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Lernen und Arbeiten unter passenden Bedingungen

Zur Modulauswahl · Beobachtungen zusammenführen

Barriereregister · Modul 6 von 17

Lernen und Arbeiten unter passenden Bedingungen

Eine besuchte Lehrveranstaltung, eine abgegebene Aufgabe oder ein abgeschlossener Arbeitstag sagt noch nicht, unter welchen Bedingungen das möglich war.

Vielleicht braucht es umfangreiche Vorbereitung oder Unterstützung. Vielleicht gelingt die eigentliche Aufgabe, während unklare Absprachen oder häufige Unterbrechungen den Ablauf erschweren. Vielleicht bleibt nach dem Lernen oder Arbeiten kaum noch etwas anderes möglich.

Auch ein fehlender Abschluss oder eine unterbrochene Erwerbstätigkeit erklärt für sich genommen nicht, welche Möglichkeiten und Schwierigkeiten bestehen.

Diese Arbeitshilfe unterstützt dich dabei, einzelne Situationen und ihre Bedingungen zu entdecken. Du musst noch nicht wissen, wodurch eine Schwierigkeit entsteht.

Die Leitfrage lautet: Was brauche ich, damit ich lernen oder arbeiten und mich dabei nach meinen Möglichkeiten beteiligen kann?

Wähle nur die Fragen, die dir helfen. Du musst nichts vollständig ausfüllen und keine Schwierigkeiten nachweisen. Es geht nicht darum, eine bestimmte Bildungs- oder Erwerbsbiografie zu erfüllen.

Kurz anfangen

Drei Fragen reichen

1. Was möchte ich ermöglichen?

Zum Beispiel:

  • etwas Neues lernen;
  • an einem Kurs, einer Ausbildung oder einem Studium teilnehmen;
  • eine passende Lern- oder Arbeitsmöglichkeit finden;
  • eine Aufgabe verstehen und bearbeiten;
  • vorhandenes Wissen zeigen oder anwenden;
  • nach einer Unterbrechung wieder einsteigen;
  • Unterstützung nutzen und eigene Entscheidungen treffen;
  • Lernen oder Arbeiten mit Versorgung, Beziehungen und Erholungsbedarf verbinden;
  • einen Umfang oder eine Tätigkeit verändern.

2. Was geschieht tatsächlich?

Was gelingt bereits? Wo wird es schwierig? Welche Bedingungen und Unterstützung tragen zum Gelingen bei? Was bleibt offen oder muss dafür warten?

3. Was hilft oder fehlt?

Zum Beispiel verständliche Aufgaben, zugängliche Materialien, passende Arbeitsmittel, klare Absprachen, planbare Abläufe oder verlässliche Unterstützung.

„Das weiß ich noch nicht“ ist ebenfalls eine mögliche Antwort.

Meine Situation in wenigen Sätzen

Ich möchte oder brauche …

Derzeit gelingt …

Schwierig wird es, wenn …

Leichter gelingt es, wenn …

Ich wünsche mir beziehungsweise möchte klären …

Du kannst hier aufhören. Die folgenden Abschnitte sind eine freiwillige Vertiefung.

Genauer entdecken

Optional genauer entdecken

Eine Frage reicht. Du musst die Abschnitte weder der Reihe nach noch vollständig bearbeiten.

Mögliche Antworten sind:

weiß ich noch nicht · wechselnd · trifft nicht zu · möchte ich nicht beantworten

1. Mein Anliegen

Es kann um selbstständiges Lernen, einen Kurs, Ausbildung, Studium, eine berufliche Vorbereitung oder eine bezahlte beziehungsweise unbezahlte Tätigkeit gehen.

Vielleicht möchtest du etwas beginnen, erhalten, verändern oder nach einer Unterbrechung wieder aufnehmen. Vielleicht möchtest du zunächst herausfinden, welche Bedingungen passen könnten.

  • Worum geht es für dich?
  • Was möchtest du lernen, beitragen oder ermöglichen?
  • Welche Interessen und Fähigkeiten möchtest du nutzen?
  • Was gelingt bereits und soll erhalten bleiben?
  • Was möchtest du selbst entscheiden?
  • Was möchtest du derzeit nicht beginnen oder ausweiten?

Mehr Stunden, ein höherer Abschluss oder weniger Unterstützung müssen keine persönlichen Ziele sein.

2. Entdeckungsfragen

Öffne nur das Thema, das dir gerade hilft. Jedes Thema lässt sich einzeln auf- und zuklappen.

Eine passende Möglichkeit finden
  • Sind Informationen über Angebote oder Tätigkeiten für dich zugänglich?
  • Ist verständlich, was dort gemacht und erwartet wird?
  • Kannst du einschätzen, welche Bedingungen vorhanden sind?
  • Welche Rolle spielen Ort, Zeiten, Kosten oder benötigte Unterstützung?
  • Kannst du offene Fragen klären, bevor du dich entscheidest?
  • Brauchst du Unterstützung beim Vergleichen oder beim nächsten Schritt?

Was brauche ich, um eine passende Möglichkeit zu finden oder genauer kennenzulernen?

Zugang, Anmeldung und Bewerbung
  • Ist verständlich, wie du dich anmelden oder bewerben kannst?
  • Sind Formulare, Kontaktwege und Auswahlverfahren nutzbar?
  • Kannst du benötigte Unterlagen zusammenstellen?
  • Bekommst du Gelegenheit, deine Interessen und Fähigkeiten in einer passenden Form zu zeigen?
  • Welche Schritte werden schwierig?
  • Kannst du benötigte Bedingungen ansprechen, ohne mehr Persönliches mitzuteilen, als du möchtest?

Was ermöglicht mir den Zugang – und was steht ihm möglicherweise im Weg?

Für Unterlagen und Formulare kannst du zusätzlich das Modul „Post, Formulare und Behördenangelegenheiten bearbeiten“ nutzen.

Aufgaben und Erwartungen verstehen
  • Ist klar, was du tun oder lernen sollst?
  • Sind Umfang, Reihenfolge und Ziel verständlich?
  • Weißt du, was besonders wichtig ist?
  • Werden unausgesprochene Erwartungen vorausgesetzt?
  • Kannst du nachfragen und Beispiele erhalten?
  • Ist erkennbar, wann eine Aufgabe ausreichend bearbeitet ist?

Welche Information brauche ich, um die Aufgabe angehen zu können?

Informationen und Lernmaterialien nutzen
  • Sind Materialien lesbar, hörbar oder auf andere Weise zugänglich?
  • Passen Sprache, Darstellung und Umfang für die jeweilige Aufgabe?
  • Kannst du Informationen erneut ansehen oder anhören?
  • Sind wichtige Angaben auffindbar?
  • Gibt es widersprüchliche oder häufig wechselnde Informationen?
  • Welche Form hilft dir beim Verstehen und Anwenden?

Wie müssen Informationen angeboten werden, damit ich damit arbeiten kann?

Beginnen und einen Ablauf finden
  • Weißt du, welcher Schritt zuerst ansteht?
  • Sind benötigte Materialien und Arbeitsmittel verfügbar?
  • Was geschieht zwischen dem Entschluss und dem Beginn?
  • Kannst du eine größere Aufgabe in bearbeitbare Schritte gliedern?
  • Hilft eine gemeinsame Klärung oder eine vereinbarte Rückmeldung?
  • Wann gelingt der Anfang leichter?

Hier gelingt der Anfang – oder hier bleibe ich hängen:

Bei einer Tätigkeit bleiben und nach Unterbrechungen fortsetzen
  • Was unterstützt dich dabei, an der Aufgabe zu bleiben?
  • Welche Unterbrechungen treten auf?
  • Musst du gleichzeitig andere Anfragen oder Aufgaben beachten?
  • Wie gelingt der Wiedereinstieg nach einer Unterbrechung?
  • Kannst du einen Zwischenstand festhalten?
  • Welche Unterschiede bemerkst du zwischen verschiedenen Aufgaben?

Was brauche ich, um eine Tätigkeit fortsetzen zu können?

Zeit, Umfang und Aufgabenwechsel
  • Ist der verfügbare Zeitraum passend für die Aufgabe?
  • Wie viel Vorbereitung und Nachbereitung gehört dazu?
  • Was geschieht bei Zeitdruck oder kurzfristigen Zusatzaufgaben?
  • Sind Prioritäten geklärt, wenn nicht alles gleichzeitig möglich ist?
  • Wie gelingt der Wechsel zwischen Aufgaben, Orten oder Themen?
  • Kannst du mitteilen, wenn ein Umfang oder Zeitrahmen nicht passt?

Wie viel Zeit und welche Absprachen brauche ich für die Bearbeitung?

Ein freier Zeitraum ist nicht automatisch für eine weitere Aufgabe verfügbar.

Umgebung und Arbeitsmittel
  • Sind Lern- oder Arbeitsort erreichbar und nutzbar?
  • Welche Rolle spielen Geräusche, Licht, Temperatur, Gerüche oder Bewegung?
  • Sind Sitzplatz, Arbeitshöhe und benötigte Gegenstände passend?
  • Kannst du Geräte, Programme und andere Arbeitsmittel nutzen?
  • Gibt es einen geeigneten Ort für unterschiedliche Tätigkeiten?
  • Was geschieht, wenn Technik oder Hilfsmittel ausfallen?

Welche Umgebung und welche Arbeitsmittel passen zur Tätigkeit?

Körperliche Anforderungen
  • Welche Rolle spielen Stehen, Sitzen oder das Wechseln der Körperposition?
  • Wie gelingt Greifen, Schreiben, Heben oder Tragen?
  • Sind Bewegungsabläufe und Wege innerhalb der Tätigkeit für dich möglich?
  • Gibt es Beschwerden, die du nennen möchtest?
  • Kannst du Tätigkeiten unterbrechen oder anders durchführen?
  • Welche Unterstützung oder Gestaltung erleichtert einzelne Schritte?

Welche körperlichen Anforderungen sind für meine Situation wichtig?

Du musst Beschwerden nicht selbst medizinisch erklären können.

Zusammenarbeit und Kommunikation
  • Sind Zuständigkeiten und Absprachen verständlich?
  • Kannst du Fragen stellen und Rückmeldung geben?
  • Bekommst du ausreichend Zeit zum Antworten?
  • Werden passende Kommunikationsformen akzeptiert?
  • Wie gelingt die Beteiligung in Gruppen oder Besprechungen?
  • Was geschieht bei unterschiedlichen Erwartungen oder Missverständnissen?

Was brauche ich, um mich an der Zusammenarbeit beteiligen zu können?

Dazu kannst du auch die Module „Kommunikation nach eigenen Möglichkeiten“ und „Kontakte und Beziehungen gestalten“ nutzen.

Wissen und Fähigkeiten zeigen
  • Kannst du das, was du weißt oder kannst, in der verlangten Form zeigen?
  • Welche Rolle spielen Zeitdruck, spontane Antworten oder eine ungewohnte Umgebung?
  • Ist klar, was beurteilt wird?
  • Kannst du Arbeitsaufträge und Rückmeldungen nachvollziehen?
  • Gibt es einen Unterschied zwischen dem Bearbeiten einer Aufgabe und dem Zeigen des Ergebnisses?
  • Welche Bedingungen haben in vergleichbaren Situationen geholfen?

Unter welchen Bedingungen kann ich mein Wissen oder meine Arbeit zeigen?

Eine einzelne Prüfung, Präsentation oder beobachtete Aufgabe bildet nicht automatisch alle Möglichkeiten einer Person ab.

Rückmeldungen und Veränderungen
  • Verstehst du, was gelungen ist und was verändert werden soll?
  • Sind Rückmeldungen konkret genug, um daraus einen nächsten Schritt abzuleiten?
  • Kannst du nachfragen oder deine Sicht ergänzen?
  • Wie werden neue Aufgaben oder Änderungen angekündigt?
  • Bekommst du Zeit, den veränderten Ablauf einzuordnen?
  • Welche Unterstützung hilft bei der Umstellung?

Was macht Rückmeldungen und Veränderungen für mich nutzbar?

Einstieg und Wiedereinstieg
  • Was brauchst du, um einen neuen Ablauf kennenzulernen?
  • Sind Ansprechpersonen und Zuständigkeiten klar?
  • Welche Informationen oder Fertigkeiten müssen aufgefrischt werden?
  • Wird berücksichtigt, was sich seit einer Unterbrechung verändert hat?
  • Kannst du Umfang, Aufgaben und Unterstützung gemeinsam klären?
  • Was ist bereits bekannt, und was lässt sich noch nicht beurteilen?

Was brauche ich für einen passenden Einstieg oder Wiedereinstieg?

Du musst nicht voraussetzen, dass frühere Bedingungen oder ein früherer Umfang heute unverändert passen.

Lernen oder Arbeiten und der übrige Alltag
  • Was gelingt einzeln, aber nicht zusammen mit Wegen, Versorgung oder Sorgeaufgaben?
  • Was muss nach einem Lern- oder Arbeitstag warten?
  • Was übernehmen andere?
  • Welche Auswirkungen bemerkst du erst später oder an Folgetagen?
  • Bleiben gewünschte Kontakte oder Freizeit wiederholt zurück?
  • Wann ist der Ablauf anders?

Wie passen Lernen oder Arbeiten und mein übriger Alltag zusammen?

Unterstützung und eigene Entscheidungen
  • Welche Unterstützung möchtest du nutzen?
  • Welche Aufgabe soll sie konkret übernehmen?
  • Was möchtest du selbst entscheiden oder erledigen?
  • Ist die Hilfe zu den benötigten Zeiten verfügbar?
  • Kannst du Rückmeldung geben, wenn etwas nicht passt?
  • Welche persönlichen Angaben möchtest du dafür teilen – und welche nicht?

Welche Unterstützung ermöglicht Beteiligung und wahrt meine Entscheidungen?

Umfang, Tätigkeit oder Richtung verändern
  • Möchtest du etwas beibehalten, verringern, anders gestalten oder beenden?
  • Welche Veränderung ist dir wichtig?
  • Welche praktischen Folgen müssten geklärt werden?
  • Wer könnte bei der Klärung helfen?
  • Welche Entscheidung ist noch offen?
  • Gibt es Erwartungen anderer, die von deinem Anliegen abweichen?

Was möchte ich verändern oder zunächst gemeinsam prüfen?

Meine eigene Ergänzung

Welche wichtige Situation oder Erfahrung fehlt hier für mich?

3. Schwierigkeiten und mögliche Barrieren unterscheiden

Eine Schwierigkeit beschreibt zunächst, was bei einer Tätigkeit geschieht. Eine Barriere ist im fachlichen Sinn der ICF eine hindernde äußere Bedingung.

Beides kann zusammenhängen, ist aber nicht dasselbe.

Meine BeobachtungÄußere BedingungWas ich über den Zusammenhang weiß oder vermute
„Ich beginne die Aufgabe mehrfach neu.“„Während der Bearbeitung kommen wiederholt Anfragen über verschiedene Kanäle.“„Nach Unterbrechungen muss ich meinen Arbeitsstand erneut ordnen. Ob andere Absprachen ausreichen würden, möchte ich klären.“
„Ich kann die Übung nicht bearbeiten.“„Die benötigten Materialien sind in der angebotenen Form für mich nicht nutzbar.“„Mit einer anderen Darstellung gelang eine vergleichbare Aufgabe bereits.“
„Am Ende ist meine Arbeit nicht vollständig.“„Mehrere Aufgaben haben dieselbe Frist; eine Reihenfolge wurde nicht geklärt.“„Ich weiß noch nicht, ob vor allem Umfang, Zeitrahmen oder andere Bedingungen beitragen.“

Du musst eine Barriere noch nicht sicher benennen können. Dein Befinden und persönliche Umstände dürfen ebenfalls Teil der Beschreibung sein. Eine Beschwerde ist keine Umweltbarriere, kann aber für das Verständnis deiner Situation wichtig sein.

Auch Erwartungen können eine Rolle spielen, etwa wenn ausschließlich spontane mündliche Antworten als Beteiligung zählen. Ob und wie eine solche Bedingung deine Situation erschwert, kannst du zunächst offenlassen.

4. Eine konkrete Situation verstehen

Wähle eine tatsächliche Aufgabe, Lernphase oder Arbeitssituation.

  • Was wolltest oder solltest du ermöglichen?
  • Was war die konkrete Aufgabe?
  • Welche Informationen, Mittel und Unterstützung standen zur Verfügung?
  • Was geschah nacheinander?
  • Wo wurde es schwierig?
  • Was gelang, was blieb offen?
  • Welche Rückmeldung gab es?
  • Was war danach noch möglich?

Vielleicht passt eine dieser Beschreibungen:

  • Die Tätigkeit gelang unter passenden Bedingungen.
  • Einzelne Schritte gelangen.
  • Die Aufgabe gelang mit Unterstützung.
  • Die Bearbeitung gelang, das Zeigen oder Vermitteln des Ergebnisses war schwierig.
  • Ein einmaliges Ergebnis gelang; die Wiederholung im Alltag ist noch unklar.
  • Eine benötigte Unterstützung oder ein nutzbarer Zugang fehlte.
  • Ich möchte die Tätigkeit oder ihren Umfang verändern.
  • Wie die Situation einzuordnen ist, weiß ich noch nicht.

Du musst belastende Situationen nicht wiederholen oder Unterstützung weglassen, um deinen Bedarf zu beschreiben.

5. Unterstützung und Bedingungen des Gelingens

„Unterstützung beim Lernen oder Arbeiten“ kann unterschiedliche Aufgaben umfassen.

BereichMöglicher Beitrag der Unterstützung
Zugang und OrientierungInformationen, Anmeldeschritte oder Zuständigkeiten zugänglich machen.
AufgabenklärungZiel, einzelne Schritte und Prioritäten gemeinsam klären.
Materialien und ArbeitsmittelEine nutzbare Darstellung oder passende technische Voraussetzungen ermöglichen.
Ablauf und ZeitUmfang, Unterbrechungen, Aufgabenwechsel und Rückmeldungen abstimmen.
ZusammenarbeitKommunikationswege und Erwartungen ausdrücklich vereinbaren.
Einstieg und VeränderungenNeue Abläufe erklären und offene Fragen gemeinsam bearbeiten.
VerlässlichkeitZuständigkeit, Verfügbarkeit und mögliche Vertretung klären.

Halte auch fest:

  • Was entscheidest und erledigst du selbst?
  • Was geschieht gemeinsam?
  • Was wird auf deinen Wunsch übernommen?
  • Kannst du mit dieser Hilfe rechnen? Wann ist sie verfügbar?
  • Wie aufwendig ist es, sie zu organisieren?
  • Was hast du bei fehlender Unterstützung beobachtet?
  • Was weißt du darüber noch nicht?

Eine Unterstützung muss zur konkreten Aufgabe und zu deinen Wünschen passen. Sie ist nicht allein deshalb hilfreich, weil sie grundsätzlich angeboten wird.

6. Aufwand, Auswirkungen und Erholung

Zur sichtbaren Lern- oder Arbeitszeit können weitere Anforderungen gehören.

Wenn es für dein Anliegen wichtig ist, beschreibe:

  • Vorbereitung und Wege;
  • Ordnen von Informationen und Materialien;
  • zusätzliche Klärungen und Rückfragen;
  • Wiedereinstieg nach Unterbrechungen;
  • Organisation von Unterstützung;
  • Nachbereitung und Korrekturen;
  • Auswirkungen auf Versorgung, Beziehungen, Freizeit oder andere Aufgaben.

Ungefähre Angaben reichen. Zeiten können sich überschneiden und müssen nicht addiert werden.

Brauchte ich anschließend Entlastung? Gab es dafür eine tatsächliche Möglichkeit? Habe ich Erholung versucht – und welche Veränderung habe ich wahrgenommen?

Dabei unterscheiden wir:

BegriffBedeutung in dieser Arbeitshilfe
ErholungsbedarfDein wahrgenommener Bedarf an Entlastung. Er sagt noch nicht, ob eine passende Möglichkeit vorhanden ist.
RuhezeitEin Zeitraum mit tatsächlich verringerten Anforderungen. Er führt nicht automatisch zu Erholung.
RückzugEine Verringerung von Kontakten oder Reizen. Ob der Rückzug gewünscht ist und wie er wirkt, bleibt zunächst offen.
ErholungsversuchEtwas, das du mit der Absicht tust, dich zu erholen. Die Bezeichnung enthält noch keine Aussage über den Erfolg.
Wahrgenommene ErholungEine von dir bemerkte Verbesserung deines Zustands. Sie kann teilweise, vorübergehend oder verzögert eintreten.

Diese Arbeitsbegriffe sind eine eigene Ausarbeitung von Neurofacetten.

Zeit außerhalb von Unterricht oder Arbeit ist nicht automatisch verfügbare Zeit. Eine Pause führt nicht automatisch zu Erholung. Erholung muss sich nicht durch anschließende Produktivität beweisen.

Meine Situation festhalten

Mein Situationsblatt

Du kannst dieses Blatt für eine einzelne Situation oder ein wiederkehrendes Muster verwenden. Stichpunkte genügen.

Mein Wunsch oder notwendiges Anliegen

Das möchte oder muss ich ermöglichen:

Das gelingt bereits:

Konkrete Tätigkeit und Schwierigkeit

Situation und betrachteter Zeitraum:

Das geschieht tatsächlich:

Hier wird es schwierig – falls ich das schon eingrenzen kann:

Es geht um Zugang, Lernen, Aufgabenbearbeitung, Zusammenarbeit, Einstieg oder folgende einzelne Schritte:

Häufigkeit, Dauer und Unterschiede

Wie häufig und wie lange tritt die Schwierigkeit ungefähr auf?

Seit wann kenne ich sie?

Wann gelingt es leichter, schwerer oder auf andere Weise?

Bedingungen des Gelingens und mögliche Barrieren

Diese Bedingungen erleichtern die Situation:

Diese äußeren Bedingungen erschweren die Situation nach meiner Beobachtung oder kommen als Erklärung infrage:

Diese Unterstützung oder zugängliche Möglichkeit fehlt:

Was ich zu meinem Befinden oder meinen persönlichen Umständen ergänzen möchte – freiwillig:

Vorhandene Unterstützung

Wer oder was unterstützt mich? Wobei genau?

Was entscheide und erledige ich selbst, was gemeinsam, was wird übernommen?

Kann ich mit dieser Hilfe rechnen? Wann ist sie verfügbar?

Was habe ich bei fehlender Unterstützung beobachtet?

Aufwand und Auswirkungen

Eigene zusätzliche Zeit und Anstrengung:

Aufwand unterstützender Personen, soweit bekannt:

Was ist anschließend möglich? Was muss warten, übernimmt jemand anderes oder fällt aus?

Erholungsbedarf und Verlauf

Welche Entlastung brauche ich?

Welche Ruhezeit oder Möglichkeit zum Rückzug besteht tatsächlich?

Was habe ich mit der Absicht versucht, mich zu erholen?

Welche Veränderung habe ich wahrgenommen – oder konnte ich noch nicht beurteilen?

Gewünschte Veränderung

Das wünsche ich mir beziehungsweise möchte ich klären:

Brauche ich Unterstützung oder andere Bedingungen? Wenn ja: wobei?

Wer könnte bei der Veränderung helfen oder darüber entscheiden? Weiß ich das schon?

Offene Fragen und Grundlage meiner Angaben

Was ist beobachtet, was vermutet und was noch unklar?

Meine Angaben beruhen auf:

☐ eigener Erinnerung

☐ ungefährer Schätzung

☐ zeitnahen Notizen

☐ gemeinsam besprochenen Beobachtungen

☐ anderem: …………………………………………………………..

Beim Formulieren wurde ich unterstützt durch:

Ergänzende Beobachtungen anderer, getrennt von meinen eigenen Angaben:

Für andere zusammenfassen

Für andere beschreiben

7. Eine gewünschte Veränderung formulieren

Du musst noch keine fertige Lösung kennen.

Ich möchte … ermöglichen.
Bisher gelingt das unter folgenden Bedingungen: …
Schwierig wird es bei …
Ich brauche Unterstützung oder andere Bedingungen für …
Welche Lösung passt, möchte ich gemeinsam klären.

Mögliche Anliegen sind beispielsweise:

  • Aufgaben und Prioritäten konkret klären;
  • Informationen in einer nutzbaren Form erhalten;
  • passende Arbeitsmittel verfügbar haben;
  • Unterbrechungen und Erreichbarkeit abstimmen;
  • Zeit für Verarbeitung und Rückfragen erhalten;
  • Wissen oder Arbeitsergebnisse unter passenden Bedingungen zeigen;
  • Einstieg oder Wiedereinstieg gemeinsam vorbereiten;
  • Umfang, Aufgaben oder zeitliche Verteilung überprüfen;
  • Unterstützung verlässlich vereinbaren.

Ob eine Möglichkeit passt, hängt von dir und der Situation ab. Wichtig sind auch Zugänglichkeit, Kosten, zusätzlicher Aufwand, Verlässlichkeit und deine Entscheidungsfreiheit.

8. Zusammenfassung für Beratung, Gespräche oder Behörden

Du kannst passende Angaben aus dem Situationsblatt übernehmen. Vertrauliche Arbeitsinhalte, Namen oder persönliche Unterlagen müssen dafür nicht wiedergegeben werden.

Diese Darstellung beschreibt meinen tatsächlichen Alltag und die Bedingungen, unter denen Tätigkeiten gelingen. Ungefähre Angaben sind als solche gekennzeichnet.

Mein Anliegen und der betrachtete Zeitraum:
…

Die konkrete Schwierigkeit:
Beim … geschieht …
Ein Beispiel dafür ist …

Häufigkeit, ungefähre Dauer und Unterschiede:
…
Leichter, schwerer oder anders gelingt es, wenn …

Äußere Bedingungen und mögliche Barrieren:
…
Beobachtet ist …
Noch unklar beziehungsweise vermutet ist …

Was gelingt und welche Unterstützung dazu beiträgt:
… unterstützt mich bei …
Ich selbst entscheide beziehungsweise erledige …
Mit dieser Hilfe kann ich … rechnen.

Bei fehlender Unterstützung habe ich beobachtet:
…
Noch nicht bekannt ist …

Zusätzlicher Aufwand und Auswirkungen:
…
Dadurch muss … warten, wird übernommen oder fällt aus.

Erholungsbedarf und Verlauf:
Ich brauche …
Eine tatsächliche Möglichkeit zur Entlastung besteht …
Zur Erholung versucht habe ich …
Wahrgenommen habe ich …

Gewünschte Veränderung oder offener Klärungsbedarf:
…

Grundlage dieser Angaben und Unterstützung beim Formulieren:
…
Ergänzende Beobachtungen anderer sind gesondert gekennzeichnet.

Diese persönliche Darstellung kann Gespräche und Verfahren vorbereiten. Sie ist kein amtliches Begutachtungsinstrument und stellt keine Arbeits-, Erwerbs- oder Prüfungsfähigkeit fest. Sie ergibt auch keine Einstufung, etwa eines GdB oder Pflegegrades. Welche Angaben und Unterlagen für ein bestimmtes Verfahren erforderlich sind, muss gesondert geklärt werden.

9. Ein ausgefülltes Beispiel

Das Beispiel ist erfunden. Es beschreibt eine mögliche Situation und ist kein Maßstab für andere Menschen.

Anliegen

„Ich möchte nach einer Unterbrechung wieder an einer beruflichen Weiterbildung teilnehmen und die Übungsaufgaben bearbeiten können.“

Beobachtung

„In den ersten beiden Wochen konnte ich den schriftlichen Erklärungen meist folgen. Bei Aufgaben mit mehreren Arbeitsschritten begann ich wiederholt neu. Während der Übungszeit wurden zusätzliche Hinweise mündlich gegeben und Rückfragen in der Gruppe besprochen.“

Äußere Bedingungen und mögliche Barrieren

„Die zusätzlichen Hinweise waren anschließend nicht schriftlich verfügbar. Nach einer Unterbrechung wusste ich teilweise nicht mehr, welcher Schritt als Nächstes anstand. Ob vor allem die Unterbrechungen, die Darstellung der Aufgabe oder weitere Bedingungen beitrugen, weiß ich noch nicht.“

Was bereits hilft

„Bei einer späteren Aufgabe erhielt ich eine schriftliche Schrittfolge. Ich konnte meinen Zwischenstand markieren und die Aufgabe fortsetzen. Gleichzeitig war die Gruppe an diesem Tag kleiner. Aus dieser einzelnen Situation kann ich nicht ableiten, welche Bedingung besonders wichtig war.“

Unterstützung und eigener Anteil

„Die Aufgabe bearbeitete ich selbst. Eine Ansprechperson klärte auf meine Nachfrage einen unklaren Schritt. Eine regelmäßige Form für solche Rückfragen ist bisher nicht vereinbart.“

Aufwand und Erholung

„Nach zwei Kurstagen arbeitete ich zu Hause länger an offenen Schritten weiter und verschob dafür andere Vorhaben. An einem weiteren Tag ließ ich die Nacharbeit zunächst liegen, um weniger Anforderungen zu haben. Ob ich mich dadurch erholte, konnte ich nicht sicher beurteilen.“

Gewünschte Veränderung

„Ich möchte Aufgaben und zusätzliche Hinweise schriftlich erhalten. Außerdem möchte ich klären, wie ich Zwischenstände festhalten und offene Fragen stellen kann. Den weiteren Umfang möchte ich anhand meiner tatsächlichen Erfahrungen besprechen.“

Kurze Zusammenfassung für ein Gespräch

„Die Teilnahme und das Bearbeiten einzelner Aufgaben gelingen teilweise. Bei mehrschrittigen Aufgaben und Unterbrechungen entstehen wiederholt zusätzliche Arbeit und offene Schritte. Eine schriftliche Schrittfolge war in einer Situation hilfreich. Ich möchte diese Bedingung verlässlich nutzen und den weiteren Ablauf gemeinsam klären.“

10. Nach einer Veränderung zurückschauen

Wähle wenige Fragen, die zu deinem Anliegen passen:

  • Ist der Zugang zur gewünschten Tätigkeit möglich?
  • Verstehe ich Aufgaben und Erwartungen?
  • Sind Materialien und Arbeitsmittel nutzbar?
  • Kann ich eine Aufgabe beginnen, fortsetzen und abschließen?
  • Kann ich mein Wissen oder meine Arbeit passend zeigen?
  • Sind Kommunikation und Rückmeldungen zugänglich?
  • Ist Unterstützung verfügbar, wenn ich sie brauche?
  • Passen Umfang und zeitlicher Ablauf besser zu meinem Alltag?
  • Wie verändern sich Aufwand und Auswirkungen auf andere Lebensbereiche?
  • Entsteht an anderer Stelle zusätzlicher Aufwand?
  • Was ist noch offen?

Mögliche Antworten:

besser · unverändert · schwieriger · wechselnd · noch nicht beurteilbar · nicht relevant

Entscheidend ist, ob deine gewünschte Beteiligung zugänglicher wird. Mehr Stunden, höhere Leistung oder weniger Unterstützung sind kein allgemeiner Erfolgsmaßstab.

Eine beobachtete Veränderung beweist keinen eindeutigen ursächlichen Zusammenhang.

Fachliche Einordnung und Quellen

Wissensstatus und Quellen

ICF als fachlicher Hintergrund

Die ICF ist die Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit der Weltgesundheitsorganisation. Für die folgenden Bezüge wird die deutschsprachige Fassung von 2005 verwendet.

Das Modul verbindet Lernen und Wissensanwendung mit Bildungs- und Arbeitssituationen. Diese Bereiche überschneiden sich, sind aber nicht gleichzusetzen.

ICF-BezugBedeutung für diese Arbeitshilfe
Kapitel d1: Lernen und WissensanwendungBeispielsweise Fertigkeiten erwerben, lesen, schreiben, Probleme lösen und Entscheidungen treffen.
Kapitel d2: Allgemeine Aufgaben und AnforderungenBeispielsweise einzelne oder mehrere Aufgaben übernehmen und Tätigkeiten in den Alltag einbinden.
d810–d839: Erziehung/BildungKann je nach Situation schulische, berufliche, höhere oder andere Bildung betreffen.
d840: Vorbereitung auf ErwerbstätigkeitKann vorbereitende Tätigkeiten betreffen, etwa bestimmte Formen praktischer beruflicher Vorbereitung.
d845: Eine Arbeit erhalten, behalten und beendenKann die Suche, Aufnahme und Aufrechterhaltung einer Arbeit sowie deren Beendigung betreffen.
d850: Bezahlte Tätigkeit; d855: Unbezahlte TätigkeitKönnen je nach Art der Tätigkeit berührt sein.
UmweltfaktorenBeispielsweise Materialien, Technik, räumliche Bedingungen, Unterstützung, Einstellungen und die Gestaltung von Bildungs- oder Arbeitsangeboten.

Die Erläuterungen in der rechten Spalte sind alltagsnahe Zusammenfassungen, keine vollständigen Definitionen der Kategorien. Nicht jeder Bezug trifft auf jede Situation zu.

Auch Kommunikation und Mobilität können wichtig sein. Eine schwierige Prüfung oder Arbeitssituation lässt sich nicht allein aus einer einzelnen Körperfunktion oder ICF-Kategorie erklären.

Die Arbeitshilfe beschreibt den tatsächlichen Alltag. Sie misst die ICF-Leistungsfähigkeit nicht standardisiert. Der Ausdruck „Leistungsfähigkeit“ ist dabei kein anderes Wort für Energie, Tagesform oder ein einzelnes Arbeitsergebnis.

Einordnung der Arbeitshilfe

  • Klassifikation: Die genannten Kategorien stammen aus der ICF. Sie ordnen Beschreibungen, erklären aber für sich genommen keine individuelle Ursache.
  • Eigene Ausarbeitung von Neurofacetten: Aufbau, Entdeckungsfragen, Arbeitsbegriffe, Situationsblatt und Formulierungshilfen sind eine redaktionelle Ausarbeitung. Sie sind kein validiertes Testverfahren.
  • Persönliches Erfahrungswissen: Deine Angaben beschreiben deine Wahrnehmungen und Beobachtungen. Daraus werden keine Aussagen über alle neurodivergenten Menschen abgeleitet.
  • Beispiele und Veränderungsideen: Sie zeigen Möglichkeiten, ohne eine allgemeine Wirksamkeit zu belegen. Sie geben keine Bildungs- oder Erwerbsbiografie als Ziel vor.

Fachliche Grundlagen

Redaktionelle Endfassung: 19. Oktober 2026.

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