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Unterwegs sein und Orte erreichen

Zur Modulauswahl · Beobachtungen zusammenführen

Barriereregister · Modul 10 von 17

Unterwegs sein und Orte erreichen

An einem Ort angekommen zu sein, zeigt noch nicht, wie der Weg möglich wurde. Vielleicht waren Vorbereitung, Begleitung oder Unterstützung nötig. Vielleicht gelang der Hinweg, während für den Rückweg oder das eigentliche Anliegen kaum noch etwas möglich war.

Auch eine kurze Strecke kann mehrere Anforderungen enthalten: den Weg finden, eine Körperposition halten, umsteigen, Türen öffnen oder benötigte Dinge tragen.

Diese Arbeitshilfe unterstützt dich dabei, einzelne Schritte und ihre Bedingungen zu entdecken. Du musst noch nicht wissen, wodurch eine Schwierigkeit entsteht.

Die Leitfrage lautet: Was brauche ich, damit ich gewünschte oder notwendige Orte erreichen, dort unterwegs sein und wieder zurückkommen kann?

Wähle nur die Fragen, die dir helfen. Du musst nichts vollständig ausfüllen und keine Schwierigkeiten nachweisen. Wege mit Hilfsmitteln, Begleitung oder einem Transportdienst gehören ebenso zu deinen tatsächlichen Möglichkeiten wie Wege ohne Unterstützung.

Kurz anfangen

Drei Fragen reichen

1. Was möchte ich ermöglichen?

Zum Beispiel:

  • die Wohnung verlassen und zurückkehren;
  • einen Ort in der Nähe erreichen;
  • Bus, Bahn oder einen anderen Transport nutzen;
  • mich innerhalb eines Gebäudes fortbewegen;
  • sitzen, stehen oder eine Körperposition wechseln;
  • zwischen Bett, Sitz oder Fahrzeug umsetzen;
  • Türen, Bedienelemente oder benötigte Gegenstände nutzen;
  • Dinge mitnehmen, ohne dass der Weg dadurch unmöglich wird;
  • bei Änderungen Unterstützung erhalten.

2. Was geschieht tatsächlich?

Was gelingt bereits? Welcher Teil des Weges wird schwierig? Welche Unterstützung ist beteiligt? Was ist nach dem Ankommen noch möglich?

3. Was hilft oder fehlt?

Zum Beispiel verständliche Informationen, nutzbare Wege und Fahrzeuge, Sitzmöglichkeiten, passende Hilfsmittel oder verlässliche Unterstützung.

„Das weiß ich noch nicht“ ist ebenfalls eine mögliche Antwort.

Meine Situation in wenigen Sätzen

Ich möchte oder brauche …

Derzeit gelingt …

Schwierig wird es, wenn …

Leichter gelingt es, wenn …

Ich wünsche mir beziehungsweise möchte klären …

Du kannst hier aufhören. Die folgenden Abschnitte sind eine freiwillige Vertiefung.

Genauer entdecken

Optional genauer entdecken

Eine Frage reicht. Du musst die Abschnitte weder der Reihe nach noch vollständig bearbeiten.

Mögliche Antworten sind:

weiß ich noch nicht · wechselnd · trifft nicht zu · möchte ich nicht beantworten

1. Mein Anliegen

Vielleicht möchtest du einen bestimmten Weg ermöglichen. Vielleicht geht es um einzelne Bewegungen, einen Wechsel des Verkehrsmittels oder die Orientierung an einem Ort.

  • Welchen Ort möchtest oder musst du erreichen?
  • Was möchtest du dort tun?
  • Welche Teile des Weges gelingen bereits?
  • Welche Fortbewegungsform möchtest du nutzen?
  • Welche Unterstützung passt zu deinen Wünschen?
  • Was soll nach dem Ankommen und für den Rückweg noch möglich sein?

Es geht nicht darum, möglichst weit, schnell oder ohne Hilfe unterwegs zu sein. Entscheidend ist dein Anliegen.

2. Entdeckungsfragen

Öffne nur das Thema, das dir gerade hilft. Jedes Thema lässt sich einzeln auf- und zuklappen.

Einen Weg planen
  • Weißt du, wohin du musst?
  • Sind Informationen zu Strecke, Zugang und Verkehrsmitteln auffindbar und verständlich?
  • Kannst du einschätzen, welche Schritte zum Weg gehören?
  • Ist erkennbar, ob Aufzüge, Zugänge oder andere benötigte Einrichtungen nutzbar sind?
  • Welche Unsicherheiten bleiben?
  • Brauchst du Unterstützung beim Planen oder Nachfragen?

Welche Information brauche ich, bevor ich losgehen oder losfahren kann?

Vorbereiten und aufbrechen
  • Was muss vor dem Aufbruch bereitstehen?
  • Sind benötigte Gegenstände, Hilfsmittel und Fahrkarten verfügbar?
  • Wie gelingt der Übergang von der bisherigen Tätigkeit zum Aufbruch?
  • Musst du Unterstützung zeitlich abstimmen?
  • Kannst du die Wohnung und das Gebäude verlassen?
  • Was geschieht, wenn kurz vorher etwas fehlt oder sich verändert?

Hier gelingt der Aufbruch – oder hier bleibe ich hängen:

Mich auf einer Strecke fortbewegen
  • Welche Fortbewegungsform nutzt du?
  • Welche Abschnitte gelingen?
  • Was verändert sich bei Steigungen, unebenem Boden, längeren Strecken oder vielen Menschen?
  • Brauchst du Unterbrechungen oder Unterstützung?
  • Sind Wege breit und zugänglich genug?
  • Was geschieht, wenn ein Abschnitt nicht nutzbar ist?

Welche Strecke gelingt unter welchen Bedingungen?

Du musst keine Entfernung messen. Eine Beschreibung wie „vom Hauseingang bis zur Haltestelle“ kann reichen.

Eine Körperposition wechseln
  • Wie gelingt es, aufzustehen, sich hinzusetzen oder die Position im Liegen zu verändern?
  • Gibt es eine passende Fläche und ausreichend Platz?
  • Sind benötigte Halte- oder Unterstützungsmöglichkeiten vorhanden?
  • Brauchst du Zeit oder Hilfe bei einem bestimmten Schritt?
  • Verändern sich deine Möglichkeiten je nach Ort oder Tageszeit?
  • Was gelingt unter anderen Bedingungen leichter?

Welcher Positionswechsel ist für meinen Weg wichtig?

Sitzen, stehen oder in einer Position bleiben
  • Wie gelingt es, während einer Fahrt, Wartezeit oder Veranstaltung in einer Position zu bleiben?
  • Ist eine passende Sitz- oder andere Möglichkeit vorhanden?
  • Kannst du die Position wechseln, wenn du es brauchst?
  • Gibt es Beschwerden, die du nennen möchtest?
  • Was geschieht, wenn die Dauer nicht vorhersehbar ist?
  • Welche Unterstützung oder Gestaltung erleichtert die Situation?

Was brauche ich, um die benötigte Position einnehmen oder verändern zu können?

Umsetzen zwischen Flächen oder Sitzen

Dieser Abschnitt ist nur relevant, wenn das Umsetzen zu deinem Weg gehört.

  • Wie gelingt der Wechsel beispielsweise zwischen Bett, Stuhl, Rollstuhl oder Fahrzeugsitz?
  • Passen Höhe, Abstand und Platzverhältnisse?
  • Sind benötigte Hilfsmittel und Unterstützung vorhanden?
  • Kannst du mitteilen, welche Hilfe du möchtest?
  • Werden Ablauf und Berührungen mit dir abgestimmt?
  • Was geschieht, wenn die Bedingungen anders sind als erwartet?

Welche Bedingungen brauche ich beim Umsetzen?

Die Arbeitshilfe gibt keine Anleitung für Bewegungs- oder Transfertechniken.

Greifen, halten und bedienen
  • Kannst du Türen, Griffe und Bedienelemente erreichen?
  • Wie gelingt das Öffnen, Drücken, Drehen oder Festhalten?
  • Sind Automaten und andere Geräte für dich nutzbar?
  • Kannst du Fahrkarten, Schlüssel oder ein Telefon während des Weges verwenden?
  • Was geschieht, wenn mehrere Handgriffe gleichzeitig nötig sind?
  • Welche Unterstützung hilft bei einem bestimmten Schritt?

Welcher Handgriff ermöglicht oder erschwert den Weg?

Dinge mitnehmen, heben und tragen
  • Was musst oder möchtest du mitnehmen?
  • Kannst du die Gegenstände bereitstellen und transportieren?
  • Was verändert sich durch Gewicht, Größe oder die Zahl der Gegenstände?
  • Brauchst du deine Hände gleichzeitig für Fortbewegung oder Orientierung?
  • Gibt es nutzbare Ablage- und Transportmöglichkeiten?
  • Was wird möglich, wenn jemand einen Teil übernimmt?

Wie wirkt sich das Mitnehmen von Dingen auf meinen Weg aus?

Bus, Bahn und andere öffentliche Verkehrsmittel nutzen
  • Sind Fahrplan, Fahrkarte und Informationen für dich nutzbar?
  • Kannst du Haltestelle, Bahnsteig und Fahrzeug erreichen?
  • Wie gelingen Einsteigen, Platzfinden und Aussteigen?
  • Sind benötigte Plätze und Unterstützung tatsächlich verfügbar?
  • Was geschieht beim Umsteigen?
  • Werden Änderungen so mitgeteilt, dass du sie wahrnehmen und verstehen kannst?

An welchem Teil der Fahrt brauche ich andere Bedingungen oder Unterstützung?

Mitfahren oder einen Transport organisieren
  • Kannst du einen passenden Transport vereinbaren?
  • Sind Abholort, Zeitpunkt und Ablauf verständlich?
  • Ist das Fahrzeug für dich und benötigte Hilfsmittel nutzbar?
  • Wie gelingen Ein- und Aussteigen?
  • Kannst du Wünsche und Unterstützungsbedarf mitteilen?
  • Was geschieht bei Verspätung oder Ausfall?

Was macht den Transport für mich verlässlich nutzbar?

Selbst ein Fahrzeug führen

Dieser Abschnitt ist nur relevant, wenn du selbst ein Fahrzeug führst.

  • Welche organisatorischen oder räumlichen Bedingungen brauchst du?
  • Wie gelingt das Vorbereiten und Nutzen des Fahrzeugs?
  • Welche Rolle spielen Verkehr, Orientierung, Zeitdruck oder unbekannte Strecken?
  • Sind Abstell- oder Parkmöglichkeiten am Ziel nutzbar?
  • Was geschieht bei Änderungen?
  • Welche Schwierigkeiten möchtest du beschreiben?

Welche Bedingungen sind für diese Form des Unterwegsseins wichtig?

Die Arbeitshilfe beurteilt keine Fahreignung oder Verkehrssicherheit.

Orientierung und Informationen unterwegs
  • Kannst du erkennen, wo du bist und wohin du als Nächstes musst?
  • Sind Schilder, Anzeigen, Durchsagen oder digitale Informationen nutzbar?
  • Was geschieht, wenn mehrere Hinweise gleichzeitig kommen?
  • Kannst du an einem passenden Ort nachfragen?
  • Ist der angebotene Kontaktweg für dich zugänglich?
  • Was hilft dir an unbekannten Orten?

Wie bleiben die nächsten Schritte unterwegs verständlich?

Warten, Reize und unerwartete Änderungen
  • Was geschieht bei längeren oder unbestimmten Wartezeiten?
  • Welche Rolle spielen Geräusche, Licht, Gerüche, Nähe oder Bewegung?
  • Kannst du einen passenden Warteort nutzen?
  • Wie wirken Umleitungen, Ausfälle oder andere kurzfristige Änderungen?
  • Kannst du den Weg unterbrechen oder eine Alternative klären?
  • Welche Unterstützung ist dann erreichbar?

Was brauche ich, wenn der Weg anders verläuft als geplant?

Am Ziel ankommen und mich dort bewegen
  • Kannst du den Eingang finden und nutzen?
  • Wie gelingt die Orientierung im Gebäude oder Gelände?
  • Sind benötigte Räume, Sitzplätze und Toiletten erreichbar?
  • Kannst du vor Ort die Tätigkeit ausführen, für die du gekommen bist?
  • Brauchst du nach dem Weg zunächst eine Unterbrechung?
  • Ist Unterstützung auch innerhalb des Ortes verfügbar?

Ist nicht nur der Weg, sondern auch mein eigentliches Anliegen zugänglich?

Rückweg und weiterer Alltag
  • Ist der Rückweg ebenfalls möglich?
  • Steht benötigte Unterstützung dann noch zur Verfügung?
  • Verändern sich deine Möglichkeiten im Verlauf des Tages?
  • Was muss warten, damit der Weg und das Anliegen am Ziel gelingen?
  • Welche Auswirkungen bemerkst du später oder an Folgetagen?
  • Was gelingt einzeln, aber nicht zusammen mit weiteren Wegen oder Aufgaben?

Was brauche ich, damit Hinweg, Aufenthalt und Rückweg zusammen möglich werden?

Hilfsmittel und Unterstützung
  • Sind benötigte Hilfsmittel verfügbar und nutzbar?
  • Können sie auf dem gesamten Weg verwendet oder mitgenommen werden?
  • Welche Aufgabe soll eine begleitende Person übernehmen?
  • Was möchtest du selbst entscheiden und erledigen?
  • Kannst du mit der Unterstützung rechnen?
  • Was geschieht bei einem Ausfall?

Welche Unterstützung ermöglicht meinen Weg und wahrt meine Entscheidungen?

Meine eigene Ergänzung

Welche wichtige Situation oder Erfahrung fehlt hier für mich?

3. Schwierigkeiten und mögliche Barrieren unterscheiden

Eine Schwierigkeit beschreibt zunächst, was bei einer Tätigkeit geschieht. Eine Barriere ist im fachlichen Sinn der ICF eine hindernde äußere Bedingung.

Beides kann zusammenhängen, ist aber nicht dasselbe.

Meine BeobachtungÄußere BedingungWas ich über den Zusammenhang weiß oder vermute
„Ich komme am Eingang nicht weiter.“„Der Zugang hat eine Stufe; eine für mich nutzbare Alternative fehlt.“„Über einen stufenlosen Eingang konnte ich vergleichbare Orte erreichen.“
„Ich kann die Fahrt nach einer Änderung nicht fortsetzen.“„Die neue Verbindung wird nur über eine für mich nicht nutzbare Durchsage mitgeteilt.“„Ich brauche die Information in einer zugänglichen Form. Ob weitere Hilfe nötig ist, ist noch offen.“
„Ich kann während der Wartezeit nicht bleiben.“„Eine passende Sitzmöglichkeit fehlt.“„Mit einer nutzbaren Sitzmöglichkeit gelang eine vergleichbare Wartezeit bereits.“

Du musst eine Barriere noch nicht sicher benennen können. Dein Befinden und persönliche Umstände dürfen ebenfalls Teil der Beschreibung sein. Eine Beschwerde ist keine Umweltbarriere, kann aber für das Verständnis deiner Situation wichtig sein.

Auch fehlende Unterstützung, nicht nutzbare Verkehrsmittel oder unzugängliche Informationen können eine Rolle spielen.

4. Eine konkrete Situation verstehen

Wähle einen tatsächlichen Weg oder einen einzelnen Abschnitt. Du kannst Start und Ziel allgemein benennen.

  • Was wolltest oder musstest du erreichen?
  • Was wolltest du dort tun?
  • Welche Vorbereitung war nötig?
  • Was geschah nacheinander?
  • Wo wurde es schwierig?
  • Welche Bedingungen, Hilfsmittel und Unterstützung waren beteiligt?
  • Was gelang, was blieb offen?
  • Wie verliefen Aufenthalt und Rückweg?
  • Was war danach noch möglich?

Vielleicht passt eine dieser Beschreibungen:

  • Der gesamte Weg gelang unter passenden Bedingungen.
  • Einzelne Abschnitte gelangen.
  • Der Weg gelang mit Hilfsmitteln oder Unterstützung.
  • Ich kam an, konnte mein Anliegen dort aber nicht mehr wie gewünscht umsetzen.
  • Der Hinweg gelang; der Rückweg war nicht ausreichend geklärt.
  • Eine benötigte Unterstützung oder ein nutzbarer Zugang fehlte.
  • Ich änderte oder unterbrach den Weg.
  • Wie die Situation einzuordnen ist, weiß ich noch nicht.

Du musst belastende Situationen nicht wiederholen oder Hilfe weglassen, um deinen Bedarf zu beschreiben.

5. Unterstützung und Bedingungen des Gelingens

„Hilfe beim Unterwegssein“ kann unterschiedliche Aufgaben umfassen.

BereichMöglicher Beitrag der Unterstützung
PlanungInformationen zu Strecke, Zugang und Alternativen gemeinsam klären.
VorbereitungBenötigte Gegenstände oder Hilfsmittel bereitstellen.
FortbewegungVereinbarte Unterstützung bei einzelnen Wegabschnitten ermöglichen.
Position und UmsetzenBenötigte, abgestimmte Hilfe verfügbar machen.
Handgriffe und TransportTüren bedienen oder Gegenstände mitnehmen.
Orientierung und KommunikationInformationen zugänglich machen oder Rückfragen unterstützen.
VerlässlichkeitHinweg, Aufenthalt, Rückweg und mögliche Ausfälle berücksichtigen.

Halte auch fest:

  • Was entscheidest und erledigst du selbst?
  • Was geschieht gemeinsam?
  • Was wird auf deinen Wunsch übernommen?
  • Kannst du mit dieser Hilfe rechnen? Wann ist sie verfügbar?
  • Wie aufwendig ist es, sie zu organisieren?
  • Was hast du bei fehlender Unterstützung beobachtet?
  • Was weißt du darüber noch nicht?

Unterstützung soll sich an deinem Ziel und den vereinbarten Aufgaben orientieren. Begleitung bedeutet nicht automatisch, dass jemand über Weg, Tempo oder Vorhaben entscheidet.

6. Aufwand, Auswirkungen und Erholung

Zur sichtbaren Strecke können Planung, Warten und umfangreiche Abstimmung gehören.

Wenn es für dein Anliegen wichtig ist, beschreibe:

  • Informationssuche und Vorbereitung;
  • Organisation von Transport und Unterstützung;
  • Hinweg, Umsteigen und Wartezeiten;
  • Bewegungen und Handgriffe unterwegs;
  • Orientierung und Wege am Ziel;
  • Rückweg und Nachbereitung;
  • Auswirkungen auf das eigentliche Anliegen und den weiteren Alltag.

Ungefähre Angaben reichen. Zeiten können sich überschneiden und müssen nicht addiert werden.

Brauchte ich anschließend Entlastung? Gab es dafür eine tatsächliche Möglichkeit? Habe ich Erholung versucht – und welche Veränderung habe ich wahrgenommen?

Dabei unterscheiden wir:

BegriffBedeutung in dieser Arbeitshilfe
ErholungsbedarfDein wahrgenommener Bedarf an Entlastung. Er sagt noch nicht, ob eine passende Möglichkeit vorhanden ist.
RuhezeitEin Zeitraum mit tatsächlich verringerten Anforderungen. Er führt nicht automatisch zu Erholung.
RückzugEine Verringerung von Kontakten oder Reizen. Ob der Rückzug gewünscht ist und wie er wirkt, bleibt zunächst offen.
ErholungsversuchEtwas, das du mit der Absicht tust, dich zu erholen. Die Bezeichnung enthält noch keine Aussage über den Erfolg.
Wahrgenommene ErholungEine von dir bemerkte Verbesserung deines Zustands. Sie kann teilweise, vorübergehend oder verzögert eintreten.

Diese Arbeitsbegriffe sind eine eigene Ausarbeitung von Neurofacetten.

Eine Wartezeit oder eine Fahrt im Sitzen ist nicht automatisch Ruhezeit. Freie Zeit vor oder nach einem Weg ist nicht automatisch verfügbare Zeit. Erholung muss sich nicht durch anschließende Produktivität beweisen.

Meine Situation festhalten

Mein Situationsblatt

Du kannst dieses Blatt für eine einzelne Situation oder ein wiederkehrendes Muster verwenden. Stichpunkte genügen.

Mein Wunsch oder notwendiges Anliegen

Das möchte oder muss ich ermöglichen:

Das gelingt bereits:

Konkrete Tätigkeit und Schwierigkeit

Situation und betrachteter Zeitraum:

Das geschieht tatsächlich:

Hier wird es schwierig – falls ich das schon eingrenzen kann:

Es geht um einen Weg, eine Körperposition, Umsetzen, Greifen, Tragen oder folgende einzelne Schritte:

Häufigkeit, Dauer und Unterschiede

Wie häufig und wie lange tritt die Schwierigkeit ungefähr auf?

Seit wann kenne ich sie?

Wann gelingt es leichter, schwerer oder auf andere Weise?

Bedingungen des Gelingens und mögliche Barrieren

Diese Bedingungen erleichtern die Situation:

Diese äußeren Bedingungen erschweren die Situation nach meiner Beobachtung oder kommen als Erklärung infrage:

Diese Unterstützung oder zugängliche Möglichkeit fehlt:

Was ich zu meinem Befinden oder meinen persönlichen Umständen ergänzen möchte – freiwillig:

Vorhandene Unterstützung

Wer oder was unterstützt mich? Wobei genau?

Was entscheide und erledige ich selbst, was gemeinsam, was wird übernommen?

Kann ich mit dieser Hilfe rechnen? Wann ist sie verfügbar?

Was habe ich bei fehlender Unterstützung beobachtet?

Aufwand und Auswirkungen

Eigene zusätzliche Zeit und Anstrengung:

Aufwand unterstützender Personen, soweit bekannt:

Was ist anschließend möglich? Was muss warten, übernimmt jemand anderes oder fällt aus?

Erholungsbedarf und Verlauf

Welche Entlastung brauche ich?

Welche Ruhezeit oder Möglichkeit zum Rückzug besteht tatsächlich?

Was habe ich mit der Absicht versucht, mich zu erholen?

Welche Veränderung habe ich wahrgenommen – oder konnte ich noch nicht beurteilen?

Gewünschte Veränderung

Das wünsche ich mir beziehungsweise möchte ich klären:

Brauche ich Unterstützung oder andere Bedingungen? Wenn ja: wobei?

Wer könnte bei der Veränderung helfen oder darüber entscheiden? Weiß ich das schon?

Offene Fragen und Grundlage meiner Angaben

Was ist beobachtet, was vermutet und was noch unklar?

Meine Angaben beruhen auf:

☐ eigener Erinnerung

☐ ungefährer Schätzung

☐ zeitnahen Notizen

☐ gemeinsam besprochenen Beobachtungen

☐ anderem: …………………………………………………………..

Beim Formulieren wurde ich unterstützt durch:

Ergänzende Beobachtungen anderer, getrennt von meinen eigenen Angaben:

Für andere zusammenfassen

Für andere beschreiben

7. Eine gewünschte Veränderung formulieren

Du musst noch keine fertige Lösung kennen.

Ich möchte … ermöglichen.
Bisher gelingt das unter folgenden Bedingungen: …
Schwierig wird es bei …
Ich brauche Unterstützung oder andere Bedingungen für …
Welche Lösung passt, möchte ich gemeinsam klären.

Mögliche Anliegen sind beispielsweise:

  • verständliche Informationen zu einem nutzbaren Weg erhalten;
  • einen zugänglichen Eingang oder eine andere Verbindung klären;
  • passende Sitz- und Unterbrechungsmöglichkeiten nutzen;
  • Unterstützung bei bestimmten Handgriffen erhalten;
  • benötigte Gegenstände transportieren können;
  • Begleitung oder Transport verlässlich abstimmen;
  • Informationen bei Änderungen in einer nutzbaren Form erhalten;
  • Hinweg, Aufenthalt und Rückweg gemeinsam berücksichtigen.

Ob eine Möglichkeit passt, hängt von dir und der Situation ab. Wichtig sind auch Zugänglichkeit, Kosten, zusätzlicher Aufwand, Verlässlichkeit und deine Entscheidungsfreiheit.

8. Zusammenfassung für Beratung, Gespräche oder Behörden

Du kannst passende Angaben aus dem Situationsblatt übernehmen. Genaue Adressen und vollständige Bewegungsprofile sind dafür häufig nicht erforderlich. Eine Beschreibung der Strecke und ihrer Anforderungen kann ausreichen.

Diese Darstellung beschreibt meinen tatsächlichen Alltag und die Bedingungen, unter denen Tätigkeiten gelingen. Ungefähre Angaben sind als solche gekennzeichnet.

Mein Anliegen und der betrachtete Zeitraum:
…

Die konkrete Schwierigkeit:
Beim … geschieht …
Ein Beispiel dafür ist …

Häufigkeit, ungefähre Dauer und Unterschiede:
…
Leichter, schwerer oder anders gelingt es, wenn …

Äußere Bedingungen und mögliche Barrieren:
…
Beobachtet ist …
Noch unklar beziehungsweise vermutet ist …

Was gelingt und welche Unterstützung dazu beiträgt:
… unterstützt mich bei …
Ich selbst entscheide beziehungsweise erledige …
Mit dieser Hilfe kann ich … rechnen.

Bei fehlender Unterstützung habe ich beobachtet:
…
Noch nicht bekannt ist …

Zusätzlicher Aufwand und Auswirkungen:
…
Am Ziel beziehungsweise nach dem Weg ist … möglich.
Dadurch muss … warten, wird übernommen oder fällt aus.

Erholungsbedarf und Verlauf:
Ich brauche …
Eine tatsächliche Möglichkeit zur Entlastung besteht …
Zur Erholung versucht habe ich …
Wahrgenommen habe ich …

Gewünschte Veränderung oder offener Klärungsbedarf:
…

Grundlage dieser Angaben und Unterstützung beim Formulieren:
…
Ergänzende Beobachtungen anderer sind gesondert gekennzeichnet.

Diese persönliche Darstellung kann Gespräche und Verfahren vorbereiten. Sie ist kein amtliches Begutachtungsinstrument und ergibt keine Einstufung, etwa eines GdB, eines Merkzeichens oder eines Pflegegrades. Welche Angaben und Unterlagen für ein bestimmtes Verfahren erforderlich sind, muss gesondert geklärt werden.

9. Ein ausgefülltes Beispiel

Das Beispiel ist erfunden. Es beschreibt eine mögliche Situation und ist kein Maßstab für andere Menschen.

Anliegen

„Ich möchte eine regelmäßig stattfindende Veranstaltung erreichen und anschließend wieder nach Hause kommen.“

Beobachtung

„Bei den letzten drei Besuchen gelang die Hinfahrt mit einer direkten Busverbindung. Für den Rückweg musste ich umsteigen. Einmal fiel die Anschlussfahrt aus. Ich konnte aus der Durchsage nicht erkennen, welche Alternative ich nutzen sollte.“

Äußere Bedingungen und mögliche Barrieren

„Die Information wurde nur mündlich durchgegeben. Eine passende Sitzmöglichkeit war am Warteort nicht frei. Ich brauchte Unterstützung, um eine andere Verbindung zu finden.“

Unterstützung und eigener Anteil

„Den Hinweg plane und nutze ich selbst. Beim ausgefallenen Anschluss half mir eine vertraute Person telefonisch, eine Alternative zu finden. Ob sie erreichbar ist, ist nicht verlässlich vereinbart.“

Aufwand und Erholung

„Der Rückweg dauerte deutlich länger als geplant; eine genaue Zeit habe ich nicht festgehalten. Zu Hause brauchte ich weniger Anforderungen und verschob eine andere Aufgabe. Ich versuchte, mich zu erholen. Später fühlte ich mich weniger angespannt, war aber weiterhin erschöpft.“

Gewünschte Veränderung

„Ich möchte nutzbare Informationen bei Änderungen erhalten und klären, welche Unterstützung bei einem Ausfall erreichbar wäre. Außerdem möchte ich den Rückweg bei der Planung stärker berücksichtigen.“

Kurze Zusammenfassung für ein Gespräch

„Die direkte Hinfahrt gelingt. Bei Änderungen auf dem Rückweg konnte ich die nötigen Informationen zuletzt nicht selbstständig nutzen und brauchte kurzfristige Unterstützung. Ich möchte einen verlässlicheren Umgang mit solchen Änderungen ermöglichen.“

10. Nach einer Veränderung zurückschauen

Wähle wenige Fragen, die zu deinem Anliegen passen:

  • Ist der gewünschte Ort tatsächlich erreichbar?
  • Sind alle wichtigen Abschnitte des Weges nutzbar?
  • Kann ich benötigte Körperpositionen einnehmen oder verändern?
  • Gelingen notwendige Handgriffe und der Transport von Gegenständen?
  • Sind Informationen und Orientierung zugänglich?
  • Ist Unterstützung verfügbar, wenn ich sie brauche?
  • Kann ich mein eigentliches Anliegen am Ziel umsetzen?
  • Ist der Rückweg berücksichtigt?
  • Wie verändern sich Aufwand und Auswirkungen auf den übrigen Alltag?
  • Was ist noch offen?

Mögliche Antworten:

besser · unverändert · schwieriger · wechselnd · noch nicht beurteilbar · nicht relevant

Entscheidend ist, ob deine gewünschten Wege und Vorhaben zugänglicher werden. Weiter, schneller oder ohne Unterstützung unterwegs zu sein, ist kein allgemeiner Erfolgsmaßstab.

Eine beobachtete Veränderung beweist keinen eindeutigen ursächlichen Zusammenhang.

Fachliche Einordnung und Quellen

Wissensstatus und Quellen

ICF als fachlicher Hintergrund

Die ICF ist die Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit der Weltgesundheitsorganisation. Für die folgenden Bezüge wird die deutschsprachige Fassung von 2005 verwendet.

Das Modul orientiert sich vor allem an Kapitel d4 „Mobilität“. Dieses umfasst mehr als das Zurücklegen einer Strecke.

ICF-BezugBedeutung für diese Arbeitshilfe
d410: Eine elementare Körperposition wechselnBeispielsweise aufstehen, sich hinsetzen oder die Position im Liegen verändern.
d415: In einer Körperposition verbleibenBeispielsweise sitzen oder stehen bleiben.
d420: Sich verlagernKann das Umsetzen zwischen Flächen oder Sitzen betreffen.
d430: Gegenstände anheben und tragenKann das Mitnehmen und Bewegen benötigter Gegenstände betreffen.
d440: Feinmotorischer Handgebrauch; d445: Hand- und ArmgebrauchBeispielsweise Gegenstände greifen oder Bedienelemente nutzen.
d450: Gehen; d460: Sich in verschiedenen Umgebungen fortbewegenKönnen unterschiedliche Strecken und Orte betreffen.
d465: Sich unter Verwendung von Geräten/Ausrüstung fortbewegenKann Fortbewegung mit entsprechenden Hilfsmitteln betreffen.
d470: Transportmittel benutzen; d475: Ein Fahrzeug fahrenUnterscheidet das Nutzen von Transportmitteln vom eigenen Führen eines Fahrzeugs.
UmweltfaktorenBeispielsweise Wege, Gebäude, Fahrzeuge, Hilfsmittel, Informationen, Unterstützung und Verkehrsdienste.

Die Erläuterungen in der rechten Spalte sind alltagsnahe Zusammenfassungen, keine vollständigen Definitionen der Kategorien. Nicht jeder Bezug trifft auf jede Situation zu.

Orientierung, Planung und Kommunikation können zusätzliche ICF-Bereiche berühren. Eine Schwierigkeit beim Unterwegssein lässt sich nicht automatisch auf eine bestimmte Körperfunktion zurückführen.

Die Arbeitshilfe beschreibt den tatsächlichen Alltag. Sie misst die ICF-Leistungsfähigkeit nicht standardisiert.

Einordnung der Arbeitshilfe

  • Klassifikation: Die genannten Kategorien stammen aus der ICF. Sie ordnen Beschreibungen, erklären aber für sich genommen keine individuelle Ursache.
  • Eigene Ausarbeitung von Neurofacetten: Aufbau, Entdeckungsfragen, Arbeitsbegriffe, Situationsblatt und Formulierungshilfen sind eine redaktionelle Ausarbeitung. Sie sind kein validiertes Testverfahren.
  • Persönliches Erfahrungswissen: Deine Angaben beschreiben deine Wahrnehmungen und Beobachtungen. Daraus werden keine Aussagen über alle neurodivergenten Menschen abgeleitet.
  • Beispiele und Veränderungsideen: Sie zeigen Möglichkeiten, ohne eine allgemeine Wirksamkeit zu belegen. Sie enthalten keine Empfehlungen zu Bewegungs- oder Transfertechniken und keine Beurteilung der Fahreignung.

Fachliche Grundlagen

Redaktionelle Endfassung: 19. Oktober 2026.

Zur Modulauswahl · Beobachtungen zusammenführen

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