formulierungen oder Kommunikationshilfen;
  • Aufnehmen und Einordnen von Informationen;
  • Formulieren und Übermitteln;
  • erneutes Erklären oder Korrigieren;
  • spätere Ergänzungen und Rückfragen;
  • Organisation von Unterstützung;
  • Auswirkungen auf andere Aufgaben und Kontakte.

Ungefähre Angaben reichen. Zeiten können sich überschneiden und müssen nicht addiert werden.

Brauchte ich anschließend Entlastung? Gab es dafür eine tatsächliche Möglichkeit? Habe ich Erholung versucht – und welche Veränderung habe ich wahrgenommen?

Dabei unterscheiden wir:

BegriffBedeutung in dieser Arbeitshilfe
ErholungsbedarfDein wahrgenommener Bedarf an Entlastung. Er sagt noch nicht, ob eine passende Möglichkeit vorhanden ist.
RuhezeitEin Zeitraum mit tatsächlich verringerten Anforderungen. Er führt nicht automatisch zu Erholung.
RückzugEine Verringerung von Kontakten oder Reizen. Ob der Rückzug gewünscht ist und wie er wirkt, bleibt zunächst offen.
ErholungsversuchEtwas, das du mit der Absicht tust, dich zu erholen. Die Bezeichnung enthält noch keine Aussage über den Erfolg.
Wahrgenommene ErholungEine von dir bemerkte Verbesserung deines Zustands. Sie kann teilweise, vorübergehend oder verzögert eintreten.

Diese Arbeitsbegriffe sind eine eigene Ausarbeitung von Neurofacetten.

Eine Zeit ohne Gespräch ist nicht automatisch Ruhezeit oder verfügbare Zeit. Rückzug sagt für sich genommen nicht, ob du weiteren Kontakt möchtest. Erholung muss sich nicht durch anschließende Produktivität beweisen.

Meine Situation festhalten

Mein Situationsblatt

Du kannst dieses Blatt für eine einzelne Situation oder ein wiederkehrendes Muster verwenden. Stichpunkte genügen.

Mein Wunsch oder notwendiges Anliegen

Das möchte oder muss ich ermöglichen:

Das gelingt bereits:

Konkrete Tätigkeit und Schwierigkeit

Situation und betrachteter Zeitraum:

Das geschieht tatsächlich:

Hier wird es schwierig – falls ich das schon eingrenzen kann:

Diese Kommunikationsformen sind für mich in der Situation nutzbar; diese sind es nicht oder nur unter bestimmten Bedingungen:

Häufigkeit, Dauer und Unterschiede

Wie häufig und wie lange tritt die Schwierigkeit ungefähr auf?

Seit wann kenne ich sie?

Wann gelingt es leichter, schwerer oder auf andere Weise?

Bedingungen des Gelingens und mögliche Barrieren

Diese Bedingungen erleichtern die Situation:

Diese äußeren Bedingungen erschweren die Situation nach meiner Beobachtung oder kommen als Erklärung infrage:

Diese Unterstützung oder zugängliche Möglichkeit fehlt:

Was ich zu meinem Befinden oder meinen persönlichen Umständen ergänzen möchte – freiwillig:

Vorhandene Unterstützung

Wer oder was unterstützt mich? Wobei genau?

Was entscheide und erledige ich selbst, was gemeinsam, was wird übernommen?

Kann ich mit dieser Hilfe rechnen? Wann ist sie verfügbar?

Was habe ich bei fehlender Unterstützung beobachtet?

Aufwand und Auswirkungen

Eigene zusätzliche Zeit und Anstrengung:

Aufwand unterstützender Personen, soweit bekannt:

Was ist anschließend möglich? Was muss warten, übernimmt jemand anderes oder fällt aus?

Erholungsbedarf und Verlauf

Welche Entlastung brauche ich?

Welche Ruhezeit oder Möglichkeit zum Rückzug besteht tatsächlich?

Was habe ich mit der Absicht versucht, mich zu erholen?

Welche Veränderung habe ich wahrgenommen – oder konnte ich noch nicht beurteilen?

Gewünschte Veränderung

Das wünsche ich mir beziehungsweise möchte ich klären:

Brauche ich Unterstützung oder andere Bedingungen? Wenn ja: wobei?

Wer könnte bei der Veränderung helfen oder darüber entscheiden? Weiß ich das schon?

Offene Fragen und Grundlage meiner Angaben

Was ist beobachtet, was vermutet und was noch unklar?

Meine Angaben beruhen auf:

☐ eigener Erinnerung

☐ ungefährer Schätzung

☐ zeitnahen Notizen

☐ gemeinsam besprochenen Beobachtungen

☐ anderem: …………………………………………………………..

Beim Formulieren wurde ich unterstützt durch:

Ergänzende Beobachtungen anderer, getrennt von meinen eigenen Angaben:

Für andere zusammenfassen

Für andere beschreiben

7. Eine gewünschte Veränderung formulieren

Du musst noch keine fertige Lösung kennen.

Ich möchte … ermöglichen.
Bisher gelingt das unter folgenden Bedingungen: …
Schwierig wird es bei …
Ich brauche Unterstützung oder andere Bedingungen für …
Welche Lösung passt, möchte ich gemeinsam klären.

Mögliche Anliegen sind beispielsweise:

  • Informationen in einer nutzbaren Form erhalten;
  • Fragen und Themen vorab bekommen;
  • jeweils eine Frage bearbeiten;
  • ausreichend Zeit zum Antworten erhalten;
  • schriftlich oder zeitversetzt kommunizieren;
  • eigene Kommunikationshilfen nutzen;
  • eine unterstützende Person nach eigener Wahl einbeziehen;
  • Ergebnisse prüfen und später ergänzen können;
  • Antwortzeiten, Pausen und Erreichbarkeit ausdrücklich vereinbaren.

Ob eine Möglichkeit passt, hängt von dir und der Situation ab. Wichtig sind auch Zugänglichkeit, Kosten, zusätzlicher Aufwand, Verlässlichkeit und deine Entscheidungsfreiheit.

8. Zusammenfassung für Beratung, Gespräche oder Behörden

Du kannst passende Angaben aus dem Situationsblatt übernehmen. Vertrauliche Inhalte lassen sich häufig durch eine allgemeine Beschreibung des Ablaufs ersetzen.

Diese Darstellung beschreibt meinen tatsächlichen Alltag und die Bedingungen, unter denen Tätigkeiten gelingen. Ungefähre Angaben sind als solche gekennzeichnet.

Mein Anliegen und der betrachtete Zeitraum:
…

Die konkrete Schwierigkeit:
Beim Verstehen beziehungsweise Mitteilen von … geschieht …
Ein Beispiel dafür ist …

Häufigkeit, ungefähre Dauer und Unterschiede:
…
Leichter, schwerer oder anders gelingt es, wenn …

Nutzbare Kommunikationsformen:
…

Äußere Bedingungen und mögliche Barrieren:
…
Beobachtet ist …
Noch unklar beziehungsweise vermutet ist …

Was gelingt und welche Unterstützung dazu beiträgt:
… unterstützt mich bei …
Ich selbst entscheide beziehungsweise erledige …
Mit dieser Hilfe kann ich … rechnen.

Bei fehlender Unterstützung habe ich beobachtet:
…
Noch nicht bekannt ist …

Zusätzlicher Aufwand und Auswirkungen:
…
Dadurch muss … warten, wird übernommen oder fällt aus.

Erholungsbedarf und Verlauf:
Ich brauche …
Eine tatsächliche Möglichkeit zur Entlastung besteht …
Zur Erholung versucht habe ich …
Wahrgenommen habe ich …

Gewünschte Veränderung oder offener Klärungsbedarf:
…

Grundlage dieser Angaben und Unterstützung beim Formulieren:
…
Ergänzende Beobachtungen anderer sind gesondert gekennzeichnet.

Diese persönliche Darstellung kann Gespräche und Verfahren vorbereiten. Sie ist kein amtliches Begutachtungsinstrument und ergibt keine Einstufung, etwa eines GdB oder Pflegegrades. Aus einer beschriebenen Kommunikationsschwierigkeit lässt sich nicht ableiten, welche Entscheidungen eine Person treffen kann. Welche Angaben und Unterlagen für ein bestimmtes Verfahren erforderlich sind, muss gesondert geklärt werden.

9. Ein ausgefülltes Beispiel

Das Beispiel ist erfunden. Es beschreibt eine mögliche Situation und ist kein Maßstab für andere Menschen.

Anliegen

„Ich möchte in Gesprächen meine Fragen klären und Entscheidungen selbst mitteilen.“

Beobachtung

„Bei zwei Gesprächen im vergangenen Monat wurden mehrere Fragen direkt hintereinander gestellt. Ich beantwortete einzelne Fragen kurz. Weitere Antworten und eigene Rückfragen konnte ich erst später aufschreiben.“

Äußere Bedingungen und mögliche Barrieren

„Zwischen den Fragen blieb wenig Zeit. Eine spätere schriftliche Ergänzung war zunächst nicht besprochen. Ob vor allem das Tempo, die Informationsmenge oder weitere Bedingungen beitrugen, weiß ich noch nicht.“

Was bereits gelingt

„Bei einem späteren Austausch erhielt ich die Fragen vorher schriftlich. Ich bereitete Antworten vor und konnte offene Punkte nach dem Gespräch ergänzen. Gleichzeitig fand dieses Gespräch zu zweit statt. Welcher Unterschied besonders wichtig war, kann ich daraus nicht sicher ableiten.“

Unterstützung und eigener Anteil

„Eine Person half mir auf meinen Wunsch beim Ordnen der Fragen. Meine Antworten und Entscheidungen formulierte ich selbst. Eine regelmäßige Unterstützung ist bisher nicht vereinbart.“

Aufwand und Erholung

„Das spätere Aufschreiben und erneute Kontaktaufnehmen benötigte zusätzliche Zeit. Nach einem Gespräch brauchte ich weniger weitere Anforderungen. Ich zog mich zurück und versuchte, mich zu erholen. Danach fühlte ich mich etwas ruhiger; meine offenen Fragen blieben zunächst bestehen.“

Gewünschte Veränderung

„Ich möchte Fragen möglichst vorher erhalten, im Gespräch ausreichend Zeit bekommen und später schriftlich ergänzen können.“

Kurze Zusammenfassung für ein Gespräch

„Die Verständigung gelingt teilweise. Bei rasch aufeinanderfolgenden Fragen bleiben eigene Antworten und Rückfragen wiederholt offen. Schriftliche Vorbereitung und spätere Ergänzungen waren in einer Situation hilfreich. Ich möchte diese Möglichkeiten verlässlich vereinbaren und meine Entscheidungen weiterhin selbst mitteilen.“

10. Nach einer Veränderung zurückschauen

Wähle wenige Fragen, die zu deinem Anliegen passen:

  • Erreichen mich Informationen in einer nutzbaren Form?
  • Verstehe ich, worum es geht?
  • Kann ich mein Anliegen ausdrücken?
  • Wird meine gewählte Kommunikationsform berücksichtigt?
  • Bekomme ich ausreichend Zeit?
  • Kann ich Rückfragen, Grenzen und Entscheidungen mitteilen?
  • Kann ich Missverständnisse korrigieren oder später etwas ergänzen?
  • Ist Unterstützung verfügbar und von mir gewünscht?
  • Wie verändern sich Aufwand und Auswirkungen auf den übrigen Alltag?
  • Was ist noch offen?

Mögliche Antworten:

besser · unverändert · schwieriger · wechselnd · noch nicht beurteilbar · nicht relevant

Entscheidend ist, ob deine gewünschte Verständigung und Beteiligung zugänglicher werden. Mehr zu sprechen, schneller zu antworten oder weniger Hilfe zu nutzen, ist kein allgemeiner Erfolgsmaßstab.

Eine beobachtete Veränderung beweist keinen eindeutigen ursächlichen Zusammenhang.

Fachliche Einordnung und Quellen

Wissensstatus und Quellen

ICF als fachlicher Hintergrund

Die ICF ist die Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit der Weltgesundheitsorganisation. Für die folgenden Bezüge wird die deutschsprachige Fassung von 2005 verwendet.

Das Modul orientiert sich insbesondere an Kapitel d3 „Kommunikation“. Dieses unterscheidet das Empfangen und Produzieren von Mitteilungen sowie Austausch und die Nutzung von Kommunikationsgeräten und -techniken.

ICF-BezugBedeutung für diese Arbeitshilfe
d310–d329: Kommunizieren als EmpfängerBeispielsweise gesprochene, nonverbale, gebärdete oder schriftliche Mitteilungen verstehen.
d330–d349: Kommunizieren als SenderBeispielsweise sprechen, nonverbale Mitteilungen produzieren, Gebärdensprache nutzen oder Mitteilungen schreiben.
d350: KonversationEinen Austausch beginnen, aufrechterhalten und beenden.
d355: DiskussionThemen mit unterschiedlichen Sichtweisen und Argumenten erörtern.
d360: Kommunikationsgeräte und -techniken benutzenGeräte und Techniken zur Kommunikation verwenden.
UmweltfaktorenBeispielsweise Kommunikationsmittel, Unterstützung, Einstellungen anderer und die Gestaltung von Kontaktangeboten.

Die Erläuterungen in der rechten Spalte sind alltagsnahe Zusammenfassungen, keine vollständigen Definitionen der Kategorien. Nicht jeder Bezug trifft auf jede Situation zu.

Die Wahrnehmung einer Information, ihr Verstehen und das Ausdrücken einer Antwort sind unterschiedliche Aspekte. Je nach Situation können zusätzlich Körperfunktionen, Lernen und Wissensanwendung oder andere Bereiche berührt sein. Eine Kommunikationsschwierigkeit lässt sich nicht allein aus einer einzelnen ICF-Kategorie erklären.

Die Arbeitshilfe beschreibt den tatsächlichen Alltag. Sie misst die ICF-Leistungsfähigkeit nicht standardisiert.

Einordnung der Arbeitshilfe

  • Klassifikation: Die genannten Kategorien stammen aus der ICF. Sie ordnen Beschreibungen, erklären aber für sich genommen keine individuelle Ursache.
  • Eigene Ausarbeitung von Neurofacetten: Aufbau, Entdeckungsfragen, Arbeitsbegriffe, Situationsblatt und Formulierungshilfen sind eine redaktionelle Ausarbeitung. Sie sind kein validiertes Testverfahren.
  • Persönliches Erfahrungswissen: Deine Angaben beschreiben deine Wahrnehmungen und Beobachtungen. Daraus werden keine Aussagen über alle neurodivergenten Menschen abgeleitet.
  • Beispiele und Veränderungsideen: Sie zeigen Möglichkeiten, ohne eine allgemeine Wirksamkeit zu belegen. Sie geben keine bestimmte Kommunikationsform als überlegen vor.

Fachliche Grundlagen

Redaktionelle Endfassung: 19. Oktober 2026.

Zur Modulauswahl · Beobachtungen zusammenführen

nach oben