Zur Modulauswahl · Beobachtungen zusammenführen
Barriereregister · Modul 15 von 17
Wohnen und Veränderungen der Wohnsituation
Eine Wohnung zu haben, bedeutet noch nicht, sie für den eigenen Alltag nutzen zu können. Vielleicht sind Räume oder Ausstattung schwer zugänglich. Vielleicht fehlt ein Rückzugsort. Vielleicht gelingt das Wohnen nur, weil andere regelmäßig Aufgaben übernehmen.
Auch ein abgeschlossener Umzug sagt noch wenig darüber aus, ob die neue Wohnung bereits nutzbar ist und notwendige Abläufe wieder möglich sind.
Diese Arbeitshilfe unterstützt dich dabei, einzelne Situationen und ihre Bedingungen zu entdecken. Du musst noch nicht wissen, wodurch eine Schwierigkeit entsteht.
Die Leitfrage lautet: Was brauche ich, damit meine Wohnsituation zu meinem Alltag passt und Veränderungen möglich werden?
Wähle nur die Fragen, die dir helfen. Du musst nichts vollständig ausfüllen und keine Schwierigkeiten nachweisen. Deine Adresse, finanzielle Einzelheiten oder private Angaben über Mitbewohner:innen musst du hier nicht festhalten.
Kurz anfangen
Drei Fragen reichen
1. Was möchte ich ermöglichen?
Zum Beispiel:
- meine derzeitige Wohnung im Alltag nutzen;
- einen Raum erreichen oder passend einrichten;
- Privatsphäre und Rückzug haben;
- mit anderen zusammenwohnen;
- benötigte Unterstützung zu Hause erhalten;
- eine passende Wohnmöglichkeit finden;
- einen Umzug vorbereiten und durchführen;
- nach einem Umzug die notwendige Versorgung wieder ermöglichen;
- eine Veränderung in der bestehenden Wohnung klären.
2. Was geschieht tatsächlich?
Was gelingt bereits? Welcher Bereich ist nicht oder nur unter bestimmten Bedingungen nutzbar? Welche Unterstützung ist beteiligt? Was bleibt bei einer Veränderung offen?
3. Was hilft oder fehlt?
Zum Beispiel zugängliche Räume, passende Ausstattung, bezahlbarer Wohnraum, verständliche Informationen oder verlässliche Unterstützung.
„Das weiß ich noch nicht“ ist ebenfalls eine mögliche Antwort.
Meine Situation in wenigen Sätzen
Ich möchte oder brauche …
Derzeit gelingt …
Schwierig wird es, wenn …
Leichter gelingt es, wenn …
Ich wünsche mir beziehungsweise möchte klären …
Du kannst hier aufhören. Die folgenden Abschnitte sind eine freiwillige Vertiefung.
Genauer entdecken
Optional genauer entdecken
Eine Frage reicht. Du musst die Abschnitte weder der Reihe nach noch vollständig bearbeiten.
Mögliche Antworten sind:
weiß ich noch nicht · wechselnd · trifft nicht zu · möchte ich nicht beantworten
1. Mein Anliegen
Vielleicht möchtest du in deiner derzeitigen Wohnung etwas verändern. Vielleicht steht ein Umzug an oder du möchtest zunächst herausfinden, welche Wohnbedingungen du brauchst. Du kannst das Modul auch nutzen, wenn du vorübergehend untergebracht bist oder derzeit keinen verlässlich verfügbaren Wohnraum hast.
- Was soll in deiner Wohnsituation möglich sein?
- Was gelingt bereits und soll erhalten bleiben?
- Welche Veränderung wünschst du dir?
- Was möchtest du selbst entscheiden?
- Wobei möchtest du Unterstützung?
- Was möchtest du derzeit nicht verändern?
Es geht nicht darum, eine bestimmte Wohnform zu erreichen. Alleinwohnen, Zusammenwohnen oder Wohnen mit Unterstützung können zu unterschiedlichen Wünschen und Bedürfnissen passen.
2. Entdeckungsfragen
Öffne nur das Thema, das dir gerade hilft. Jedes Thema lässt sich einzeln auf- und zuklappen.
Herausfinden, welche Bedingungen ich brauche
- Hast du derzeit einen verlässlich verfügbaren Wohn- oder Schlafplatz?
- Falls du vorübergehend untergebracht bist oder keinen festen Wohnort hast: Welche alltäglichen Möglichkeiten fehlen dir?
- Welche Tätigkeiten müssen an deinem Wohn- oder Aufenthaltsort möglich sein?
- Welche Räume, Wege und Ausstattungen brauchst du dafür?
- Was hilft dir in deiner derzeitigen Wohnsituation?
- Welche Bedingungen fehlen oder erschweren deinen Alltag?
- Was ist notwendig, was wünschenswert und was noch unklar?
- Welche Unterschiede zwischen früheren und heutigen Wohnsituationen fallen dir auf?
Welche Wohnbedingungen sind für meinen Alltag besonders wichtig?
Du musst deine Bedürfnisse nicht von Anfang an eindeutig ordnen können.
Die derzeitige Wohnung nutzen
- Kannst du die Wohnung betreten und verlassen?
- Sind wichtige Räume und Wege für dich zugänglich?
- Kannst du Türen, Fenster, Beleuchtung und andere benötigte Ausstattung bedienen?
- Sind Gegenstände erreichbar und nutzbar?
- Welche Bereiche kannst du nur mit Unterstützung verwenden?
- Was ist vorhanden, lässt sich aber im Alltag nicht passend nutzen?
Welche konkrete Nutzung gelingt – und welche bisher nicht?
Umgebung und Einflüsse von außen
- Welche Rolle spielen Geräusche, Licht, Gerüche, Temperatur oder Erschütterungen?
- Kannst du diese Bedingungen beeinflussen?
- Gibt es Unterschiede zwischen Tageszeiten oder Räumen?
- Wie wirken gemeinschaftliche Bereiche oder häufige Unterbrechungen?
- Welche Informationen fehlen dir zu möglichen Veränderungen?
- Was hast du unter anderen Bedingungen beobachtet?
Welche Umgebungsbedingungen erleichtern oder erschweren meinen Alltag?
Privatsphäre und Rückzug
- Gibt es einen Bereich, den du nach deinen Bedürfnissen nutzen kannst?
- Kannst du zeitweise Kontakte oder Reize verringern?
- Werden persönliche Räume und Grenzen respektiert?
- Kannst du selbst entscheiden, wer Zugang hat?
- Ist ein Rückzug möglich, ohne dass du weiterhin für alles zuständig bleibst?
- Was fehlt für eine tatsächliche Zeit mit weniger Anforderungen?
Welche Möglichkeit für Privatsphäre oder Rückzug brauche ich?
Ein Rückzugsort ermöglicht nicht automatisch Erholung. Seine Verfügbarkeit und seine Wirkung werden getrennt betrachtet.
Gemeinsam wohnen
- Welche Räume und Gegenstände werden gemeinsam genutzt?
- Sind Absprachen zu Nutzung, Besuchen und Aufgaben verständlich?
- Werden unterschiedliche Bedürfnisse berücksichtigt?
- Kannst du Wünsche und Grenzen mitteilen?
- Was geschieht bei Veränderungen oder Meinungsverschiedenheiten?
- Welche Vereinbarung würde den Alltag erleichtern?
Was möchte ich beim Zusammenwohnen erhalten oder anders vereinbaren?
Für die Gestaltung persönlicher Beziehungen kannst du zusätzlich das Modul „Kontakte und Beziehungen gestalten“ nutzen.
Unterstützung zu Hause
- Welche Unterstützung möchtest oder brauchst du?
- Ist sie in deiner Wohnung praktisch möglich?
- Sind benötigte Räume und Arbeitsmittel dafür nutzbar?
- Kannst du Zeiten und Abläufe mitgestalten?
- Bleiben Privatsphäre und eigene Entscheidungen gewahrt?
- Was geschieht, wenn Unterstützung ausfällt?
Welche Bedingungen braucht eine passende Unterstützung in meiner Wohnung?
Dazu kannst du auch das Modul „Für andere sorgen und eigene Unterstützung ermöglichen“ nutzen.
Eine Veränderung anstoßen
- Was möchtest du verändern, ohne umzuziehen?
- Ist klar, wer dafür angesprochen werden kann?
- Kannst du die Schwierigkeit konkret beschreiben?
- Sind Kontaktwege und Informationen für dich nutzbar?
- Welche Vorbereitung oder Abstimmung ist nötig?
- Was bleibt bis zur Klärung schwierig?
Welche Veränderung möchte ich prüfen oder besprechen?
Die Arbeitshilfe beurteilt keine baulichen Maßnahmen, mietrechtlichen Fragen oder Zuständigkeiten.
Eine passende Wohnmöglichkeit suchen
- Sind Informationen über Wohnangebote für dich zugänglich?
- Kannst du erkennen, ob wichtige Bedingungen erfüllt sein könnten?
- Welche Rolle spielen Kosten, Lage, Wege und verfügbare Unterstützung?
- Sind Kontaktaufnahme und Bewerbungsverfahren nutzbar?
- Brauchst du Unterstützung beim Suchen oder Vergleichen?
- Welche notwendigen Bedingungen lassen sich bisher nicht klären?
Was brauche ich, um passende Wohnmöglichkeiten zu finden?
Fehlender geeigneter oder bezahlbarer Wohnraum ist nicht allein eine Frage der persönlichen Organisation.
Besichtigen und Informationen prüfen
- Kannst du eine Besichtigung vereinbaren und wahrnehmen?
- Ist genügend Zeit für deine Fragen?
- Kannst du wichtige Räume und Wege tatsächlich ansehen?
- Welche Eigenschaften sind beim Besuch erkennbar, welche nicht?
- Kannst du Informationen festhalten oder später nachfragen?
- Möchtest du eine Person zur Unterstützung einbeziehen?
Was muss ich vor einer Entscheidung noch wissen?
Eine Besichtigung kann nicht jede Alltagssituation abbilden. Unbekannte Punkte dürfen offen benannt werden.
Entscheiden und Vereinbarungen verstehen
- Sind die verfügbaren Möglichkeiten und ihre Bedingungen verständlich?
- Kannst du Kosten und laufende Verpflichtungen einordnen oder dazu Unterstützung erhalten?
- Bekommst du ausreichend Zeit für Fragen?
- Welche Wünsche und notwendigen Bedingungen lassen sich miteinander verbinden?
- Wo fehlt eine passende Wahlmöglichkeit?
- Was möchtest du vor einer Entscheidung klären?
Was brauche ich, um eine Entscheidung nach meinen Wünschen zu treffen?
Für Unterlagen und finanzielle Fragen kannst du die entsprechenden Module nutzen. Dieses Blatt prüft keine Verträge oder finanziellen Ansprüche.
Einen Umzug vorbereiten
- Ist erkennbar, welche Aufgaben anstehen?
- Kannst du eine Reihenfolge finden?
- Was möchtest du mitnehmen, verändern oder noch nicht entscheiden?
- Wer organisiert Materialien, Transport und Unterstützung?
- Welche Aufgaben kommen gleichzeitig hinzu?
- Was muss während der Vorbereitung weiter möglich bleiben?
Welcher Vorbereitungsschritt gelingt – und wo brauche ich Hilfe?
Packen und persönliche Gegenstände
- Kannst du Gegenstände auswählen, verpacken und kennzeichnen?
- Sind Materialien und Arbeitsflächen nutzbar?
- Welche Rolle spielen Heben, Tragen oder längeres Stehen und Sitzen?
- Findest du benötigte Dinge während des Packens wieder?
- Werden Entscheidungen über deine Gegenstände mit dir abgestimmt?
- Was soll nur mit deiner Zustimmung bewegt oder weggegeben werden?
Welche Unterstützung brauche ich beim Umgang mit meinen Gegenständen?
Den Umzug durchführen
- Sind Zeiten, Aufgaben und Ansprechpersonen klar?
- Können du und deine benötigten Hilfsmittel beide Orte nutzen?
- Wer übernimmt Transport und einzelne Handgriffe?
- Kannst du Rückfragen und Änderungen in einer passenden Form klären?
- Gibt es eine nutzbare Möglichkeit für eine Unterbrechung?
- Was geschieht, wenn ein Teil des Ablaufs ausfällt?
Was muss am Umzugstag verlässlich möglich sein?
Notwendige Versorgung während der Veränderung
- Sind Essen, Getränke, Kleidung und persönliche Versorgungsmittel verfügbar?
- Sind Schlafplatz und Toilette nutzbar?
- Bleibt benötigte Unterstützung erreichbar?
- Welche gesundheitlichen Versorgungsabläufe müssen weiter möglich sein?
- Was brauchen gegebenenfalls andere Menschen oder Tiere, für die du sorgst?
- Wer übernimmt welche Aufgabe?
Welche Versorgung darf während der Veränderung nicht offenbleiben?
Du kannst auf andere Module verweisen, ohne persönliche Einzelheiten erneut einzutragen.
Auspacken und Räume nutzbar machen
- Was soll zuerst möglich werden?
- Sind benötigte Gegenstände auffindbar und erreichbar?
- Kannst du Möbel und Ausstattung nutzen?
- Welche Vorbereitung ist für alltägliche Tätigkeiten noch nötig?
- Ist Unterstützung auch nach dem eigentlichen Umzug verfügbar?
- Welche Bereiche bleiben länger offen?
Was braucht es, damit aus dem Ankommen ein nutzbarer Alltag wird?
Neue Abläufe und Wege kennenlernen
- Findest du dich in der Wohnung und ihrer Umgebung zurecht?
- Sind wichtige Orte und Angebote erreichbar?
- Welche bisherigen Abläufe passen nicht mehr?
- Müssen Unterstützung, Termine oder Lieferungen neu abgestimmt werden?
- Was hilft beim Kennenlernen?
- Was lässt sich erst nach einiger Zeit beurteilen?
Welche neuen Schritte muss ich im Alltag erst klären?
Veränderungen ohne Umzug
- Was verändert sich durch neue Mitbewohner:innen, Bauarbeiten oder eine andere Raumnutzung?
- Welche vertrauten Abläufe fallen weg?
- Werden Veränderungen verständlich und rechtzeitig mitgeteilt?
- Kannst du eigene Bedürfnisse einbringen?
- Welche zusätzliche Unterstützung wird nötig?
- Was soll erhalten bleiben?
Welche Veränderung in der bestehenden Wohnsituation braucht eine neue Vereinbarung?
Wohnen und der übrige Alltag
- Welche Aufgaben kommen durch die Wohnsituation hinzu?
- Was gelingt einzeln, lässt sich aber schwer mit anderen Anforderungen verbinden?
- Was muss warten, wird übernommen oder fällt aus?
- Wie lange bleiben zusätzliche Aufgaben bestehen?
- Welche Auswirkungen bemerkst du später?
- Wann verläuft es anders?
Wie wirkt die Wohnsituation auf andere Lebensbereiche?
Meine eigene Ergänzung
Welche wichtige Situation oder Erfahrung fehlt hier für mich?
3. Schwierigkeiten und mögliche Barrieren unterscheiden
Eine Schwierigkeit beschreibt zunächst, was bei einer Tätigkeit geschieht. Eine Barriere ist im fachlichen Sinn der ICF eine hindernde äußere Bedingung.
Beides kann zusammenhängen, ist aber nicht dasselbe.
| Meine Beobachtung | Äußere Bedingung | Was ich über den Zusammenhang weiß oder vermute |
|---|---|---|
| „Ich kann einen wichtigen Raum nicht selbst erreichen.“ | „Der Zugang enthält eine für mich nicht nutzbare Stufe.“ | „Über einen stufenlosen Zugang konnte ich vergleichbare Räume nutzen.“ |
| „Ich kann mich zu Hause kaum ungestört zurückziehen.“ | „Alle verfügbaren Räume werden gleichzeitig für andere Aufgaben genutzt.“ | „Ob eine andere Raumaufteilung oder Absprache helfen würde, ist noch offen.“ |
| „Nach dem Umzug ist die Küche noch nicht für meine Versorgung nutzbar.“ | „Benötigte Gegenstände sind nicht erreichbar; Unterstützung beim Einrichten fehlt bisher.“ | „Mit zugänglichen Gegenständen gelingen einzelne Schritte bereits.“ |
Du musst eine Barriere noch nicht sicher benennen können. Dein Befinden und persönliche Umstände dürfen ebenfalls Teil der Beschreibung sein. Eine Beschwerde ist keine Umweltbarriere, kann aber für das Verständnis deiner Situation wichtig sein.
Auch fehlender passender Wohnraum, Kosten oder nicht verfügbare Unterstützung können eine Rolle spielen. Eine Schwierigkeit beim Wohnen ist nicht automatisch eine Schwierigkeit der Haushaltsführung.
4. Eine konkrete Situation verstehen
Wähle eine tatsächliche Nutzung, einen Suchschritt oder eine Veränderung deiner Wohnsituation.
- Was wolltest oder musstest du ermöglichen?
- Welche Bedingungen waren vorhanden?
- Was geschah nacheinander?
- Wo wurde es schwierig?
- Welche Unterstützung war beteiligt?
- Was wurde nutzbar oder geklärt?
- Was blieb offen?
- Welche Auswirkungen hatte das auf deinen Alltag?
Vielleicht passt eine dieser Beschreibungen:
- Die gewünschte Nutzung gelang unter passenden Bedingungen.
- Einzelne Bereiche oder Schritte waren nutzbar.
- Das Wohnen oder die Veränderung wurde mit Unterstützung möglich.
- Wohnraum war vorhanden, aber für mein Anliegen nicht ausreichend nutzbar.
- Der Umzug war abgeschlossen; wichtige Alltagsabläufe waren noch offen.
- Eine benötigte Unterstützung oder passende Wohnmöglichkeit fehlte.
- Ich möchte zunächst weitere Informationen, bevor ich entscheide.
- Wie die Situation einzuordnen ist, weiß ich noch nicht.
Du musst belastende Situationen nicht wiederholen oder Unterstützung weglassen, um deinen Bedarf zu beschreiben.
5. Unterstützung und Bedingungen des Gelingens
„Hilfe beim Wohnen“ kann einmalige und wiederkehrende Aufgaben umfassen.
| Bereich | Möglicher Beitrag der Unterstützung |
|---|---|
| Bedürfnisse klären | Gewünschte Tätigkeiten und dafür wichtige Wohnbedingungen gemeinsam ansehen. |
| Suche und Entscheidung | Informationen zugänglich machen und offene Fragen ordnen. |
| Vorbereitung | Unterlagen, Aufgaben und benötigte Mittel zusammenführen. |
| Veränderung und Umzug | Vereinbarte organisatorische oder praktische Schritte übernehmen. |
| Nutzbarkeit | Räume und Gegenstände für konkrete Tätigkeiten zugänglich machen. |
| Alltag | Benötigte Unterstützung nach einer Veränderung weiter ermöglichen. |
| Verlässlichkeit | Umfang, Zeiten und mögliche Vertretung klären. |
Halte auch fest:
- Was entscheidest und erledigst du selbst?
- Was geschieht gemeinsam?
- Was wird auf deinen Wunsch übernommen?
- Wird die Hilfe einmalig oder wiederkehrend benötigt?
- Kannst du mit ihr rechnen? Wann ist sie verfügbar?
- Wie aufwendig ist es, sie zu organisieren?
- Was hast du bei fehlender Unterstützung beobachtet?
- Was weißt du darüber noch nicht?
Eine passende Wohnform und eigene Unterstützung sind keine Gegensätze. Unterstützung zu nutzen bedeutet nicht, Entscheidungen über die eigene Wohnsituation abzugeben.
6. Aufwand, Auswirkungen und Erholung
Zur sichtbaren Wohnveränderung können viele weitere Schritte gehören. Auch in einer unveränderten Wohnung kann zusätzlicher Aufwand entstehen, weil wichtige Bereiche nicht passend nutzbar sind.
Wenn es für dein Anliegen wichtig ist, beschreibe:
- Informationssuche und Rückfragen;
- Besichtigungen und Entscheidungen;
- Unterlagen und Absprachen;
- Vorbereitung, Packen und Transport;
- Einrichten und Wiederfinden;
- Organisation von Unterstützung;
- zusätzliche Wege oder Handgriffe im Alltag;
- Auswirkungen auf Versorgung, Arbeit, Beziehungen oder Freizeit.
Ungefähre Angaben reichen. Zeiten können sich überschneiden und müssen nicht addiert werden.
Brauchte ich Entlastung? Gab es dafür eine tatsächliche Möglichkeit? Habe ich Erholung versucht – und welche Veränderung habe ich wahrgenommen?
Dabei unterscheiden wir:
| Begriff | Bedeutung in dieser Arbeitshilfe |
|---|---|
| Erholungsbedarf | Dein wahrgenommener Bedarf an Entlastung. Er sagt noch nicht, ob eine passende Möglichkeit vorhanden ist. |
| Ruhezeit | Ein Zeitraum mit tatsächlich verringerten Anforderungen. Er führt nicht automatisch zu Erholung. |
| Rückzug | Eine Verringerung von Kontakten oder Reizen. Ob der Rückzug gewünscht ist und wie er wirkt, bleibt zunächst offen. |
| Erholungsversuch | Etwas, das du mit der Absicht tust, dich zu erholen. Die Bezeichnung enthält noch keine Aussage über den Erfolg. |
| Wahrgenommene Erholung | Eine von dir bemerkte Verbesserung deines Zustands. Sie kann teilweise, vorübergehend oder verzögert eintreten. |
Diese Arbeitsbegriffe sind eine eigene Ausarbeitung von Neurofacetten.
Zu Hause zu sein bedeutet nicht automatisch, Ruhezeit zu haben. Ein eigener Raum führt nicht automatisch zu Erholung. Freie Zeit ist nicht automatisch verfügbare Zeit. Erholung muss sich nicht durch anschließende Produktivität beweisen.
Meine Situation festhalten
Mein Situationsblatt
Du kannst dieses Blatt für eine einzelne Situation oder ein wiederkehrendes Muster verwenden. Stichpunkte und allgemeine Bezeichnungen genügen.
Mein Wunsch oder notwendiges Anliegen
Das möchte oder muss ich ermöglichen:
Das gelingt bereits:
Konkrete Tätigkeit und Schwierigkeit
Situation und betrachteter Zeitraum:
Das geschieht tatsächlich:
Hier wird es schwierig – falls ich das schon eingrenzen kann:
Es geht um die Nutzung der Wohnung, Zusammenwohnen, Suche, Entscheidung, Umzug, Einrichtung oder folgende einzelne Schritte:
Häufigkeit, Dauer und Unterschiede
Wie häufig und wie lange tritt die Schwierigkeit ungefähr auf?
Seit wann kenne ich sie?
Wann gelingt es leichter, schwerer oder auf andere Weise?
Bedingungen des Gelingens und mögliche Barrieren
Diese Bedingungen erleichtern die Situation:
Diese äußeren Bedingungen erschweren die Situation nach meiner Beobachtung oder kommen als Erklärung infrage:
Diese Unterstützung oder zugängliche Möglichkeit fehlt:
Was ich zu meinem Befinden oder meinen persönlichen Umständen ergänzen möchte – freiwillig:
Vorhandene Unterstützung
Wer oder was unterstützt mich? Wobei genau?
Was entscheide und erledige ich selbst, was gemeinsam, was wird übernommen?
Kann ich mit dieser Hilfe rechnen? Wann ist sie verfügbar?
Was habe ich bei fehlender Unterstützung beobachtet?
Aufwand und Auswirkungen
Eigene zusätzliche Zeit und Anstrengung:
Aufwand unterstützender Personen, soweit bekannt:
Was ist anschließend möglich? Was muss warten, übernimmt jemand anderes oder fällt aus?
Erholungsbedarf und Verlauf
Welche Entlastung brauche ich?
Welche Ruhezeit oder Möglichkeit zum Rückzug besteht tatsächlich?
Was habe ich mit der Absicht versucht, mich zu erholen?
Welche Veränderung habe ich wahrgenommen – oder konnte ich noch nicht beurteilen?
Gewünschte Veränderung
Das wünsche ich mir beziehungsweise möchte ich klären:
Brauche ich Unterstützung oder andere Bedingungen? Wenn ja: wobei?
Wer könnte bei der Veränderung helfen oder darüber entscheiden? Weiß ich das schon?
Offene Fragen und Grundlage meiner Angaben
Was ist beobachtet, was vermutet und was noch unklar?
Meine Angaben beruhen auf:
☐ eigener Erinnerung
☐ ungefährer Schätzung
☐ zeitnahen Notizen
☐ gemeinsam besprochenen Beobachtungen
☐ anderem: …………………………………………………………..
Beim Formulieren wurde ich unterstützt durch:
Ergänzende Beobachtungen anderer, getrennt von meinen eigenen Angaben:
Für andere zusammenfassen
Für andere beschreiben
7. Eine gewünschte Veränderung formulieren
Du musst noch keine fertige Lösung kennen.
Ich möchte … ermöglichen.
Bisher gelingt das unter folgenden Bedingungen: …
Schwierig wird es bei …
Ich brauche Unterstützung oder andere Bedingungen für …
Welche Lösung passt, möchte ich gemeinsam klären.
Mögliche Anliegen sind beispielsweise:
- wichtige Räume und Gegenstände tatsächlich nutzen können;
- eine Veränderung der Ausstattung prüfen;
- Absprachen zu gemeinsamer Nutzung und Privatsphäre treffen;
- Unterstützung zu Hause passend gestalten;
- geeignete und bezahlbare Wohnmöglichkeiten suchen;
- Informationen vor einer Wohnentscheidung zugänglich erhalten;
- einzelne Umzugsschritte verlässlich unterstützen lassen;
- notwendige Versorgung während einer Veränderung absichern;
- Hilfe beim Einrichten und bei neuen Alltagsabläufen erhalten.
Ob eine Möglichkeit passt, hängt von dir und der Situation ab. Wichtig sind auch Zugänglichkeit, Kosten, zusätzlicher Aufwand, Verlässlichkeit und deine Entscheidungsfreiheit.
8. Zusammenfassung für Beratung, Gespräche oder Behörden
Du kannst passende Angaben aus dem Situationsblatt übernehmen. Häufig reicht eine Beschreibung der benötigten Nutzung und der erschwerenden Bedingungen. Adresse, Fotos oder private Angaben über andere Personen musst du hier nicht aufnehmen.
Diese Darstellung beschreibt meinen tatsächlichen Alltag und die Bedingungen, unter denen Tätigkeiten gelingen. Ungefähre Angaben sind als solche gekennzeichnet.
Mein Anliegen und der betrachtete Zeitraum:
…
Die konkrete Schwierigkeit:
Beim … geschieht …
Ein Beispiel dafür ist …
Häufigkeit, ungefähre Dauer und Unterschiede:
…
Leichter, schwerer oder anders gelingt es, wenn …
Äußere Bedingungen und mögliche Barrieren:
…
Beobachtet ist …
Noch unklar beziehungsweise vermutet ist …
Was gelingt und welche Unterstützung dazu beiträgt:
… unterstützt mich bei …
Ich selbst entscheide beziehungsweise erledige …
Mit dieser Hilfe kann ich … rechnen.
Einmaliger und wiederkehrender Unterstützungsbedarf:
Einmalig beziehungsweise während der Veränderung brauche ich …
Im weiteren Alltag brauche ich …
Bei fehlender Unterstützung habe ich beobachtet:
…
Noch nicht bekannt ist …
Zusätzlicher Aufwand und Auswirkungen:
…
Dadurch muss … warten, wird übernommen oder fällt aus.
Erholungsbedarf und Verlauf:
Ich brauche …
Eine tatsächliche Möglichkeit zur Entlastung besteht …
Zur Erholung versucht habe ich …
Wahrgenommen habe ich …
Gewünschte Veränderung oder offener Klärungsbedarf:
…
Grundlage dieser Angaben und Unterstützung beim Formulieren:
…
Ergänzende Beobachtungen anderer sind gesondert gekennzeichnet.
Diese persönliche Darstellung kann Gespräche und Verfahren vorbereiten. Sie ist kein amtliches Begutachtungsinstrument und ergibt keine Einstufung, etwa eines GdB oder Pflegegrades. Sie beurteilt keine mietrechtlichen Ansprüche oder die Finanzierung einer Wohnveränderung. Welche Angaben und Unterlagen für einen bestimmten Zweck erforderlich sind, muss gesondert geklärt werden.
9. Ein ausgefülltes Beispiel
Das Beispiel ist erfunden. Es beschreibt eine mögliche Situation und ist kein Maßstab für andere Menschen.
Anliegen
„Ich möchte nach meinem Umzug die Küche für einfache Mahlzeiten nutzen und einen Platz für meine Unterlagen einrichten.“
Beobachtung
„In den ersten beiden Wochen waren die Möbel aufgebaut. Geschirr, Küchengegenstände und Unterlagen lagen noch in verschiedenen Kisten. Ich konnte einzelne Dinge finden, musste aber vor jeder Nutzung erneut suchen.“
Äußere Bedingungen und mögliche Barrieren
„Für mehrere benötigte Gegenstände war noch kein erreichbarer Aufbewahrungsort eingerichtet. Unterstützung war zunächst nur für den Transport und Möbelaufbau vereinbart, nicht für das anschließende Einrichten.“
Unterstützung und eigener Anteil
„Bei zwei späteren Treffen sortierte ich gemeinsam mit einer vertrauten Person die Küchengegenstände. Ich entschied, was ich wo nutzen möchte. Die andere Person übernahm das Tragen und Einräumen bestimmter Dinge. Danach konnte ich einige Mahlzeiten vorbereiten. Der Platz für Unterlagen blieb noch offen.“
Aufwand und Erholung
„Die Suche und das Einrichten kamen zu den üblichen Aufgaben hinzu. Nach einem der Treffen brauchte ich weniger weitere Anforderungen. Ich zog mich zurück und versuchte, mich zu erholen. Später fühlte ich mich weniger angespannt; weitere Kisten bearbeitete ich an diesem Tag nicht.“
Gewünschte Veränderung
„Ich möchte weitere Unterstützung beim Einrichten vereinbaren. Zuerst soll der Platz für wichtige Unterlagen nutzbar werden. Die Anordnung möchte ich selbst mitbestimmen.“
Kurze Zusammenfassung für ein Gespräch
„Der Umzug ist abgeschlossen, die Wohnung aber noch nicht für alle notwendigen Alltagsabläufe nutzbar. Gemeinsames Einrichten ermöglichte bereits Teile der Küchenversorgung. Für weitere Bereiche fehlt bisher eine verlässliche Unterstützung. Ich möchte diese Schritte nach ihrer Bedeutung für meinen Alltag gemeinsam ordnen.“
10. Nach einer Veränderung zurückschauen
Wähle wenige Fragen, die zu deinem Anliegen passen:
- Ist die gewünschte Nutzung tatsächlich möglich?
- Sind wichtige Räume, Wege und Gegenstände zugänglich?
- Passen Ausstattung und Umgebungsbedingungen besser zu meinem Alltag?
- Sind Privatsphäre und Rückzug möglich?
- Werden meine Entscheidungen berücksichtigt?
- Sind Absprachen beim Zusammenwohnen verständlich und nutzbar?
- Ist Unterstützung auch nach einer einmaligen Veränderung verfügbar, wenn ich sie brauche?
- Bleibt die notwendige Versorgung während des Übergangs möglich?
- Wie verändern sich Aufwand und Auswirkungen auf andere Lebensbereiche?
- Entsteht an anderer Stelle zusätzlicher Aufwand?
- Was ist noch offen?
Mögliche Antworten:
besser · unverändert · schwieriger · wechselnd · noch nicht beurteilbar · nicht relevant
Entscheidend ist, ob deine Wohnsituation für deine notwendigen und selbst gewählten Tätigkeiten zugänglicher wird. Allein zu wohnen, weniger Unterstützung zu nutzen oder eine bestimmte Einrichtung herzustellen, ist kein allgemeiner Erfolgsmaßstab.
Eine beobachtete Veränderung beweist keinen eindeutigen ursächlichen Zusammenhang.
Fachliche Einordnung und Quellen
Wissensstatus und Quellen
ICF als fachlicher Hintergrund
Die ICF ist die Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit der Weltgesundheitsorganisation. Für die folgenden Bezüge wird die deutschsprachige Fassung von 2005 verwendet.
Eine gesamte Wohnsituation lässt sich nicht durch eine einzelne ICF-Kategorie beschreiben. Das Modul verbindet das Beschaffen und Einrichten von Wohnraum mit konkreten Alltagstätigkeiten und Umweltbedingungen.
| ICF-Bezug | Bedeutung für diese Arbeitshilfe |
|---|---|
| d610: Wohnraum beschaffen | Betrifft das Kaufen, Mieten und Einrichten von Wohnraum. |
| d6102: Wohnraum möblieren | Kann das Ausstatten und Einrichten der Wohnung betreffen. |
| d640: Hausarbeiten erledigen | Kann bei laufenden Haushaltstätigkeiten berührt sein; diese werden im Haushaltsmodul vertieft. |
| d650: Haushaltsgegenstände pflegen | Kann unter anderem das Instandhalten von Wohnung, Möbeln und Geräten betreffen. |
| Weitere Aktivitäten und Teilhabe | Je nach Anliegen beispielsweise Selbstversorgung, Mobilität, Kommunikation oder Beziehungen. |
| Umweltfaktoren | Beispielsweise bauliche Gestaltung, Ausstattung, Umgebungsreize, finanzielle Mittel, Unterstützung und die Gestaltung wohnbezogener Dienste. |
Die Erläuterungen in der rechten Spalte sind alltagsnahe Zusammenfassungen, keine vollständigen Definitionen der Kategorien. Nicht jeder Bezug trifft auf jede Situation zu.
d610 allein beschreibt nicht die gesamte Nutzbarkeit einer Wohnung. Dafür müssen die konkreten Tätigkeiten und die jeweiligen Bedingungen betrachtet werden.
Die Arbeitshilfe beschreibt den tatsächlichen Alltag. Sie misst die ICF-Leistungsfähigkeit nicht standardisiert.
Einordnung der Arbeitshilfe
- Klassifikation: Die genannten Kategorien stammen aus der ICF. Sie ordnen Beschreibungen, erklären aber für sich genommen keine individuelle Ursache.
- Eigene Ausarbeitung von Neurofacetten: Aufbau, Entdeckungsfragen, Arbeitsbegriffe, Situationsblatt und Formulierungshilfen sind eine redaktionelle Ausarbeitung. Sie sind kein validiertes Testverfahren.
- Persönliches Erfahrungswissen: Deine Angaben beschreiben deine Wahrnehmungen und Beobachtungen. Daraus werden keine Aussagen über alle neurodivergenten Menschen abgeleitet.
- Beispiele und Veränderungsideen: Sie zeigen Möglichkeiten, ohne eine allgemeine Wirksamkeit zu belegen. Sie geben keine bestimmte Wohnform vor und enthalten keine bauliche, finanzielle oder rechtliche Beratung.
Fachliche Grundlagen
- BfArM: ICF, deutschsprachige Fassung 2005 – Gesamtübersicht
- BfArM: Beschaffung von Lebensnotwendigkeiten – einschließlich Wohnraum beschaffen
- BfArM: Haushaltsaufgaben
- BfArM: Haushaltsgegenstände pflegen und anderen helfen
- BfArM: Umweltfaktoren – Barrieren und Förderfaktoren
Redaktionelle Endfassung: 19. Oktober 2026.
