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AuDHS: Zwei Diagnosen, eine Erfahrung?

Illustrative Infografik mit Berglandschaft und Wegweisern. Die Schilder „Diagnose“, „Profil“ und „Erfahrung“ stehen für unterschiedliche Ebenen: Diagnose gibt Orientierung, Profil zeigt wichtige Merkmale, Erfahrung ist der reale individuelle Weg. In der Landschaft sind gemeinsame Merkmale, unterschiedliche Ausprägungen, Kontext und Umwelt, individuelle Stärken und Veränderungen über die Lebensspanne markiert. Kernaussage: Diagnostische Kategorien strukturieren Erfahrungen, erfassen aber nicht die gesamte individuelle Lebensrealität.

Wissensdossier · Vertiefung · AuDHS

AuDHS: Zwei Diagnosen, eine Erfahrung?

Was Autismus und ADHS darüber zeigen, wie diagnostische Kategorien Wirklichkeit ordnen – ohne sie vollständig abzubilden.

Stand: Oktober 2026 · Dieser Artikel wird bei relevanten neuen Forschungsergebnissen aktualisiert.

Neu am 24.10.2026: Forschungsupdate: Zu Hause anders als in der Schule?

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Du kannst den Beitrag auch als Hörfassung hören. Sie basiert auf dem redaktionellen Stand vom 24. Oktober 2026.

Autismus und ADHS sind zwei eigenständige Diagnosen.

AuDHS ist keine dritte.

So weit ist die Sache diagnostisch vergleichsweise einfach.

Komplizierter wird sie, wenn Autismus und ADHS bei derselben Person zusammentreffen. Denn diagnostische Kategorien lassen sich getrennt beschreiben. Gelebte Erfahrung lässt sich nicht immer genauso sauber aufteilen.

Menschen mit beiden Diagnosen können Merkmale erleben, die sich überschneiden, verstärken, gegenseitig verdecken oder scheinbar widersprechen. Gleichzeitig ist wissenschaftlich noch längst nicht geklärt, ob sich daraus ein charakteristisches AuDHS-Profil ergibt, das über das gemeinsame Auftreten zweier Diagnosen hinausgeht.

Dieser Artikel fragt deshalb nicht nur: Was ist AuDHS?

Sondern auch: Was meinen wir überhaupt, wenn wir von einer „eigenen Neurodivergenz“ sprechen?

🟠 Neurofacetten-Verdichtung: Zwei Diagnosen lassen sich getrennt beschreiben. Ein Mensch erlebt sie nicht zwangsläufig getrennt.

Kurzfassung

Diagnostisch sind Autismus und ADHS zwei eigenständige neuroentwicklungsbezogene Diagnosen. AuDHS ist keine eigenständige Diagnose.

Wissenschaftlich gibt es Hinweise darauf, dass das gemeinsame Auftreten mit besonderen funktionellen, kognitiven und genetischen Profilen verbunden sein kann. Ob daraus eine qualitativ eigenständige neuroentwicklungsbezogene Entität folgt, ist nicht geklärt.

Als Erfahrungsbegriff kann AuDHS dennoch sinnvoll sein: Menschen mit beiden Diagnosen beschreiben ihr Erleben teilweise als etwas, das sich nicht sinnvoll in einen „autistischen“ und einen „ADHS-Anteil“ zerlegen lässt.

Die Frage „zwei Diagnosen oder eine eigene Neurodivergenz?“ hat deshalb je nach Ebene unterschiedliche Antworten.

Wissensstatus

🟢 Forschung / Diagnostik: Autismus und ADHS werden in aktuellen Klassifikationen als eigenständige neuroentwicklungsbezogene Diagnosen geführt und können gemeinsam diagnostiziert werden. AuDHS ist keine eigenständige Diagnose.

🟡 Aktueller Forschungsstand: Forschung findet Überschneidungen und Unterschiede sowie Hinweise auf besondere Profile bei gemeinsamem Autismus und ADHS. Wie viel davon Addition, Überlagerung oder echte Interaktion ist, bleibt in vielen Bereichen offen.

🔵 Modell / Deutungsrahmen: Überlagerung, Verstärkung, Verdeckung und Spannung können als vorläufiger Rahmen helfen, mögliche Beziehungen zwischen Merkmalen zu beschreiben. Das ist keine etablierte wissenschaftliche AuDHS-Taxonomie.

🟣 Erfahrungswissen: Viele Menschen mit Autismus und ADHS beschreiben scheinbar widersprüchliche oder eng verflochtene Bedürfnisse und Schwierigkeiten. Erste qualitative Forschung dokumentiert solche Erfahrungen, die Datenbasis ist aber noch klein.

🟠 Neurofacetten-Verdichtung: Keine eigene Diagnose zu sein bedeutet nicht, keine benennbare eigene Erfahrung zu sein.

Infografik: Drei Ebenen, ein Blick auf AuDHS

Infografik „Drei Ebenen, ein Blick auf AuDHS“. Sie unterscheidet Diagnose-Ebene, funktionelle Ebene und Erfahrungsebene. Autismus und ADHS werden als zwei eigenständige Diagnosen dargestellt; zugleich werden Überschneidungen bei kognitiven, emotionalen und verhaltensbezogenen Merkmalen sowie das individuelle Erleben als zusammenhängendes Zusammenspiel beider Merkmalsbereiche gezeigt. Kernaussage: Die Ebenen beeinflussen sich gegenseitig und lassen sich in der Realität nicht immer klar voneinander trennen.

Kurzbeschreibung: Die Grafik trennt diagnostische Klassifikation, funktionelles Profil und gelebte Erfahrung. Die Ebenen hängen zusammen, beantworten aber unterschiedliche Fragen und lassen sich bei einer einzelnen Person nicht immer sauber voneinander trennen.

Einordnung: Mehrere Wissensformen. 🟢 Die Diagnose-Ebene folgt aktuellen Klassifikationen; 🟡 Überschneidungen auf funktioneller Ebene sind Gegenstand laufender Forschung; 🟣 die Erfahrungsebene bezieht gelebte AuDHS-Erfahrungen ein. Die Zusammenführung der drei Ebenen ist eine 🟠 Neurofacetten-Verdichtung.

1. Was bedeutet AuDHS?

„AuDHS“ – international meist AuDHD – wird als Kurzbegriff für das gemeinsame Auftreten von Autismus und ADHS verwendet.

Der Begriff wird vor allem in neurodivergenten Communities genutzt und taucht zunehmend auch in wissenschaftlichen Arbeiten auf, insbesondere dort, wo gelebte Erfahrung, Identität und die Kombination beider Diagnosen untersucht werden.

Er bezeichnet jedoch bislang keine eigenständige diagnostische Kategorie. Klinisch werden Autismus und ADHS getrennt diagnostiziert, auch wenn sie bei derselben Person gleichzeitig bestehen.

Diese Unterscheidung ist wichtig. Sie bedeutet aber nicht, dass der Begriff AuDHS deshalb wissenschaftlich oder persönlich bedeutungslos wäre.

Diagnosen und Selbstbeschreibungen erfüllen unterschiedliche Funktionen. Eine Diagnose versucht, Merkmalsmuster nach festgelegten Kriterien zu klassifizieren. Ein Begriff wie AuDHS kann zusätzlich etwas benennen, das innerhalb einer solchen Klassifikation nur begrenzt sichtbar wird: wie es sich anfühlt, wenn unterschiedliche neurokognitive Merkmale innerhalb derselben Person gleichzeitig wirksam sind.

2. Dass beide Diagnosen gemeinsam vorkommen dürfen, ist historisch relativ neu

Dass Autismus und ADHS heute gemeinsam diagnostiziert werden können, war nicht immer der Fall. In früheren diagnostischen Systemen war eine gleichzeitige Diagnose teilweise ausgeschlossen. Mit dem DSM-5 von 2013 fiel diese Beschränkung.

Das hat Folgen für die Forschung. Ein großer Teil der älteren Autismus- und ADHS-Literatur entstand unter Bedingungen, in denen die Überschneidung beider Diagnosen weniger systematisch erfasst wurde.

Deshalb ist die Forschung über das gemeinsame Auftreten von Autismus und ADHS deutlich jünger, als die heutige Bekanntheit des Begriffs AuDHS vermuten lässt.

Auch heute untersuchen viele Studien entweder Autismus oder ADHS. Menschen mit beiden Diagnosen werden nicht immer als eigene Gruppe betrachtet.

🟡 Aktueller Forschungsstand: Eine zentrale Forschungslücke bleibt die Frage, was innerhalb derselben Person geschieht, wenn autistische und ADHS-bezogene Merkmale gemeinsam auftreten.

3. Wie häufig treten Autismus und ADHS gemeinsam auf?

Autismus und ADHS treten deutlich häufiger gemeinsam auf, als bei zwei vollständig voneinander unabhängigen Bedingungen zu erwarten wäre.

Eine Meta-Analyse von Lai und Kolleg:innen fand in autistischen Populationen eine gepoolte ADHS-Prävalenz von ungefähr 28 Prozent. Eine weitere Meta-Analyse fand bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS bei ungefähr 21 Prozent zusätzlich autistische Merkmale beziehungsweise eine Autismusdiagnose – abhängig von den jeweils verwendeten Kriterien.

Die Werte schwanken jedoch stark zwischen Studien. Sie hängen unter anderem von Alter, Stichprobe, diagnostischer Methodik und davon ab, ob klinische Diagnosen oder Merkmale erfasst werden.

Deshalb wäre eine einzelne Zahl für „Wie häufig ist AuDHS?“ irreführend.

🟢 Forschung: Autismus und ADHS treten häufig gemeinsam auf. Wie häufig genau, lässt sich nicht sinnvoll mit einer einzigen universellen Prozentzahl beantworten.

4. Autismus und ADHS überschneiden sich – aber sie sind nicht dasselbe

Aus den vielen Gemeinsamkeiten könnte man schließen, Autismus und ADHS seien letztlich Varianten desselben Phänomens. Dafür gibt es derzeit keine ausreichende Grundlage.

Forschung findet sowohl Überschneidungen als auch Unterschiede – unter anderem bei genetischen Zusammenhängen, Aufmerksamkeit, exekutiven Funktionen, sensorischer Verarbeitung, emotionaler Regulation und Alltagsfunktion.

Eine große präregistrierte Untersuchung mit mehr als 5.500 Erwachsenen fand deutliche Beziehungen zwischen autistischen und ADHS-bezogenen Merkmalen, zugleich aber genügend interne Struktur, um beide weiterhin als unterscheidbare Konstrukte zu betrachten.

Auch eine Meta-Analyse von 243 fMRT-Studien fand sowohl gemeinsame als auch diagnosespezifische neuronale Korrelate.

🟢 Forschung: Autismus und ADHS überschneiden sich. Das ist nicht dasselbe wie die Aussage, beide seien zwei Bezeichnungen für denselben neurobiologischen Prozess.

5. Genetisch gibt es gemeinsame und unterschiedliche Zusammenhänge

Genetische Forschung unterstützt ebenfalls weder eine vollständige Trennung noch eine Gleichsetzung.

Eine große Analyse in Nature Genetics fand sowohl gemeinsame als auch unterscheidende genetische Zusammenhänge zwischen Autismus und ADHS. Menschen mit beiden Diagnosen zeigten auf Gruppenebene eine erhöhte genetische Belastung für beide Bedingungen und teilweise andere Muster als Gruppen mit nur einer Diagnose.

Das ist ein wichtiges Argument dafür, die kombinierte Gruppe gezielt zu untersuchen.

Es beweist jedoch keine eigenständige „AuDHS-Genetik“ und keine dritte diskrete neurobiologische Kategorie.

6. Ist AuDHS mehr als Autismus + ADHS?

Das hängt davon ab, was mit „mehr“ gemeint ist.

Eine dritte diagnostische Entität?

Dafür gibt es derzeit keine ausreichende Evidenz.

Eine klinisch und funktionell relevante Kombination?

Dafür gibt es deutlich mehr Hinweise.

Ein systematischer Review von 34 Studien beschrieb bei Kindern und Jugendlichen mit gemeinsamem Autismus und ADHS auf Gruppenebene stärkere Schwierigkeiten unter anderem bei kognitiven Funktionen, adaptivem Verhalten sowie emotionalen und Verhaltensproblemen als in mehreren Vergleichsgruppen.

Bei autistischen Erwachsenen waren stärkere ADHS-Symptome mit geringerer Selbstständigkeit im Alltag und niedrigerer subjektiver Lebensqualität assoziiert. Solche Befunde zeigen Zusammenhänge, keine einfache Kausalität.

🟡 Aktueller Forschungsstand: Das gemeinsame Auftreten ist funktionell relevant. Ob dabei ein qualitativ eigenständiges Profil entsteht, ist noch nicht ausreichend geklärt.

7. Ein ähnliches Verhalten kann unterschiedliche Gründe haben

Eine der wichtigsten Schwierigkeiten bei AuDHS liegt darin, dass sichtbares Verhalten wenig darüber verrät, welcher Prozess dahintersteht.

Eine Person kann beispielsweise eine Tätigkeit nicht beenden oder wechseln.

Dahinter könnten unter anderem stark gebundene Aufmerksamkeit, Schwierigkeiten mit Aufmerksamkeitssteuerung, hohe Kosten eines Kontextwechsels, Probleme mit Inhibition, hohe Motivation für die aktuelle Tätigkeit, geringe Salienz der nächsten Aufgabe, Erschöpfung oder Stress stehen.

Mehrere dieser Faktoren können gleichzeitig auftreten. Das sichtbare Ergebnis wäre trotzdem dasselbe.

🟠 Neurofacetten-Verdichtung: Aus sichtbarem Verhalten lässt sich nicht zuverlässig rückwärts auf eine einzelne Diagnose oder einen einzelnen Mechanismus schließen.

8. Bedarf, Fähigkeit und sichtbares Verhalten sind nicht dasselbe

Besonders deutlich wird das beim Thema Routine.

Eine häufige vereinfachte Beschreibung lautet: „Autismus braucht Routine, ADHS braucht Abwechslung.“ Diese Gegenüberstellung kann subjektiv sehr treffend wirken, ist wissenschaftlich aber zu grob.

Eine Person kann von Vorhersagbarkeit profitieren, Veränderungen als belastend erleben und klare Abläufe benötigen – und gleichzeitig Schwierigkeiten haben, Routinen aufzubauen, Aufgaben zu beginnen, Zeit einzuschätzen oder monotone Abläufe aufrechtzuerhalten.

Das ist kein notwendiger Widerspruch. Es sind unterschiedliche Ebenen.

🟠 Neurofacetten-Verdichtung: Bedürfnis ist nicht dasselbe wie Fähigkeit. Und Fähigkeit ist nicht dasselbe wie sichtbare Performance unter konkreten Bedingungen.

Eine Person kann deshalb Struktur brauchen und gleichzeitig Schwierigkeiten haben, Struktur selbst herzustellen.

9. Überlagerung statt einfacher Addition

AuDHS wird häufig als Summe dargestellt: Autismus + ADHS = AuDHS.

Das ist als Kurzform verständlich. Es kann aber den Eindruck erwecken, beide Diagnosen lägen wie zwei voneinander unabhängige Schichten übereinander.

Die Forschung erlaubt derzeit kein abschließendes Modell dafür, wie beide Merkmalsbereiche innerhalb einer Person interagieren.

Ein möglicher Denkrahmen: Überlagerung – Verstärkung – Verdeckung – Spannung

Überlagerung: Autistische und ADHS-bezogene Prozesse können zu ähnlichem sichtbarem Verhalten beitragen.

Verstärkung: Mehrere Prozesse können dieselbe funktionelle Schwierigkeit erhöhen.

Verdeckung: Ein Merkmalsbereich kann beeinflussen, wie ein anderer sichtbar wird oder kompensiert wird.

Spannung: Unterschiedliche Bedürfnisse oder Handlungstendenzen können subjektiv als schwer miteinander vereinbar erlebt werden.

🔵 Einordnung: Dieser Vierer-Rahmen ist eine Neurofacetten-Arbeitshypothese bzw. ein Deutungsrahmen – keine etablierte wissenschaftliche AuDHS-Taxonomie.

Infografik: Vier Arten, wie Autismus und ADHS sich begegnen können

Infografik „Vier Arten, wie Autismus und ADHS sich begegnen können“. Ein Überlappungsdiagramm zeigt Autismus, ADHS und AuDHS als individuelles Zusammenspiel. Darunter werden vier mögliche Beziehungen als Modell dargestellt: Überlagerung gemeinsamer Merkmale, Verstärkung von Auswirkungen, Verdeckung beziehungsweise Ausgleich von Merkmalen und Spannung zwischen unterschiedlichen Bedürfnissen. Beispiele betreffen Exekutivfunktionen, sensorische Verarbeitung, Emotionsregulation, Reizempfindlichkeit, Aufmerksamkeitsregulation, Spontaneität sowie Vorhersagbarkeit und Neuheit. Die Grafik ist ausdrücklich als Modell beziehungsweise Deutungsrahmen gekennzeichnet.

Kurzbeschreibung: Der Deutungsrahmen unterscheidet vier mögliche Beziehungen zwischen autistischen und ADHS-bezogenen Merkmalen: Überlagerung, Verstärkung, Verdeckung und Spannung. Diese Muster können individuell und situationsabhängig unterschiedlich ausfallen.

Einordnung: 🔵 Modell / Deutungsrahmen. Die vier Kategorien sind keine etablierte wissenschaftliche AuDHS-Taxonomie, sondern eine strukturierende Neurofacetten-Arbeitshypothese auf Grundlage von Forschung und Erfahrungswissen.

10. Was ist mit den „widersprüchlichen Bedürfnissen“?

Viele AuDHS-Beschreibungen drehen sich um scheinbare Gegensätze:

„Ich brauche Abwechslung – aber Veränderungen überfordern mich.“

„Ich brauche Struktur – aber ich kann sie nicht zuverlässig aufrechterhalten.“

„Ich suche starke Reize – und bin gleichzeitig schnell reizüberlastet.“

Solche Beschreibungen sind als Erfahrungswissen weit verbreitet. Wissenschaftlich ist aber wesentlich weniger geklärt, als ihre Bekanntheit vermuten lässt.

Eine systematische Übersichtsarbeit von 2026 zu Exekutivfunktionen und Emotionsregulation bei Autismus, ADHS und gemeinsamem Autismus/ADHS fand 22 einschlägige Studien – aber nur zwei davon untersuchten tatsächlich die kombinierte Gruppe.

🟡 Aktueller Forschungsstand: Wie genau mögliche „innere Spannungen“ entstehen und ob sie ein charakteristisches AuDHS-Profil bilden, ist bislang unzureichend untersucht.

11. Sensorische Verarbeitung gehört nicht sauber nur in eine Schublade

Sensorische Unterschiede werden diagnostisch besonders mit Autismus assoziiert. Empirisch finden sie sich jedoch auch häufig bei ADHS.

Eine transdiagnostische Studie mit knapp 1.000 autistischen beziehungsweise ADHS-diagnostizierten Personen identifizierte fünf ähnliche sensorische Profile in beiden Diagnosegruppen.

Das unterstützt die Perspektive, einzelne relevante Prozesse nicht vorschnell exklusiv einer Diagnose zuzuordnen.

🟢 Forschung: Manche Merkmale und Prozesse können transdiagnostisch auftreten. Das macht diagnostische Unterschiede nicht bedeutungslos.

12. Ähnliches gilt für Exekutivfunktionen

Meta-Analysen finden sowohl bei Autismus als auch bei ADHS Unterschiede in Bereichen wie Arbeitsgedächtnis, Inhibition, Flexibilität und Aufmerksamkeit.

Direkte Vergleiche ergeben jedoch kein simples, eindeutig diagnosespezifisches exekutives Profil. Wie Anfangen, Behalten, Planen, Wechseln und Aufhören im Erwachsenenalltag schwierig werden können, veranschaulicht „Exekutive Funktionen im Alltag“ – mit einer Unterscheidung zwischen Erwachsenenstudien, Vergleichsdaten zu Kindern und Jugendlichen und erfundenen Beispielen.

Dass jemand Aufgaben nicht beginnt, Übergänge schwierig findet, Dinge vergisst oder sich sehr stark in Tätigkeiten vertieft, sagt deshalb allein wenig darüber aus, welcher Prozess beteiligt ist.

13. Was sagen Menschen mit AuDHS selbst?

Die qualitative Forschung zu einer ausdrücklich als AuDHS verstandenen Erfahrung ist noch klein.

Arbeiten von Emma Craddock untersuchten sechs Frauen, die erst im Erwachsenenalter sowohl Autismus als auch ADHS diagnostiziert bekommen hatten. Die Teilnehmerinnen beschrieben die beiden Diagnosen teilweise als gegensätzlich, teilweise als komplementär und berichteten von Schwierigkeiten, ein kohärentes Verständnis der eigenen Neurodivergenz zu entwickeln.

Diese Forschung ist für die phänomenologische Ebene sehr interessant – aber die Stichprobe ist klein und homogen. Zudem beruhen zwei Publikationen auf demselben übergeordneten Forschungsprojekt und sollten nicht wie unabhängige Replikationen gezählt werden.

🟣 Erfahrungswissen mit qualitativer wissenschaftlicher Dokumentation: Erste Studien zeigen, dass Menschen ihre kombinierte Autismus-ADHS-Erfahrung als dynamisch und nicht immer sinnvoll trennbar beschreiben können. Daraus lässt sich noch kein allgemeingültiges AuDHS-Profil ableiten.

14. Masking und Camouflaging werden bei AuDHS komplizierter

Eine Studie von 2024 verglich selbstberichtetes Camouflaging bei Erwachsenen mit Autismus, ADHS und einer Vergleichsgruppe. Menschen mit ADHS berichteten mehr Camouflaging als die Vergleichsgruppe, aber weniger als die autistische Gruppe.

Gleichzeitig wurde dafür ein Instrument verwendet, das ursprünglich für autistisches Camouflaging entwickelt wurde. 2026 wurde deshalb ausdrücklich davor gewarnt, das Konstrukt ohne ausreichende Validierung einfach auf ADHS zu übertragen.

🟡 Methodische Vorsicht: Eine ähnliche Erfahrung oder ein ähnlicher Fragebogenwert bedeutet nicht automatisch, dass dasselbe wissenschaftliche Konstrukt gemessen wird.

15. Gibt es ein eigenes AuDHS-Profil?

Genau hier befindet sich derzeit eine der spannendsten Forschungsfragen.

Menschen mit gemeinsamem Autismus und ADHS unterscheiden sich in einigen Untersuchungen auf Gruppenebene sowohl von Menschen mit ausschließlich Autismus als auch von Menschen mit ausschließlich ADHS.

Beschrieben werden Unterschiede unter anderem bei Alltagsfunktion, psychischer Belastung, einzelnen kognitiven Merkmalen und genetischen Profilen.

Das reicht jedoch nicht aus, um daraus eine klar abgegrenzte dritte neurobiologische Kategorie abzuleiten.

Dafür müssten wir wesentlich genauer wissen, welche Merkmale tatsächlich spezifisch für die Kombination sind, welche additiv auftreten, welche durch allgemeine Belastung erklärt werden können, welche Entwicklungsverläufe typisch sind und ob sich solche Muster zuverlässig replizieren lassen.

🟡 Aktueller Forschungsstand: Es gibt Hinweise auf charakteristische Profile bei gemeinsamem Autismus und ADHS. Eine eigenständige AuDHS-Entität ist damit nicht nachgewiesen.

16. Ist AuDHS eine eigene Neurodivergenz?

Diese Frage lässt sich nur beantworten, wenn geklärt wird, was „eigene Neurodivergenz“ bedeuten soll.

Eine eigene Diagnose?

Nein. Autismus und ADHS bleiben diagnostisch zwei eigenständige Kategorien.

Ein eigenes empirisch unterscheidbares Profil?

Möglicherweise teilweise – aber die Forschung reicht noch nicht für eine eindeutige Einordnung.

Eine eigenständige gelebte neurodivergente Erfahrung?

Hier verändert sich die Frage. „Neurodivergenz“ ist keine diagnostische Kategorie. Der Begriff gehört zum Neurodiversitätsdiskurs und beschreibt nicht einfach eine weitere Ebene von ICD oder DSM.

Menschen können AuDHS deshalb sinnvoll als Beschreibung ihres neurodivergenten Erlebens verwenden, auch wenn die Wissenschaft keine dritte Diagnose kennt.

Das ist kein Widerspruch. Es sind unterschiedliche Ebenen.

Dieselbe Frage – verschiedene Ebenen

Diagnostisch: zwei Diagnosen.

Biologisch: Überschneidungen und Unterschiede.

Psychologisch und funktionell: möglicherweise besondere kombinierte Profile, deren Mechanismen noch nicht ausreichend geklärt sind.

Phänomenologisch: ein zusammenhängendes Erleben kann sinnvoll beschreibbar sein.

Identitär: AuDHS kann ein hilfreicher Begriff sein.

17. Keine eigene Diagnose bedeutet nicht: keine eigene Erfahrung

Diagnostische Kategorien sollen Muster erkennbar und kommunizierbar machen. Sie sind aber keine vollständigen Abbilder eines Menschen.

Wenn zwei Diagnosen gemeinsam auftreten, erleben Menschen nicht notwendigerweise zwei voneinander getrennte Systeme. Beide Merkmalsbereiche entwickeln und äußern sich innerhalb derselben Person, desselben Nervensystems, derselben Biografie und derselben Umwelt.

Das bedeutet nicht, dass daraus automatisch eine dritte Diagnose entsteht.

Aber es bedeutet, dass die individuelle Erfahrung möglicherweise nicht vollständig verstanden wird, wenn beide Diagnosen nur getrennt betrachtet werden.

🟠 Neurofacetten-Verdichtung: Diagnosen sind Landkarten. Sie markieren Muster und ziehen Grenzen. Aber die Grenzen auf einer Landkarte sind nicht automatisch die Grenzen dessen, was ein Mensch erlebt.

Infografik: Diagnosen sind Landkarten, nicht das Gelände

Illustrative Infografik mit Berglandschaft und Wegweisern. Die Schilder „Diagnose“, „Profil“ und „Erfahrung“ stehen für unterschiedliche Ebenen: Diagnose gibt Orientierung, Profil zeigt wichtige Merkmale, Erfahrung ist der reale individuelle Weg. In der Landschaft sind gemeinsame Merkmale, unterschiedliche Ausprägungen, Kontext und Umwelt, individuelle Stärken und Veränderungen über die Lebensspanne markiert. Kernaussage: Diagnostische Kategorien strukturieren Erfahrungen, erfassen aber nicht die gesamte individuelle Lebensrealität.

Kurzbeschreibung: Diagnosen können Orientierung geben und relevante Muster benennen. Individuelle Lebensrealität umfasst jedoch zusätzlich Ausprägungen, Kontext, Umwelt, Stärken, Entwicklung und persönliche Erfahrung.

Einordnung: 🟠 Neurofacetten-Verdichtung. Die Landkarten-Metapher ist ein sprachlich-visueller Deutungsrahmen und keine wissenschaftliche Theorie über Diagnostik.

18. Warum die Frage nach Kategorien wichtig ist

Diagnostische Kategorien sind keine bloßen Etiketten. Sie beeinflussen, welche Forschung durchgeführt wird, welche Menschen in Studien eingeschlossen werden, welche Unterstützungsangebote existieren, welche Schwierigkeiten erkannt werden und wie Menschen ihre eigenen Erfahrungen einordnen können.

Gleichzeitig können Kategorien den Eindruck erwecken, ihre Grenzen seien natürlicher und eindeutiger, als sie tatsächlich sind.

AuDHS zeigt exemplarisch, dass verschiedene Ebenen unterschiedliche Grenzen ziehen können:

Die Diagnostik sagt: Autismus und ADHS.

Genetische Forschung findet: Überschneidungen und Unterschiede.

Psychologische Forschung fragt: Welche Prozesse sind gemeinsam, welche spezifisch und wie interagieren sie?

Betroffene Menschen können sagen: Für mich ergibt daraus etwas Zusammenhängendes.

Keine dieser Ebenen beantwortet exakt dieselbe Frage.

Infografik: Zwei Diagnosen – viele offene Fragen

Infografik „Zwei Diagnosen – viele offene Fragen“. Drei Spalten unterscheiden gut gestütztes Wissen, offene Fragen und aktuelle Forschungsrichtungen. Als gut gestützt werden das häufige gemeinsame Auftreten von Autismus und ADHS, Überschneidungen in mehreren Bereichen und auf Gruppenebene teils komplexere Unterstützungsbedarfe beschrieben. Offen sind unter anderem eine mögliche eigenständige neurobiologische Entität, genaue Mechanismen der Überschneidungen, Entwicklung über die Lebensspanne sowie der Einfluss von Geschlecht, Masking, Umwelt und gesellschaftlichem Kontext. Genannt werden als Forschungsrichtungen genetische und neurobiologische Grundlagen, Exekutivfunktionen, sensorische Verarbeitung, Emotionsregulation, Längsschnittstudien und qualitative Forschung.

Kurzbeschreibung: Die Übersicht trennt Befunde, die heute vergleichsweise gut gestützt sind, von offenen Fragen und aktuellen Forschungsrichtungen. Sie macht sichtbar, dass gerade zu Interaktionen, Entwicklung und gelebter AuDHS-Erfahrung noch erhebliche Forschungslücken bestehen.

Einordnung: 🟢 Forschung und 🟡 aktueller Forschungsstand. Die Grafik bündelt Befunde und Forschungslücken aus den im Quellenverzeichnis aufgeführten Arbeiten; sie stellt keine einzelne Studie dar.

19. Was wir noch nicht wissen

Die Forschung zum gemeinsamen Auftreten von Autismus und ADHS wächst, hat aber weiterhin große Lücken.

  • Gibt es stabile und replizierbare AuDHS-Profile?
  • Welche Merkmale entstehen tatsächlich durch Interaktion, welche sind additiv?
  • Wie entwickelt sich das gemeinsame Profil über die Lebensspanne?
  • Wie beeinflussen Geschlecht, soziale Erwartungen und Masking die Sichtbarkeit?
  • Welche Rolle spielen Umwelt, Unterstützung und aktuelle Kapazität?
  • Wie wirken sensorische Regulation, Aufmerksamkeit, Motivation und Vorhersagbarkeit zusammen?
  • Wie gut funktionieren bestehende Messinstrumente bei Menschen mit beiden Diagnosen?
  • Wie unterscheiden sich spät diagnostizierte, früh diagnostizierte und bislang undiagnostizierte Gruppen?

Viele Untersuchungen stammen weiterhin aus klinischen Stichproben und konzentrieren sich überproportional auf Kinder. Erwachsene und unterschiedliche Formen gelebter AuDHS-Erfahrung sind deutlich weniger erforscht.

20. Was wir deshalb vorsichtig formulieren sollten

Nicht ausreichend belegt wären pauschale Aussagen wie:

  • „Bei AuDHS kämpfen Autismus und ADHS gegeneinander.“
  • „Das autistische Gehirn braucht Routine, das ADHS-Gehirn braucht Abwechslung.“
  • „AuDHS ist eine eigene neurobiologische Form.“
  • „Menschen mit AuDHS maskieren grundsätzlich stärker.“
  • „AuDHS ist schwerer als Autismus oder ADHS allein.“

Präziser wäre: Viele Menschen mit Autismus und ADHS berichten von Bedürfnissen und Schwierigkeiten, die sie als widersprüchlich oder miteinander verflochten erleben.

Und: Forschung findet Hinweise darauf, dass gemeinsamer Autismus und ADHS mit besonderen funktionellen Profilen verbunden sein kann. Wie genau beide Merkmalsbereiche miteinander interagieren, ist noch nicht ausreichend geklärt.

21. Vielleicht ist „zwei Diagnosen oder eine Neurodivergenz?“ die falsche Frage

Wir müssen uns möglicherweise gar nicht entscheiden.

Diagnostisch: Autismus und ADHS sind zwei Diagnosen.

Wissenschaftlich: Beide teilen einzelne Prozesse und unterscheiden sich in anderen.

Individuell: Diese Prozesse entwickeln und äußern sich innerhalb derselben Person.

Phänomenologisch: Das daraus entstehende Erleben kann sich zusammenhängend anfühlen.

Identitär: AuDHS kann ein hilfreicher Begriff dafür sein.

Eine dieser Aussagen macht die anderen nicht falsch.

Vielleicht liegt gerade darin die Stärke des Begriffs: nicht darin, eine neue Schublade zu schaffen, sondern darin, sichtbar zu machen, dass bestehende Schubladen nicht jede Ebene von Erfahrung abbilden.

Passend weiterlesen: Das Dossier PDA: Wenn Anforderungen schwer auszuhalten sind untersucht ebenfalls, wie beobachtete Schwierigkeiten, Erklärungsmodelle und gelebte Erfahrung auseinandergehalten werden können.

22. Fazit

AuDHS ist derzeit keine eigenständige Diagnose.

Autismus und ADHS bleiben wissenschaftlich und diagnostisch unterscheidbare Konstrukte, auch wenn sie sich auf vielen Ebenen überschneiden und häufig gemeinsam auftreten.

Gleichzeitig gibt es gute Gründe, das gemeinsame Auftreten nicht einfach als zwei voneinander unabhängige Diagnosen zu behandeln. Erste Forschung findet besondere funktionelle und genetische Profile. Menschen mit beiden Diagnosen beschreiben darüber hinaus Erfahrungen, in denen sich autistische und ADHS-bezogene Merkmale nicht sauber voneinander trennen lassen.

Wie viel davon Addition, Überlagerung, Wechselwirkung oder tatsächlich ein charakteristisches kombiniertes Profil ist, wissen wir noch nicht.

🟠 Neurofacetten-Verdichtung: Eine diagnostische Kategorie kann wissenschaftlich sinnvoll sein, ohne das gesamte Erleben eines Menschen abzubilden. Keine eigene Diagnose zu sein bedeutet nicht, keine benennbare eigene Erfahrung zu sein.

23.Quellen und weiterführende Literatur

Die Forschung zum gemeinsamen Auftreten von Autismus und ADHS entwickelt sich derzeit schnell. Die folgende Auswahl konzentriert sich auf diagnostische Grundlagen, systematische Reviews und Meta-Analysen sowie Arbeiten, die für die Frage nach Überschneidung, kombinierten Profilen und gelebter AuDHS-Erfahrung besonders relevant sind.

Hinweis zur Literaturauswahl: Die Quellen wurden nach Relevanz für die Fragestellung dieses Artikels ausgewählt. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wo möglich, wurden systematische Reviews, Meta-Analysen und größere Studien bevorzugt. Qualitative Studien werden gesondert ausgewiesen, da sie andere Fragen beantworten als quantitative Forschung.

Diagnostik und begriffliche Grundlagen

World Health Organization (2024). Clinical descriptions and diagnostic requirements for ICD-11 mental, behavioural and neurodevelopmental disorders. World Health Organization. WHO.

National Institute for Health and Care Excellence – NICE (2018, laufend aktualisiert). Attention deficit hyperactivity disorder: diagnosis and management (NG87). NICE.

Reiersen, A. M., & Todd, R. D. (2008). Co-occurrence of ADHD and autism spectrum disorders: phenomenology and treatment. Expert Review of Neurotherapeutics, 8(4), 657–669. DOI.

Antshel, K. M., & Russo, N. (2019). Autism Spectrum Disorders and ADHD: Overlapping Phenomenology, Diagnostic Issues, and Treatment Considerations. Current Psychiatry Reports, 21, 34. DOI.

Wie häufig treten Autismus und ADHS gemeinsam auf?

Lai, M.-C., Kassee, C., Besney, R., Bonato, S., Hull, L., Mandy, W., Szatmari, P., & Ameis, S. H. (2019). Prevalence of co-occurring mental health diagnoses in the autism population: a systematic review and meta-analysis. The Lancet Psychiatry, 6(10), 819–829. DOI.

Rong, Y., Yang, C.-J., Jin, Y., & Wang, Y. (2021). Autistic spectrum disorder symptoms in children and adolescents with attention-deficit/hyperactivity disorder: a meta-analytical review. Psychological Medicine. DOI.

Canals, J., Morales-Hidalgo, P., Voltas, N., & Hernández-Martínez, C. (2024). Prevalence of comorbidity of autism and ADHD and associated characteristics in school population: EPINED study. Autism Research, 17(6), 1276–1286. DOI.

AuDHS als kombiniertes funktionelles und kognitives Profil

Rosello, R., Martinez-Raga, J., Mira, A., Pastor, J. C., Solmi, M., & Cortese, S. (2022). Cognitive, social, and behavioral manifestations of the co-occurrence of autism spectrum disorder and attention-deficit/hyperactivity disorder: A systematic review. Autism, 26(4), 743–760. DOI.

Yerys, B. E., McQuaid, G. A., Lee, N. R., & Wallace, G. L. (2022). Co-occurring ADHD symptoms in autistic adults are associated with less independence in daily living activities and lower subjective quality of life. Autism, 26(8), 2188–2195. DOI.

Casseus, M., Kim, W. J., & Horton, D. B. (2023). Prevalence and treatment of mental, behavioral, and developmental disorders in children with co-occurring autism spectrum disorder and attention-deficit/hyperactivity disorder: A population-based study. Autism Research, 16(4), 855–867. DOI.

Ashwood, K. L., Tye, C., Azadi, B., Cartwright, S., Asherson, P., & Bolton, P. (2015). Brief Report: Adaptive Functioning in Children with ASD, ADHD and ASD + ADHD. Journal of Autism and Developmental Disorders, 45(7), 2235–2242. DOI.

Exekutivfunktionen und mögliche transdiagnostische Prozesse

Waldren, L. H., Leung, F. Y. N., Hargitai, L. D., Burgoyne, A. P., Liceralde, V. R. T., Livingston, L. A., & Shah, P. (2024). Unpacking the overlap between Autism and ADHD in adults: A multi-method approach. Cortex, 173, 120–137. DOI.

Townes, P., Liu, C., Panesar, P., Devoe, D., Lee, S. Y., Taylor, G., Arnold, P. D., Crosbie, J., & Schachar, R. (2023). Do ASD and ADHD Have Distinct Executive Function Deficits? A Systematic Review and Meta-Analysis of Direct Comparison Studies. Journal of Attention Disorders, 27(14), 1571–1582. DOI.

Ceruti, C., Mingozzi, A., Scionti, N., & Marzocchi, G. M. (2024). Comparing Executive Functions in Children and Adolescents with Autism and ADHD—A Systematic Review and Meta-Analysis. Children, 11(4), 473. DOI.

Pozo-Rodríguez, M., Cruz, S., Conde-Pumpido-Zubizarreta, S., Carracedo, A., Tubío-Fungueiriño, M., & Fernández-Prieto, M. (2026). A systematic review on the association between executive function and emotional regulation in autism, ADHD, and autism/ADHD. Neuroscience & Biobehavioral Reviews, 183, 106570. DOI.

Sensorische Verarbeitung

Scheerer, N. E., Pourtousi, A., Yang, C., Ding, Z., Stojanoski, B., Anagnostou, E., et al. (2024). Transdiagnostic Patterns of Sensory Processing in Autism and ADHD. Journal of Autism and Developmental Disorders, 54(1), 280–292. DOI.

Genetische Überschneidung und Unterschiede

Mattheisen, M., Grove, J., Als, T. D., Martin, J., Voloudakis, G., Meier, S., et al. (2022). Identification of shared and differentiating genetic architecture for autism spectrum disorder, attention-deficit hyperactivity disorder and case subgroups. Nature Genetics, 54, 1470–1478. DOI.

Neurobiologische Überschneidungen und Unterschiede

Tamon, H., Fujino, J., Itahashi, T., Frahm, L., Parlatini, V., Aoki, Y. Y., Castellanos, F. X., Eickhoff, S. B., & Cortese, S. (2024). Shared and Specific Neural Correlates of Attention Deficit Hyperactivity Disorder and Autism Spectrum Disorder: A Meta-Analysis of 243 Task-Based Functional MRI Studies. American Journal of Psychiatry, 181(6), 541–552. DOI.

AuDHS als gelebte Erfahrung

Craddock, E. (2024). Being a Woman Is 100% Significant to My Experiences of Attention Deficit Hyperactivity Disorder and Autism: Exploring the Gendered Implications of an Adulthood Combined Autism and Attention Deficit Hyperactivity Disorder Diagnosis. Qualitative Health Research, 34(14), 1442–1455. DOI.

Craddock, E. (2025; Printausgabe 2026). Navigating residual diagnostic categories: The lived experiences of women diagnosed with autism and ADHD in adulthood. Health: An Interdisciplinary Journal for the Social Study of Health, Illness and Medicine, 30(2), 235–257. DOI.

Methodischer Hinweis: Beide Craddock-Publikationen beruhen auf demselben übergeordneten qualitativen Forschungsprojekt mit sechs spät diagnostizierten Frauen und sollten nicht als zwei unabhängige Replikationen verstanden werden.

Masking und Camouflaging: methodische Vorsicht

van der Putten, W. J., Mol, A. J. J., Groenman, A. P., Radhoe, T. A., Torenvliet, C., Agelink van Rentergem, J. A., & Geurts, H. M. (2024). Is camouflaging unique for autism? A comparison of camouflaging between adults with autism and ADHD. Autism Research, 17(4), 812–823. DOI.

Adamou, M. (2026). Camouflaging in ADHD: the need for construct validation before clinical adoption. British Journal of Psychiatry. DOI.

Neurodivergenz und diagnostische Kategorien

Dwyer, P. (2022). The Neurodiversity Approach(es): What Are They and What Do They Mean for Researchers? Human Development, 66(2), 73–92. DOI.

Shah, P. J., Boilson, M., Rutherford, M., Prior, S., Johnston, L., Maciver, D., & Forsyth, K. (2022). Neurodevelopmental disorders and neurodiversity: definition of terms from Scotland’s National Autism Implementation Team. British Journal of Psychiatry, 221(3), 577–579. DOI.

Transparenz: Diese Literaturliste ist eine kuratierte Auswahl und keine vollständige systematische Review. Der Forschungsstand zu gemeinsamem Autismus und ADHS entwickelt sich schnell; besonders die Forschung zur gelebten AuDHS-Erfahrung ist derzeit noch klein.

Letzte Literaturprüfung: Oktober 2026.

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