Zur Modulauswahl · Beobachtungen zusammenführen
Barriereregister · Modul 1 von 17
Mahlzeiten und Trinken im Alltag ermöglichen
Etwas zu essen oder ein Getränk vor sich zu haben, zeigt noch nicht, wie die Versorgung möglich geworden ist. Vielleicht waren viele Vorbereitungsschritte nötig. Vielleicht hat jemand eingekauft oder gekocht. Vielleicht gelingt eine Mahlzeit, während für die nächste kaum noch etwas möglich ist.
Auch Essen und Trinken selbst können schwierig sein – unabhängig davon, ob Lebensmittel und Getränke vorhanden sind.
Diese Arbeitshilfe unterstützt dich dabei, die einzelnen Schritte und ihre Bedingungen zu entdecken. Du musst noch nicht wissen, wodurch eine Schwierigkeit entsteht.
Die Leitfrage lautet: Was brauche ich, damit Essen und Trinken in meinem Alltag zugänglich und verlässlich möglich sind?
Wähle nur die Fragen, die dir helfen. Du musst nichts vollständig ausfüllen und keine Schwierigkeiten nachweisen. Es geht nicht darum, deine Ernährung zu bewerten oder Empfehlungen zu Lebensmitteln und Trinkmengen zu geben.
Kurz anfangen
Drei Fragen reichen
1. Was möchte ich ermöglichen?
Zum Beispiel:
- etwas zu essen oder zu trinken verfügbar haben;
- eine Mahlzeit auswählen und vorbereiten;
- ein Getränk erreichen, öffnen oder eingießen;
- in einer für mich passenden Umgebung essen;
- beim Essen oder Trinken die benötigte Unterstützung erhalten;
- auch an Tagen mit Terminen versorgt sein;
- selbst entscheiden, was ich essen und welche Hilfe ich nutzen möchte.
2. Was geschieht tatsächlich?
Was gelingt bereits? Welcher Schritt bleibt offen? Was übernimmt jemand anderes? Gibt es Unterschiede zwischen verschiedenen Tagen oder Orten?
3. Was hilft oder fehlt?
Zum Beispiel erreichbare Vorräte, nutzbare Küchengegenstände, verständliche Abläufe, ein passender Essplatz oder verlässliche Unterstützung.
„Das weiß ich noch nicht“ ist ebenfalls eine mögliche Antwort.
Meine Situation in wenigen Sätzen
Ich möchte oder brauche …
Derzeit gelingt …
Schwierig wird es, wenn …
Leichter gelingt es, wenn …
Ich wünsche mir beziehungsweise möchte klären …
Du kannst hier aufhören. Die folgenden Abschnitte sind eine freiwillige Vertiefung.
Genauer entdecken
Optional genauer entdecken
Eine Frage reicht. Du musst die Abschnitte weder der Reihe nach noch vollständig bearbeiten.
Mögliche Antworten sind:
weiß ich noch nicht · wechselnd · trifft nicht zu · möchte ich nicht beantworten
1. Mein Anliegen
Vielleicht möchtest du einen einzelnen Schritt erleichtern. Vielleicht geht es darum, die Versorgung über einen ganzen Tag hinweg zu ermöglichen.
- Was soll für dich möglich sein?
- Geht es um Essen, Trinken oder beides?
- Möchtest du etwas selbst erledigen, gemeinsam tun oder Unterstützung erhalten?
- Was gelingt bereits?
- Was möchtest du beibehalten?
- Welche Veränderung wäre dir besonders wichtig?
Deine Wünsche und Entscheidungen gehören dazu. Mehr selbst zuzubereiten oder ohne Unterstützung auszukommen, muss kein persönliches Ziel sein.
2. Entdeckungsfragen
Öffne nur das Thema, das dir gerade hilft. Jedes Thema lässt sich einzeln auf- und zuklappen.
Bemerken und einordnen, was ich brauche
- Woran bemerkst du, dass du etwas essen oder trinken möchtest beziehungsweise brauchst?
- Wird dir das rechtzeitig, erst später oder manchmal gar nicht deutlich?
- Was geschieht, wenn deine Aufmerksamkeit bei einer anderen Tätigkeit liegt?
- Kannst du eine Tätigkeit unterbrechen, um zu essen oder zu trinken?
- Helfen vorhandene Abläufe, Hinweise oder Unterstützung?
- Weißt du manchmal, dass du etwas brauchst, kannst aber den nächsten Schritt noch nicht angehen?
Was bemerke ich – und was geschieht danach?
Auswählen und entscheiden
- Weißt du, was du essen oder trinken möchtest?
- Was geschieht, wenn viele Möglichkeiten zur Auswahl stehen?
- Welche Rolle spielen Verträglichkeit, Vorlieben, Geruch, Geschmack, Temperatur oder Konsistenz?
- Sind passende Möglichkeiten tatsächlich vorhanden?
- Kannst du eine Entscheidung ändern?
- Wird deine Auswahl respektiert, auch wenn du Unterstützung nutzt?
Was erleichtert mir eine passende Auswahl?
Lebensmittel und Getränke verfügbar haben
- Weißt du, was vorhanden ist?
- Kannst du fehlende Dinge beschaffen oder Unterstützung dafür organisieren?
- Sind Lebensmittel und Getränke für dich erreichbar?
- Kannst du Verpackungen und Behälter öffnen?
- Sind passende Aufbewahrungsmöglichkeiten vorhanden und nutzbar?
- Was geschieht, wenn Vorräte fehlen oder eine geplante Unterstützung ausfällt?
Was muss vorhanden sein, damit ich mich versorgen kann?
Für den gesamten Beschaffungsweg kannst du zusätzlich das Modul „Einkaufen und benötigte Dinge beschaffen“ nutzen. Du musst Angaben nicht doppelt machen.
Mit der Vorbereitung beginnen
- Was ist der erste Schritt?
- Ist dieser Schritt für dich erkennbar?
- Was geschieht zwischen dem Entschluss und dem tatsächlichen Beginn?
- Sind Arbeitsfläche, Geschirr und benötigte Gegenstände nutzbar?
- Musst du zuerst aufräumen oder etwas suchen?
- Hilft es, wenn jemand einen Anfang ermöglicht oder einzelne Schritte mit dir ordnet?
Hier gelingt der Anfang – oder hier bleibe ich hängen:
Eine Mahlzeit zubereiten
- Kannst du die benötigten Schritte überblicken und durchführen?
- Was geschieht, wenn mehrere Dinge gleichzeitig beachtet werden müssen?
- Sind Anleitungen verständlich und passend?
- Kannst du Geräte, Werkzeuge und Arbeitsflächen nutzen?
- Welche Rolle spielen Stehen, Sitzen, Greifen, Schneiden, Heben oder Tragen?
- Was geschieht bei Unterbrechungen oder unerwarteten Änderungen?
Welche Schritte gelingen, und wobei brauche ich andere Bedingungen oder Unterstützung?
Getränke bereitstellen und erreichen
- Sind Getränke dort verfügbar, wo du dich aufhältst?
- Kannst du sie selbst holen oder um Unterstützung bitten?
- Wie gelingt das Öffnen, Eingießen und Tragen?
- Sind Gefäße für dich nutzbar?
- Kannst du auch unterwegs oder an anderen Orten an ein Getränk gelangen?
- Was geschieht, wenn der Weg zum Getränk zusätzliche Schritte erfordert?
Was macht ein Getränk für mich tatsächlich zugänglich?
Essen und Trinken selbst
- Wie gelingt es dir, Essen oder ein Getränk zum Mund zu führen?
- Sind Besteck, Geschirr und Gefäße nutzbar?
- Brauchst du Unterstützung beim Portionieren, Halten oder Anreichen?
- Gibt es Beschwerden oder Schwierigkeiten beim Kauen oder Schlucken, die du nennen möchtest?
- Hast du ausreichend Zeit?
- Kannst du mitteilen, dass du Unterstützung, eine Unterbrechung oder etwas anderes brauchst?
Was brauche ich während des Essens oder Trinkens?
Du kannst Schwierigkeiten beschreiben, ohne sie selbst medizinisch einordnen zu müssen. Diese Arbeitshilfe beurteilt nicht die Sicherheit des Schluckens und gibt dazu keine Empfehlungen.
Umgebung und gemeinsames Essen
- Wie wirken Geräusche, Gerüche, Licht, Nähe oder Bewegung auf die Situation?
- Ist der Essplatz erreichbar und für dich nutzbar?
- Kannst du in deinem eigenen Tempo essen oder trinken?
- Wird gleichzeitig ein Gespräch oder eine andere Beteiligung erwartet?
- Kannst du selbst wählen, ob du allein oder gemeinsam essen möchtest?
- Werden benötigte Unterschiede akzeptiert?
Welche Umgebung ermöglicht mir Essen und Trinken?
Außer Haus und unterwegs
- Gibt es passende und erreichbare Möglichkeiten?
- Sind Informationen zu Angeboten, Preisen und für dich wichtigen Eigenschaften verständlich?
- Wie gelingt Bestellen, Bezahlen und Nachfragen?
- Kannst du eigene Lebensmittel, Getränke oder Hilfsmittel nutzen, wenn du sie brauchst?
- Gibt es ausreichend Zeit und einen nutzbaren Ort?
- Was geschieht bei Verzögerungen oder Planänderungen?
Was brauche ich außerhalb meiner vertrauten Umgebung?
Nachbereitung
- Was muss nach dem Essen oder Trinken noch erledigt werden?
- Wie gelingt Abräumen, Verstauen und Reinigen?
- Bleibt dadurch die Küche für die nächste Nutzung zugänglich?
- Brauchst du dabei Unterstützung?
- Wird Nachbereitung wiederholt verschoben?
- Welche Folgen hat das für die nächste Mahlzeit oder andere Tätigkeiten?
Welche Nachbereitung gehört für mich zur Versorgung dazu?
Versorgung über den Tag und über mehrere Tage
- Was gelingt einzeln, aber nicht mehrfach oder zusammen mit anderen Aufgaben?
- Wie ist die Versorgung an Tagen mit Terminen, Arbeit oder Betreuung?
- Was geschieht bei Schmerzen, Erschöpfung oder anderen Veränderungen, die du nennen möchtest?
- Ist passende Unterstützung auch zu den benötigten Zeiten verfügbar?
- Was geschieht an Wochenenden, bei Abwesenheit oder beim Ausfall vertrauter Personen?
- Welche Lücken bemerkst du?
Wann ist meine Versorgung verlässlich – und wann nicht?
Selbstbestimmung und Unterstützung
- Kannst du auswählen, was und wann du essen oder trinken möchtest?
- Kannst du Wünsche und Grenzen mitteilen?
- Wird deine Rückmeldung berücksichtigt?
- Was möchtest du selbst tun?
- Was möchtest du gemeinsam erledigen oder abgeben?
- Ist die Unterstützung so gestaltet, wie du sie möchtest?
Welche Unterstützung ermöglicht Versorgung und eigene Entscheidungen?
Meine eigene Ergänzung
Welche wichtige Situation oder Erfahrung fehlt hier für mich?
3. Schwierigkeiten und mögliche Barrieren unterscheiden
Eine Schwierigkeit beschreibt zunächst, was bei einer Tätigkeit geschieht. Eine Barriere ist im fachlichen Sinn der ICF eine hindernde äußere Bedingung.
Beides kann zusammenhängen, ist aber nicht dasselbe.
| Meine Beobachtung | Äußere Bedingung | Was ich über den Zusammenhang weiß oder vermute |
|---|---|---|
| „Ich kann mir kein Getränk holen.“ | „Der Behälter steht außerhalb meiner Reichweite.“ | „Wenn jemand ihn erreichbar hinstellt, kann ich selbst eingießen.“ |
| „Ich beginne mit der Zubereitung nicht.“ | „Die Arbeitsfläche ist belegt; ich müsste zuerst aufräumen.“ | „Vielleicht erschwert der zusätzliche Schritt den Beginn. Das weiß ich noch nicht sicher.“ |
| „Ich esse in der Einrichtung häufig nicht mit.“ | „Es gibt dort bislang keine für mich nutzbare Auswahl.“ | „Ich möchte klären, welche passende Möglichkeit angeboten werden kann.“ |
Du musst eine Barriere noch nicht sicher benennen können. Auch dein Befinden oder persönliche Umstände dürfen Teil der Beschreibung sein. Eine Beschwerde ist keine Umweltbarriere, kann aber für das Verständnis deiner Situation wichtig sein.
4. Eine konkrete Situation verstehen
Wähle eine tatsächliche Situation: beispielsweise ein Frühstück, das Bereitstellen eines Getränks oder die Versorgung nach einem Termin.
- Was wolltest oder brauchtest du?
- Was war vorhanden?
- Welche Schritte hast du begonnen?
- Wo wurde es schwierig?
- Welche Unterstützung war beteiligt?
- Was gelang, was blieb offen?
- Was war danach noch möglich?
- Was musste warten, wurde übernommen oder fiel aus?
Vielleicht passt eine dieser Beschreibungen:
- Essen und Trinken waren unter passenden Bedingungen möglich.
- Ein Teil der Versorgung gelang.
- Die Versorgung gelang mit Unterstützung.
- Essen oder Trinken waren verfügbar, aber für mich nicht nutzbar.
- Ich konnte erst später beginnen.
- Eine notwendige Unterstützung fehlte.
- Wie die Situation einzuordnen ist, weiß ich noch nicht.
Du musst belastende Situationen nicht wiederholen oder Hilfe weglassen, um deinen Bedarf zu beschreiben.
5. Unterstützung und Bedingungen des Gelingens
„Hilfe bei Mahlzeiten“ kann sehr Unterschiedliches bedeuten. Beschreibe möglichst konkret, was bereits geschieht oder noch fehlt.
| Bereich | Möglicher Beitrag der Unterstützung |
|---|---|
| Verfügbarkeit | Lebensmittel und Getränke beschaffen, erreichbar aufbewahren oder bereitstellen. |
| Auswahl und Planung | Möglichkeiten übersichtlich machen oder Entscheidungen auf deinen Wunsch gemeinsam vorbereiten. |
| Beginn und Ablauf | Einen Anfang ermöglichen oder einzelne Schritte gemeinsam ordnen. |
| Zubereitung | Bestimmte Handgriffe übernehmen oder eine Mahlzeit vorbereiten. |
| Essen und Trinken | Benötigte Gegenstände bereitstellen oder bei der Durchführung unterstützen. |
| Nachbereitung | Abräumen, reinigen oder die nächste Nutzung ermöglichen. |
| Verlässlichkeit | Vertretung und Unterstützung zu den tatsächlich benötigten Zeiten klären. |
Halte auch fest:
- Was entscheidest und erledigst du selbst?
- Was geschieht gemeinsam?
- Was wird auf deinen Wunsch übernommen?
- Kannst du mit dieser Hilfe rechnen? Wann ist sie verfügbar?
- Wie aufwendig ist es, sie zu organisieren?
- Was hast du bei fehlender Unterstützung beobachtet?
- Was weißt du darüber noch nicht?
6. Aufwand, Auswirkungen und Erholung
Zur Versorgung können mehr Schritte gehören, als von außen sichtbar sind.
Wenn es für dein Anliegen wichtig ist, beschreibe:
- Planung und Vorbereitung;
- Beschaffung und Zubereitung;
- Unterstützung beim Essen oder Trinken;
- Organisation von Hilfe;
- Nachbereitung;
- Auswirkungen auf andere Aufgaben oder gewünschte Tätigkeiten.
Ungefähre Angaben reichen. Zeiten können sich überschneiden und müssen nicht addiert werden.
Brauchte ich anschließend Entlastung? Gab es dafür eine tatsächliche Möglichkeit? Habe ich Erholung versucht – und welche Veränderung habe ich wahrgenommen?
Dabei unterscheiden wir:
| Begriff | Bedeutung in dieser Arbeitshilfe |
|---|---|
| Erholungsbedarf | Dein wahrgenommener Bedarf an Entlastung. Er sagt noch nicht, ob eine passende Möglichkeit vorhanden ist. |
| Ruhezeit | Ein Zeitraum mit tatsächlich verringerten Anforderungen. Er führt nicht automatisch zu Erholung. |
| Rückzug | Eine Verringerung von Kontakten oder Reizen. Ob der Rückzug gewünscht ist und wie er wirkt, bleibt zunächst offen. |
| Erholungsversuch | Etwas, das du mit der Absicht tust, dich zu erholen. Die Bezeichnung enthält noch keine Aussage über den Erfolg. |
| Wahrgenommene Erholung | Eine von dir bemerkte Verbesserung deines Zustands. Sie kann teilweise, vorübergehend oder verzögert eintreten. |
Diese Arbeitsbegriffe sind eine eigene Ausarbeitung von Neurofacetten.
Zeit nach einer Mahlzeit ist nicht automatisch verfügbare Zeit. Eine Unterbrechung führt nicht automatisch zu Erholung. Erholung muss sich nicht durch anschließende Produktivität beweisen.
Meine Situation festhalten
Mein Situationsblatt
Du kannst dieses Blatt für eine einzelne Situation oder ein wiederkehrendes Muster verwenden. Stichpunkte genügen.
Mein Wunsch oder notwendiges Anliegen
Das möchte oder muss ich ermöglichen:
Das gelingt bereits:
Konkrete Tätigkeit und Schwierigkeit
Situation und betrachteter Zeitraum:
Das geschieht tatsächlich:
Hier wird es schwierig – falls ich das schon eingrenzen kann:
Es geht dabei um Essen, Trinken oder folgende einzelne Schritte:
Häufigkeit, Dauer und Unterschiede
Wie häufig und wie lange tritt die Schwierigkeit ungefähr auf?
Seit wann kenne ich sie?
Wann gelingt es leichter, schwerer oder auf andere Weise?
Bedingungen des Gelingens und mögliche Barrieren
Diese Bedingungen erleichtern die Situation:
Diese äußeren Bedingungen erschweren die Situation nach meiner Beobachtung oder kommen als Erklärung infrage:
Diese Unterstützung oder zugängliche Möglichkeit fehlt:
Was ich zu meinem Befinden oder meinen persönlichen Umständen ergänzen möchte – freiwillig:
Vorhandene Unterstützung
Wer oder was unterstützt mich? Wobei genau?
Was entscheide und erledige ich selbst, was gemeinsam, was wird übernommen?
Kann ich mit dieser Hilfe rechnen? Wann ist sie verfügbar?
Was habe ich bei fehlender Unterstützung beobachtet?
Aufwand und Auswirkungen
Eigene zusätzliche Zeit und Anstrengung:
Aufwand unterstützender Personen, soweit bekannt:
Was ist anschließend möglich? Was muss warten, übernimmt jemand anderes oder fällt aus?
Erholungsbedarf und Verlauf
Welche Entlastung brauche ich?
Welche Ruhezeit oder Möglichkeit zum Rückzug besteht tatsächlich?
Was habe ich mit der Absicht versucht, mich zu erholen?
Welche Veränderung habe ich wahrgenommen – oder konnte ich noch nicht beurteilen?
Gewünschte Veränderung
Das wünsche ich mir beziehungsweise möchte ich klären:
Brauche ich Unterstützung oder andere Bedingungen? Wenn ja: wobei?
Wer könnte bei der Veränderung helfen oder darüber entscheiden? Weiß ich das schon?
Offene Fragen und Grundlage meiner Angaben
Was ist beobachtet, was vermutet und was noch unklar?
Meine Angaben beruhen auf:
☐ eigener Erinnerung
☐ ungefährer Schätzung
☐ zeitnahen Notizen
☐ gemeinsam besprochenen Beobachtungen
☐ anderem: …………………………………………………………..
Beim Formulieren wurde ich unterstützt durch:
Ergänzende Beobachtungen anderer, getrennt von meinen eigenen Angaben:
Für andere zusammenfassen
Für andere beschreiben
7. Eine gewünschte Veränderung formulieren
Du musst noch keine fertige Lösung kennen.
Ich möchte … ermöglichen.
Bisher gelingt das unter folgenden Bedingungen: …
Schwierig wird es bei …
Ich brauche Unterstützung oder andere Bedingungen für …
Welche Lösung passt, möchte ich gemeinsam klären.
Mögliche Anliegen sind beispielsweise:
- Lebensmittel und Getränke erreichbar verfügbar haben;
- Unterstützung bei einem bestimmten Vorbereitungsschritt erhalten;
- Küchengegenstände und Arbeitsflächen nutzen können;
- in einer passenden Umgebung essen;
- Unterstützung beim Essen oder Trinken erhalten;
- die Versorgung an Tagen mit anderen Verpflichtungen absichern;
- eine verlässliche Vertretung bei Ausfall der bisherigen Hilfe vereinbaren.
Ob eine Möglichkeit passt, hängt von dir und der Situation ab. Wichtig sind auch Zugänglichkeit, Kosten, zusätzlicher Aufwand, Verlässlichkeit und deine Entscheidungsfreiheit.
8. Zusammenfassung für Beratung, Gespräche oder Behörden
Du kannst passende Angaben aus dem Situationsblatt übernehmen.
Diese Darstellung beschreibt meinen tatsächlichen Alltag und die Bedingungen, unter denen Tätigkeiten gelingen. Ungefähre Angaben sind als solche gekennzeichnet.
Mein Anliegen und der betrachtete Zeitraum:
…
Die konkrete Schwierigkeit:
Beim … geschieht …
Ein Beispiel dafür ist …
Häufigkeit, ungefähre Dauer und Unterschiede:
…
Leichter, schwerer oder anders gelingt es, wenn …
Äußere Bedingungen und mögliche Barrieren:
…
Beobachtet ist …
Noch unklar beziehungsweise vermutet ist …
Was gelingt und welche Unterstützung dazu beiträgt:
… unterstützt mich bei …
Ich selbst entscheide beziehungsweise erledige …
Mit dieser Hilfe kann ich … rechnen.
Bei fehlender Unterstützung habe ich beobachtet:
…
Noch nicht bekannt ist …
Zusätzlicher Aufwand und Auswirkungen:
…
Dadurch muss … warten, wird übernommen oder fällt aus.
Erholungsbedarf und Verlauf:
Ich brauche …
Eine tatsächliche Möglichkeit zur Entlastung besteht …
Zur Erholung versucht habe ich …
Wahrgenommen habe ich …
Gewünschte Veränderung oder offener Klärungsbedarf:
…
Grundlage dieser Angaben und Unterstützung beim Formulieren:
…
Ergänzende Beobachtungen anderer sind gesondert gekennzeichnet.
Diese persönliche Darstellung kann Gespräche und Verfahren vorbereiten. Sie ist kein amtliches Begutachtungsinstrument und ergibt keine Einstufung, etwa eines GdB oder Pflegegrades. Welche Angaben und Unterlagen für ein bestimmtes Verfahren erforderlich sind, muss gesondert geklärt werden.
9. Ein ausgefülltes Beispiel
Das Beispiel ist erfunden. Es beschreibt eine mögliche Situation und ist kein Maßstab für andere Menschen.
Anliegen
„Ich möchte während meiner Arbeitszeit etwas essen und trinken können, ohne dafür auf Unterstützung angewiesen zu sein, die nur zufällig verfügbar ist.“
Beobachtung
„In der vergangenen Woche hatte ich an drei Tagen Essen und ein Getränk dabei. Die Getränkeflasche konnte ich selbst öffnen. Den mitgebrachten Essensbehälter konnte ich zweimal nicht öffnen. Eine Kollegin half mir. An einem weiteren Tag konnte ich einen anderen Behälter selbst öffnen.“
Äußere Bedingungen und mögliche Barrieren
„Der Verschluss des ersten Behälters war für mich in diesen Situationen nicht nutzbar. Dass der andere Behälter einmal leichter zu öffnen war, habe ich beobachtet. Ob er dauerhaft passt, weiß ich noch nicht.“
Unterstützung und eigener Anteil
„Ich wähle mein Essen selbst aus und bereite es zu Hause vor. Die Hilfe beim Öffnen war kurzfristig möglich, ist aber nicht vereinbart. Ein Getränk konnte ich an den betrachteten Tagen selbst bereitstellen und nutzen.“
Aufwand und Auswirkungen
„Ich musste die Kollegin suchen und um Hilfe bitten. Dadurch begann ich später mit dem Essen. Wie lange das dauerte, habe ich nicht gemessen. In dieser Situation habe ich keinen zusätzlichen Erholungsbedarf bemerkt.“
Gewünschte Veränderung
„Ich möchte klären, welcher Behälter für mich verlässlich nutzbar ist und welche Unterstützung verfügbar wäre, falls das Öffnen nicht gelingt.“
Kurze Zusammenfassung für ein Gespräch
„Meine Versorgung gelang an den betrachteten Tagen teilweise selbstständig und teilweise mit kurzfristiger Hilfe. Eine wiederkehrende Schwierigkeit war das Öffnen eines bestimmten Behälters. Ich möchte eine verlässlich nutzbare Möglichkeit finden und selbst über mein Essen entscheiden.“
10. Nach einer Veränderung zurückschauen
Wähle wenige Fragen, die zu deinem Anliegen passen:
- Sind Essen und Getränke tatsächlich zugänglich?
- Gelingt der bisher schwierige Schritt leichter oder auf andere Weise?
- Ist die Unterstützung verfügbar, wenn ich sie brauche?
- Kann ich selbst auswählen und entscheiden?
- Wie verändern sich Vorbereitung, Aufwand und Nachbereitung?
- Was ist anschließend noch möglich?
- Entsteht an anderer Stelle zusätzlicher Aufwand?
- Werden meine Wünsche und Grenzen berücksichtigt?
- Was ist noch offen?
Mögliche Antworten:
besser · unverändert · schwieriger · wechselnd · noch nicht beurteilbar · nicht relevant
Entscheidend ist, ob deine gewünschte Versorgung und Beteiligung zugänglicher werden. Mehr selbst zuzubereiten oder weniger Hilfe zu nutzen, ist kein allgemeiner Erfolgsmaßstab.
Eine beobachtete Veränderung beweist keinen eindeutigen ursächlichen Zusammenhang.
Fachliche Einordnung und Quellen
Wissensstatus und Quellen
ICF als fachlicher Hintergrund
Die ICF ist die Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit der Weltgesundheitsorganisation. Für die folgenden Bezüge wird die deutschsprachige Fassung von 2005 verwendet.
Das Modul verbindet mehrere Bereiche. Lebensmittel zu beschaffen, eine Mahlzeit vorzubereiten und selbst zu essen oder zu trinken sind unterschiedliche Tätigkeiten.
| ICF-Bezug | Bedeutung für diese Arbeitshilfe |
|---|---|
| d550: Essen | Betrifft das Essen bereitgestellter Speisen und dazugehörige Handlungen. |
| d560: Trinken | Betrifft das Aufnehmen und Trinken bereitgestellter Getränke und dazugehörige Handlungen. |
| d620: Waren und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs beschaffen | Kann Auswahl, Beschaffung und Transport benötigter Lebensmittel und Getränke betreffen. |
| d630: Mahlzeiten vorbereiten | Betrifft die Planung und Zubereitung von Mahlzeiten. |
| d640: Hausarbeiten erledigen | Kann beispielsweise das Reinigen von Kochbereich und Geschirr betreffen. |
| Umweltfaktoren | Beispielsweise nutzbare Gegenstände, räumliche Bedingungen, Unterstützung und die Gestaltung von Angeboten. |
Die Erläuterungen in der rechten Spalte sind alltagsnahe Zusammenfassungen, keine vollständigen Definitionen der Kategorien.
Je nach Situation können weitere Bereiche berührt sein, etwa Mobilität, Kommunikation oder die tägliche Routine. Körperliche Beschwerden und Funktionen sind von den Tätigkeiten und Umweltbedingungen zu unterscheiden.
Die Arbeitshilfe beschreibt den tatsächlichen Alltag. Sie misst die ICF-Leistungsfähigkeit nicht standardisiert.
Einordnung der Arbeitshilfe
- Klassifikation: Die genannten Kategorien stammen aus der ICF. Sie ordnen Beschreibungen, erklären aber für sich genommen keine individuelle Ursache.
- Eigene Ausarbeitung von Neurofacetten: Aufbau, Entdeckungsfragen, Arbeitsbegriffe, Situationsblatt und Formulierungshilfen sind eine redaktionelle Ausarbeitung. Sie sind kein validiertes Testverfahren.
- Persönliches Erfahrungswissen: Deine Angaben beschreiben deine Wahrnehmungen und Beobachtungen. Daraus werden keine Aussagen über alle neurodivergenten Menschen abgeleitet.
- Beispiele und Veränderungsideen: Sie zeigen Möglichkeiten, ohne eine allgemeine Wirksamkeit zu belegen. Sie enthalten keine Ernährungs- oder Therapieempfehlungen.
Fachliche Grundlagen
- BfArM: ICF, deutschsprachige Fassung 2005 – Gesamtübersicht
- BfArM: Selbstversorgung – einschließlich Essen und Trinken
- BfArM: Beschaffung von Lebensnotwendigkeiten
- BfArM: Haushaltsaufgaben – einschließlich Mahlzeiten vorbereiten
- BfArM: Umweltfaktoren – Barrieren und Förderfaktoren
Redaktionelle Endfassung: 19. Oktober 2026.
