Zur Modulauswahl · Beobachtungen zusammenführen
Barriereregister · Modul 9 von 17
Gesundheitliche Versorgung im Alltag organisieren
Ein vereinbarter Behandlungstermin bedeutet noch nicht, dass die Versorgung zugänglich ist. Ein vorhandenes Rezept sagt noch nicht, ob das benötigte Mittel beschafft werden kann. Und eine besprochene Maßnahme lässt sich nicht automatisch in den Alltag einfügen.
Vielleicht gelingt ein einzelner Schritt, während zwischen verschiedenen Stellen Informationen fehlen. Vielleicht ist Unterstützung nötig, um Anliegen mitzuteilen, Unterlagen zu finden oder den nächsten Schritt zu klären.
Diese Arbeitshilfe unterstützt dich dabei, solche Abläufe und ihre Bedingungen zu entdecken. Du musst noch nicht wissen, wodurch eine Schwierigkeit entsteht.
Die Leitfrage lautet: Was brauche ich, damit ich gesundheitliche Versorgung erreichen, verstehen und im Alltag organisieren kann?
Wähle nur die Fragen, die dir helfen. Du musst nichts vollständig ausfüllen und keine Schwierigkeiten nachweisen. Diagnosen, Medikamentennamen und vertrauliche Befunde musst du hier nicht angeben.
Die Arbeitshilfe gibt keine Empfehlungen zur Auswahl, Anwendung oder Veränderung von Behandlungen und Medikamenten.
Kurz anfangen
Drei Fragen reichen
1. Was möchte ich ermöglichen?
Zum Beispiel:
- eine Frage zu meinem Befinden klären;
- eine passende Ansprechstelle erreichen;
- mein Anliegen verständlich mitteilen;
- Informationen und vorgeschlagene Möglichkeiten verstehen;
- eine Entscheidung mit ausreichend Zeit treffen;
- vereinbarte Versorgung im Alltag organisieren;
- benötigte Medikamente, Hilfsmittel oder andere Mittel beschaffen;
- Unterstützung nutzen und dabei selbst mitentscheiden;
- Abläufe zwischen mehreren Stellen klären.
2. Was geschieht tatsächlich?
Was gelingt bereits? Wo bleibt ein Schritt offen? Welche Unterstützung ist beteiligt? Was ist zwar vereinbart, im Alltag aber noch nicht möglich?
3. Was hilft oder fehlt?
Zum Beispiel ein nutzbarer Kontaktweg, verständliche Informationen, passende Ausstattung, erreichbare Angebote oder verlässliche Unterstützung.
„Das weiß ich noch nicht“ ist ebenfalls eine mögliche Antwort.
Meine Situation in wenigen Sätzen
Ich möchte oder brauche …
Derzeit gelingt …
Schwierig wird es, wenn …
Leichter gelingt es, wenn …
Ich wünsche mir beziehungsweise möchte klären …
Du kannst hier aufhören. Die folgenden Abschnitte sind eine freiwillige Vertiefung.
Genauer entdecken
Optional genauer entdecken
Eine Frage reicht. Du musst die Abschnitte weder der Reihe nach noch vollständig bearbeiten.
Mögliche Antworten sind:
weiß ich noch nicht · wechselnd · trifft nicht zu · möchte ich nicht beantworten
1. Mein Anliegen
Vielleicht möchtest du eine einzelne Rückfrage klären. Vielleicht geht es um eine längerfristige Versorgung oder darum, mehrere Abläufe miteinander zu verbinden.
- Was möchtest oder musst du ermöglichen?
- Welche Frage ist dir wichtig?
- Was ist bereits geklärt?
- Was gelingt und soll erhalten bleiben?
- Welche Unterstützung möchtest du nutzen?
- Was möchtest du selbst entscheiden oder erledigen?
Es geht nicht darum, möglichst viele Angebote wahrzunehmen. Auch das Verstehen von Möglichkeiten, das Abwägen und das Mitteilen einer eigenen Entscheidung gehören dazu.
2. Entdeckungsfragen
Öffne nur das Thema, das dir gerade hilft. Jedes Thema lässt sich einzeln auf- und zuklappen.
Veränderungen bemerken und beschreiben
- Was nimmst du an deinem Befinden wahr?
- Kannst du benennen, was anders oder schwierig ist?
- Wird dir etwas unmittelbar oder erst später deutlich?
- Kannst du beschreiben, wie sich das im Alltag auswirkt?
- Helfen Stichpunkte, Beispiele oder Unterstützung beim Formulieren?
- Was weißt du noch nicht oder möchtest du nicht näher beschreiben?
Welche Beobachtung möchte ich mitteilen oder klären?
Du musst eine Beobachtung nicht selbst diagnostisch einordnen. Dieses Blatt kann nicht beurteilen, wie dringlich eine Beschwerde ist.
Eine Ansprechstelle finden und erreichen
- Weißt du, an wen du dich mit deinem Anliegen wenden kannst?
- Sind Informationen zu Angeboten verständlich und auffindbar?
- Welche Kontaktwege stehen zur Verfügung?
- Sind diese für dich nutzbar?
- Was geschieht, wenn du weiterverwiesen wirst?
- Brauchst du Unterstützung, um Zuständigkeiten oder den nächsten Schritt zu klären?
Was brauche ich, um eine passende Ansprechstelle zu erreichen?
Termine und Zugang organisieren
- Kannst du einen Termin vereinbaren?
- Sind Zeitpunkt, Ort und Teilnahmeform für dich nutzbar?
- Welche Vorbereitung, Wege oder Begleitung gehören dazu?
- Ist benötigte Unterstützung zu dieser Zeit verfügbar?
- Kannst du wichtige Bedingungen vorher mitteilen?
- Was geschieht bei kurzfristigen Änderungen?
Was muss geklärt sein, damit die Teilnahme möglich wird?
Für den gesamten Ablauf kannst du zusätzlich das Modul „Termine vereinbaren, vorbereiten und wahrnehmen“ nutzen.
Mein Anliegen mitteilen
- Kannst du sagen, schreiben oder zeigen, was dich beschäftigt?
- Bekommst du ausreichend Zeit?
- Werden Fragen direkt an dich gerichtet?
- Kannst du Beobachtungen ergänzen, die dir erst später einfallen?
- Werden deine gewählten Kommunikationsformen berücksichtigt?
- Welche Rolle soll eine begleitende Person übernehmen?
Wie kann mein Anliegen verständlich werden?
Dazu kannst du auch das Modul „Kommunikation nach eigenen Möglichkeiten“ nutzen.
Informationen und Möglichkeiten verstehen
- Ist verständlich, was besprochen oder vorgeschlagen wird?
- Kannst du Fragen zu Zweck, Ablauf und möglichen Folgen stellen?
- Weißt du, was bereits entschieden und was noch offen ist?
- Sind wichtige Informationen später erneut zugänglich?
- Hilft eine schriftliche Zusammenfassung oder eine andere Darstellung?
- Kannst du mitteilen, wenn du noch nicht ausreichend verstanden hast?
Welche Erklärung oder Information fehlt mir?
Wünsche, Grenzen und Entscheidungen
- Kannst du Zustimmung, Ablehnung, Unsicherheit oder den Wunsch nach Bedenkzeit ausdrücken?
- Werden deine Fragen und Prioritäten berücksichtigt?
- Kannst du mitteilen, welche Bedingungen du für einen Ablauf brauchst?
- Wird eine gewünschte Unterbrechung aufgegriffen?
- Kannst du eine Entscheidung besprechen, ohne zu einer bestimmten Antwort gedrängt zu werden?
- Ist erkennbar, welche Rolle unterstützende Personen haben?
Was brauche ich, um meine Entscheidung und meine Grenzen mitzuteilen?
Unterstützung beim Verstehen oder Kommunizieren bedeutet nicht automatisch, dass jemand für dich entscheiden soll.
Untersuchungen und andere vereinbarte Abläufe
- Weißt du, was in welcher Reihenfolge geschehen soll?
- Werden Schritte so erklärt, dass du ihnen folgen kannst?
- Sind Räume, Geräte und benötigte Körperpositionen für dich nutzbar?
- Welche Rolle spielen Geräusche, Licht, Gerüche, Berührung oder Wartezeiten?
- Kannst du mitteilen, wenn etwas nicht möglich ist?
- Ist klar, wie du eine Unterbrechung oder Unterstützung anfordern kannst?
Welche Bedingungen brauche ich für den vereinbarten Ablauf?
Du musst intime Einzelheiten nicht festhalten. „Bei einem Teil der Untersuchung brauche ich eine vorherige Erklärung und Unterstützung“ kann als erste Beschreibung reichen.
Rezepte, Verordnungen und benötigte Mittel beschaffen
- Ist klar, was du erhalten hast und welcher nächste Schritt ansteht?
- Kannst du benötigte Unterlagen oder digitale Zugänge nutzen?
- Sind die Mittel oder Hilfsmittel tatsächlich verfügbar?
- Wie gelingt das Abholen, Bestellen oder Entgegennehmen?
- Welche Rolle spielen Wege, Kosten oder erforderliche Rückfragen?
- Was geschieht, wenn etwas nicht verfügbar ist oder eine Unterlage fehlt?
An welchem Beschaffungsschritt wird es schwierig?
Du musst keine Produkt- oder Medikamentennamen nennen.
Vereinbarte Versorgung im Alltag ermöglichen
- Ist verständlich, was du selbst tun sollst und was andere übernehmen?
- Sind benötigte Mittel, Informationen und Unterstützung vorhanden?
- Kannst du Verpackungen, Geräte oder andere Arbeitsmittel nutzen?
- Wie passt der Ablauf zu deinen tatsächlichen Tagesbedingungen?
- Was geschieht bei Unterbrechungen, Ortswechseln oder veränderten Möglichkeiten?
- Kannst du Schwierigkeiten über einen nutzbaren Weg zurückmelden und klären?
Was ist vereinbart – und was davon ist im Alltag tatsächlich möglich?
Hier geht es um Zugänglichkeit und Organisation. Medizinische Fragen zur Anwendung oder Veränderung gehören nicht in die eigene Auswertung dieses Blattes.
Beobachtungen und Rückfragen weitergeben
- Weißt du, wo du Fragen zu einem laufenden Versorgungsschritt stellen kannst?
- Ist dieser Kontaktweg nutzbar?
- Kannst du beschreiben, was du beobachtet hast?
- Bekommst du eine verständliche Antwort?
- Ist klar, was als Nächstes geschehen soll?
- Was bleibt offen?
Welche Rückmeldung oder Klärung brauche ich?
Du musst Veränderungen deines Befindens nicht selbst einer bestimmten Ursache zuordnen.
Informationen zwischen mehreren Stellen verbinden
- Wissen die Beteiligten, welche Aufgaben jeweils übernommen werden?
- Sind benötigte Informationen dort verfügbar, wo sie gebraucht werden?
- Musst du dieselben Angaben wiederholt zusammenstellen oder erklären?
- Gibt es widersprüchliche Informationen, die du klären möchtest?
- Weißt du, wer für offene Fragen zuständig ist?
- Welche Weitergabe von Informationen möchtest du selbst mitgestalten?
Wo entsteht zwischen den einzelnen Stellen zusätzlicher Aufwand oder eine Lücke?
Unterlagen, Anträge und Kosten
- Sind Befunde, Schreiben und andere Unterlagen für dich auffindbar?
- Verstehst du, ob und was du bearbeiten sollst?
- Kannst du Anträge, Nachweise oder Rechnungen zuordnen?
- Welche Ausgaben oder organisatorischen Schritte sind noch ungeklärt?
- Brauchst du Unterstützung beim Zusammenstellen oder Nachfragen?
- Was muss deshalb warten?
Welcher Verwaltungs- oder Kostenschritt erschwert die Versorgung?
Dazu kannst du die Module „Post, Formulare und Behördenangelegenheiten bearbeiten“ und „Geldangelegenheiten und laufende Verpflichtungen handhaben“ nutzen.
Veränderungen und Ausfälle
- Was geschieht, wenn eine vertraute Ansprechperson ausfällt?
- Sind Informationen über geänderte Zuständigkeiten zugänglich?
- Kannst du eine andere Stelle erreichen?
- Was passiert bei Umzug, Reise oder einer veränderten Wohnsituation?
- Ist benötigte Unterstützung weiterhin verfügbar?
- Welche Abläufe müssen neu geklärt werden?
Was brauche ich, damit Versorgung auch bei Veränderungen zugänglich bleibt?
Versorgung und der übrige Alltag
- Wie viel Vorbereitung und Nachbereitung gehört dazu?
- Was gelingt einzeln, lässt sich aber schwer mit anderen Aufgaben verbinden?
- Was muss warten, wird übernommen oder fällt aus?
- Welche Auswirkungen bemerkst du erst später?
- Ist Unterstützung auch bei mehreren Versorgungsschritten verfügbar?
- Wann verläuft es anders?
Wie passen Versorgung und mein übriger Alltag zusammen?
Unterstützung und Privatsphäre
- Welche Unterstützung möchtest du beim Organisieren, Verstehen oder Durchführen?
- Was möchtest du selbst erledigen?
- Welche Informationen dürfen unterstützende Personen für den vereinbarten Zweck sehen?
- Kannst du Angaben und Formulierungen prüfen?
- Möchtest du Teile eines Gesprächs ohne Begleitung führen?
- Werden deine Wünsche zur Unterstützung berücksichtigt?
Welche Aufgabenverteilung passt zu mir und wahrt meine Privatsphäre?
Meine eigene Ergänzung
Welche wichtige Situation oder Erfahrung fehlt hier für mich?
3. Schwierigkeiten und mögliche Barrieren unterscheiden
Eine Schwierigkeit beschreibt zunächst, was bei einer Tätigkeit geschieht. Eine Barriere ist im fachlichen Sinn der ICF eine hindernde äußere Bedingung.
Beides kann zusammenhängen, ist aber nicht dasselbe.
| Meine Beobachtung | Äußere Bedingung | Was ich über den Zusammenhang weiß oder vermute |
|---|---|---|
| „Meine Rückfrage bleibt offen.“ | „Der angebotene Kontaktweg ist für mich nicht nutzbar.“ | „Über einen schriftlichen Austausch konnte ich ein vergleichbares Anliegen bereits klären.“ |
| „Ich weiß nach dem Gespräch nicht, welcher Schritt ansteht.“ | „Die Informationen wurden ausschließlich mündlich gegeben.“ | „Eine schriftliche Übersicht könnte helfen. Ob das ausreicht, ist noch offen.“ |
| „Ein benötigtes Hilfsmittel ist vorhanden, wird aber nicht genutzt.“ | „Die Einweisung war für mich nicht verständlich; eine passende Erklärung fehlt bisher.“ | „Ich möchte klären, welche Erklärung und weitere Unterstützung ich brauche.“ |
Du musst eine Barriere noch nicht sicher benennen können. Dein Befinden und persönliche Umstände dürfen ebenfalls Teil der Beschreibung sein. Eine Beschwerde ist keine Umweltbarriere, kann aber für das Verständnis deiner Situation wichtig sein.
Eine Schwierigkeit bei der Organisation sagt für sich genommen nicht, ob eine Versorgung medizinisch erforderlich, passend oder wirksam ist. Das wird mit dieser Arbeitshilfe nicht beurteilt.
4. Eine konkrete Situation verstehen
Wähle einen tatsächlichen Versorgungsschritt oder eine offene Frage. Allgemeine Bezeichnungen reichen.
- Was wolltest oder brauchtest du?
- Was war besprochen oder vereinbart?
- Welche Schritte standen an?
- Was geschah nacheinander?
- Wo wurde es schwierig?
- Welche Bedingungen und Unterstützung waren vorhanden?
- Was wurde ermöglicht oder geklärt?
- Was blieb offen, und was war danach noch möglich?
Vielleicht passt eine dieser Beschreibungen:
- Der Versorgungsschritt gelang unter passenden Bedingungen.
- Einzelne Schritte gelangen.
- Die Versorgung wurde mit Unterstützung möglich.
- Ein Termin fand statt, aber wichtige Informationen blieben unklar.
- Etwas wurde vereinbart, lässt sich bisher aber nicht im Alltag umsetzen.
- Eine benötigte Unterstützung oder ein nutzbarer Zugang fehlte.
- Ich möchte zunächst weitere Informationen, bevor ich entscheide.
- Wie die Situation einzuordnen ist, weiß ich noch nicht.
Du musst belastende Situationen nicht wiederholen oder Hilfe weglassen, um deinen Bedarf zu beschreiben.
5. Unterstützung und Bedingungen des Gelingens
„Hilfe bei der gesundheitlichen Versorgung“ kann unterschiedliche Aufgaben umfassen.
| Bereich | Möglicher Beitrag der Unterstützung |
|---|---|
| Zugang | Ansprechstellen und nutzbare Kontaktwege finden. |
| Vorbereitung | Beobachtungen, Fragen und benötigte Unterlagen gemeinsam ordnen. |
| Teilnahme | Wege, Begleitung und die gewählte Kommunikation ermöglichen. |
| Verstehen | Informationen gemeinsam durchgehen und offene Fragen festhalten. |
| Organisation | Beschaffung, Zuständigkeiten und nächste Schritte abstimmen. |
| Alltag | Vereinbarte Unterstützung bei konkreten Abläufen verfügbar machen. |
| Verlässlichkeit | Zeiten, Umfang und mögliche Vertretung klären. |
Halte auch fest:
- Was entscheidest und erledigst du selbst?
- Was geschieht gemeinsam?
- Was wird auf deinen Wunsch übernommen?
- Kannst du mit dieser Hilfe rechnen? Wann ist sie verfügbar?
- Wie aufwendig ist es, sie zu organisieren?
- Was hast du bei fehlender Unterstützung beobachtet?
- Was weißt du darüber noch nicht?
Es sollte erkennbar bleiben, welche Angaben von dir stammen und welche ergänzende Beobachtungen anderer sind.
6. Aufwand, Auswirkungen und Erholung
Zur sichtbaren Versorgung können zahlreiche organisatorische Schritte gehören.
Wenn es für dein Anliegen wichtig ist, beschreibe:
- Kontaktversuche und Terminabstimmung;
- Vorbereitung von Fragen und Unterlagen;
- Wege und Wartezeiten;
- Kommunikation und Teilnahme;
- Beschaffung benötigter Mittel;
- Abstimmung zwischen Stellen;
- Organisation von Unterstützung;
- Auswirkungen auf Versorgung, Arbeit, Beziehungen oder andere Vorhaben.
Ungefähre Angaben reichen. Zeiten können sich überschneiden und müssen nicht addiert werden.
Brauchte ich anschließend Entlastung? Gab es dafür eine tatsächliche Möglichkeit? Habe ich Erholung versucht – und welche Veränderung habe ich wahrgenommen?
Dabei unterscheiden wir:
| Begriff | Bedeutung in dieser Arbeitshilfe |
|---|---|
| Erholungsbedarf | Dein wahrgenommener Bedarf an Entlastung. Er sagt noch nicht, ob eine passende Möglichkeit vorhanden ist. |
| Ruhezeit | Ein Zeitraum mit tatsächlich verringerten Anforderungen. Er führt nicht automatisch zu Erholung. |
| Rückzug | Eine Verringerung von Kontakten oder Reizen. Ob der Rückzug gewünscht ist und wie er wirkt, bleibt zunächst offen. |
| Erholungsversuch | Etwas, das du mit der Absicht tust, dich zu erholen. Die Bezeichnung enthält noch keine Aussage über den Erfolg. |
| Wahrgenommene Erholung | Eine von dir bemerkte Verbesserung deines Zustands. Sie kann teilweise, vorübergehend oder verzögert eintreten. |
Diese Arbeitsbegriffe sind eine eigene Ausarbeitung von Neurofacetten.
Zeit zwischen Versorgungsschritten ist nicht automatisch verfügbare Zeit. Wahrgenommene Erholung ist außerdem keine Beurteilung des Behandlungserfolgs. Erholung muss sich nicht durch anschließende Produktivität beweisen.
Meine Situation festhalten
Mein Situationsblatt
Du kannst dieses Blatt für eine einzelne Situation oder ein wiederkehrendes Muster verwenden. Stichpunkte und allgemeine Bezeichnungen genügen.
Mein Wunsch oder notwendiges Anliegen
Das möchte oder muss ich ermöglichen:
Das gelingt bereits:
Konkrete Tätigkeit und Schwierigkeit
Situation und betrachteter Zeitraum:
Das geschieht tatsächlich:
Hier wird es schwierig – falls ich das schon eingrenzen kann:
Es geht um Zugang, Verstehen, Entscheiden, Beschaffung, Durchführung, Abstimmung oder folgende einzelne Schritte:
Häufigkeit, Dauer und Unterschiede
Wie häufig und wie lange tritt die Schwierigkeit ungefähr auf?
Seit wann kenne ich sie?
Wann gelingt es leichter, schwerer oder auf andere Weise?
Bedingungen des Gelingens und mögliche Barrieren
Diese Bedingungen erleichtern die Situation:
Diese äußeren Bedingungen erschweren die Situation nach meiner Beobachtung oder kommen als Erklärung infrage:
Diese Unterstützung oder zugängliche Möglichkeit fehlt:
Was ich zu meinem Befinden oder meinen persönlichen Umständen ergänzen möchte – freiwillig:
Vorhandene Unterstützung
Wer oder was unterstützt mich? Wobei genau?
Was entscheide und erledige ich selbst, was gemeinsam, was wird übernommen?
Kann ich mit dieser Hilfe rechnen? Wann ist sie verfügbar?
Was habe ich bei fehlender Unterstützung beobachtet?
Aufwand und Auswirkungen
Eigene zusätzliche Zeit und Anstrengung:
Aufwand unterstützender Personen, soweit bekannt:
Was ist anschließend möglich? Was muss warten, übernimmt jemand anderes oder fällt aus?
Erholungsbedarf und Verlauf
Welche Entlastung brauche ich?
Welche Ruhezeit oder Möglichkeit zum Rückzug besteht tatsächlich?
Was habe ich mit der Absicht versucht, mich zu erholen?
Welche Veränderung habe ich wahrgenommen – oder konnte ich noch nicht beurteilen?
Gewünschte Veränderung
Das wünsche ich mir beziehungsweise möchte ich klären:
Brauche ich Unterstützung oder andere Bedingungen? Wenn ja: wobei?
Wer könnte bei der Veränderung helfen oder darüber entscheiden? Weiß ich das schon?
Offene Fragen und Grundlage meiner Angaben
Was ist beobachtet, was vermutet und was noch unklar?
Meine Angaben beruhen auf:
☐ eigener Erinnerung
☐ ungefährer Schätzung
☐ zeitnahen Notizen
☐ gemeinsam besprochenen Beobachtungen
☐ anderem: …………………………………………………………..
Beim Formulieren wurde ich unterstützt durch:
Ergänzende Beobachtungen anderer, getrennt von meinen eigenen Angaben:
Für andere zusammenfassen
Für andere beschreiben
7. Eine gewünschte Veränderung formulieren
Du musst noch keine fertige Lösung kennen.
Ich möchte … ermöglichen.
Bisher gelingt das unter folgenden Bedingungen: …
Schwierig wird es bei …
Ich brauche Unterstützung oder andere Bedingungen für …
Welche Lösung passt, möchte ich gemeinsam klären.
Mögliche Anliegen sind beispielsweise:
- einen nutzbaren Kontaktweg erhalten;
- Beobachtungen in der gewählten Kommunikationsform mitteilen;
- wichtige Informationen verständlich und später erneut zugänglich bekommen;
- Zeit für Rückfragen und Entscheidungen erhalten;
- benötigte Bedingungen vor einem Ablauf abstimmen;
- Unterstützung bei Beschaffung oder Organisation verlässlich nutzen;
- Zuständigkeiten zwischen mehreren Stellen klären;
- vereinbarte Versorgung mit den tatsächlichen Alltagsbedingungen abgleichen.
Ob eine Möglichkeit passt, hängt von dir und der Situation ab. Wichtig sind auch Zugänglichkeit, Kosten, zusätzlicher Aufwand, Verlässlichkeit und deine Entscheidungsfreiheit.
8. Zusammenfassung für Beratung, Gespräche oder Behörden
Du kannst passende Angaben aus dem Situationsblatt übernehmen. Häufig lässt sich der organisatorische Bedarf beschreiben, ohne Diagnosen, Befunde oder konkrete Mittel zu nennen. Welche weiteren Angaben für einen bestimmten Zweck benötigt werden, muss gesondert geklärt werden.
Diese Darstellung beschreibt meinen tatsächlichen Alltag und die Bedingungen, unter denen Tätigkeiten gelingen. Ungefähre Angaben sind als solche gekennzeichnet.
Mein Anliegen und der betrachtete Zeitraum:
…
Die konkrete Schwierigkeit:
Beim … geschieht …
Ein Beispiel dafür ist …
Häufigkeit, ungefähre Dauer und Unterschiede:
…
Leichter, schwerer oder anders gelingt es, wenn …
Äußere Bedingungen und mögliche Barrieren:
…
Beobachtet ist …
Noch unklar beziehungsweise vermutet ist …
Was gelingt und welche Unterstützung dazu beiträgt:
… unterstützt mich bei …
Ich selbst entscheide beziehungsweise erledige …
Mit dieser Hilfe kann ich … rechnen.
Bei fehlender Unterstützung habe ich beobachtet:
…
Noch nicht bekannt ist …
Zusätzlicher Aufwand und Auswirkungen:
…
Dadurch muss … warten, wird übernommen oder fällt aus.
Erholungsbedarf und Verlauf:
Ich brauche …
Eine tatsächliche Möglichkeit zur Entlastung besteht …
Zur Erholung versucht habe ich …
Wahrgenommen habe ich …
Gewünschte Veränderung oder offener Klärungsbedarf:
…
Grundlage dieser Angaben und Unterstützung beim Formulieren:
…
Ergänzende Beobachtungen anderer sind gesondert gekennzeichnet.
Diese persönliche Darstellung kann Gespräche und Verfahren vorbereiten. Sie ist kein medizinischer Befund und kein amtliches Begutachtungsinstrument. Sie ergibt keine Einstufung, etwa eines GdB oder Pflegegrades. Welche Angaben und Unterlagen für ein bestimmtes Verfahren erforderlich sind, muss gesondert geklärt werden.
9. Ein ausgefülltes Beispiel
Das Beispiel ist erfunden. Es beschreibt eine mögliche Situation und ist kein Maßstab für andere Menschen.
Anliegen
„Ich möchte verstehen, welche organisatorischen Schritte nach einem Versorgungstermin anstehen, und diese verlässlich erledigen können.“
Beobachtung
„Nach zwei Terminen im vergangenen Monat wusste ich, dass ich etwas beschaffen und anschließend eine Rückmeldung geben sollte. Zu Hause konnte ich die Reihenfolge und die zuständige Kontaktstelle nicht mehr sicher zuordnen.“
Äußere Bedingungen und mögliche Barrieren
„Die nächsten Schritte wurden mündlich besprochen. Eine schriftliche Übersicht erhielt ich nicht. Ob eine solche Übersicht allein ausreichen würde, weiß ich noch nicht.“
Unterstützung und eigener Anteil
„Eine vertraute Person half mir, meine offenen Fragen aufzuschreiben. Über einen schriftlichen Kontakt konnte ich anschließend klären, welche Stelle für welchen Schritt zuständig war. Die Nachricht prüfte und versendete ich selbst.“
Aufwand und Erholung
„Für das erneute Ordnen und Nachfragen benötigte ich zusätzliche Zeit. Eine andere Aufgabe verschob ich. Danach versuchte ich, mich in einer Zeit mit weniger Anforderungen zu erholen. Ich bemerkte weniger Anspannung. Über die Wirkung der Versorgung selbst sagt diese Beobachtung nichts aus.“
Gewünschte Veränderung
„Ich möchte die nächsten Schritte am Ende eines Termins einzeln durchgehen und in einer für mich nutzbaren Form erhalten. Für spätere Rückfragen möchte ich einen erreichbaren Kontaktweg kennen.“
Kurze Zusammenfassung für ein Gespräch
„Die Teilnahme an den Terminen gelingt. Die anschließende Organisation gelang zuletzt erst nach zusätzlichen Rückfragen und mit Unterstützung beim Ordnen. Ich möchte Zuständigkeiten und nächste Schritte verständlich festhalten und später nachfragen können.“
10. Nach einer Veränderung zurückschauen
Wähle wenige Fragen, die zu deinem Anliegen passen:
- Kann ich eine passende Ansprechstelle erreichen?
- Kann ich mein Anliegen in meiner gewählten Form mitteilen?
- Verstehe ich die Informationen und offenen Möglichkeiten?
- Kann ich Wünsche, Grenzen und Entscheidungen ausdrücken?
- Sind benötigte Mittel, Ausstattung und Unterstützung zugänglich?
- Sind die nächsten Schritte und Zuständigkeiten klar?
- Passt der vereinbarte Ablauf zu meinen tatsächlichen Alltagsbedingungen?
- Wie verändern sich Aufwand und Auswirkungen auf andere Lebensbereiche?
- Bleibt meine Privatsphäre gewahrt?
- Was ist noch offen?
Mögliche Antworten:
besser · unverändert · schwieriger · wechselnd · noch nicht beurteilbar · nicht relevant
Entscheidend ist, ob deine Versorgung und deine eigene Beteiligung zugänglicher werden. Mehr Angebote wahrzunehmen oder weniger Unterstützung zu nutzen, ist kein allgemeiner Erfolgsmaßstab.
Eine beobachtete Veränderung beweist keinen eindeutigen ursächlichen Zusammenhang und bewertet nicht die medizinische Wirksamkeit einer Behandlung.
Fachliche Einordnung und Quellen
Wissensstatus und Quellen
ICF als fachlicher Hintergrund
Die ICF ist die Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit der Weltgesundheitsorganisation. Für die folgenden Bezüge wird die deutschsprachige Fassung von 2005 verwendet.
Das Modul orientiert sich unter anderem an d570 „Auf seine Gesundheit achten“. Es verbindet diesen Bezug mit den Tätigkeiten und Umweltbedingungen, die für den Zugang zur Versorgung wichtig sein können.
| ICF-Bezug | Bedeutung für diese Arbeitshilfe |
|---|---|
| d570: Auf seine Gesundheit achten | Kann Tätigkeiten rund um die eigene gesundheitliche Versorgung betreffen. |
| d5702: Seine Gesundheit erhalten | Bezieht unter anderem das Nutzen gesundheitlicher Unterstützung und den Umgang mit gesundheitlichen Versorgungsbedürfnissen ein. |
| Kapitel d2: Allgemeine Aufgaben und Anforderungen | Beispielsweise einzelne Schritte organisieren und in den Alltag einbinden. |
| Kapitel d3: Kommunikation | Beispielsweise Beschwerden oder Fragen mitteilen, Informationen verstehen und Entscheidungen ausdrücken. |
| Kapitel d4: Mobilität | Kann das Erreichen und Nutzen von Versorgungsorten betreffen. |
| e580: Dienste, Systeme und Handlungsgrundsätze des Gesundheitswesens | Kann die Gestaltung und Verfügbarkeit gesundheitlicher Versorgung betreffen. |
| Weitere Umweltfaktoren | Beispielsweise Hilfsmittel, Unterstützung, räumliche Bedingungen und Einstellungen anderer. |
Die Erläuterungen in der rechten Spalte sind alltagsnahe Zusammenfassungen, keine vollständigen Definitionen der Kategorien. Nicht jeder Bezug trifft auf jede Situation zu.
Die Benennung von d570 bedeutet nicht, dass die Verantwortung für zugängliche Versorgung allein bei der Person liegt. Fehlende Angebote, unzugängliche Abläufe oder nicht verfügbare Unterstützung sind gesondert zu betrachten.
Die Arbeitshilfe beschreibt den tatsächlichen Alltag. Sie misst die ICF-Leistungsfähigkeit nicht standardisiert und beurteilt keine Körperfunktionen, Diagnosen oder Behandlungsbedarfe.
Einordnung der Arbeitshilfe
- Klassifikation: Die genannten Kategorien stammen aus der ICF. Sie ordnen Beschreibungen, erklären aber für sich genommen keine individuelle Ursache.
- Eigene Ausarbeitung von Neurofacetten: Aufbau, Entdeckungsfragen, Arbeitsbegriffe, Situationsblatt und Formulierungshilfen sind eine redaktionelle Ausarbeitung. Sie sind kein validiertes Testverfahren.
- Persönliches Erfahrungswissen: Deine Angaben beschreiben deine Wahrnehmungen und Beobachtungen. Daraus werden keine Aussagen über alle neurodivergenten Menschen abgeleitet.
- Beispiele und Veränderungsideen: Sie zeigen organisatorische Möglichkeiten, ohne eine allgemeine Wirksamkeit zu belegen. Sie enthalten keine Diagnose-, Medikamenten- oder Therapieempfehlungen.
Fachliche Grundlagen
- BfArM: ICF, deutschsprachige Fassung 2005 – Gesamtübersicht
- BfArM: Selbstversorgung – einschließlich „Auf seine Gesundheit achten“
- BfArM: Allgemeine Aufgaben und Anforderungen
- BfArM: Kommunikation
- BfArM: Dienste, Systeme und Handlungsgrundsätze – einschließlich Gesundheitswesen
- BfArM: Umweltfaktoren – Barrieren und Förderfaktoren
Redaktionelle Endfassung: 19. Oktober 2026.
